Das kam so. In der Prager Judenstadt lebte damals ein alter Mann, Pesach Wolf, der eine Buchhandlung besass. Er war reich und in Folge seiner Orthodoxie geachtet und gefürchtet. Wolf hatte seine Frau und seine Kinder begraben und hatte nur noch eine Enkelin, Jenta, die sein Stolz und seine Freude war. Diese wollte er um jeden Preis verheirathen, aber es fand sich kein Mann, trotz der reichen Mitgift.

Endlich gab Wolf jede Hoffnung auf, und da er den Kopf voll Mystizismus und Aberglauben hatte, so umschlich er eines Abends die Alt-Nai-Schule, in der Absicht, einen gelehrten polnischen Talmudisten zu finden, der ihm helfen sollte, denn nur zu einem Kabbalisten des Ostens hatte er Zutrauen.

Hier traf ihn Treitel und liess ihn nicht mehr los. Endlich begann Pesach Wolf: »Sagen Sie mir, Treitel, auf dem Boden der Alt-Nai-Schule soll der Gaulim des berühmten Rabbi Löb aufbewahrt sein.«

»Ja, so sagt man.«

»Könnte man diesen Gaulim nicht bekommen?«

»Zu welchem Zweck? Aber Sie wissen doch, dass sich Niemand auf den Boden wagt. Wahrscheinlich haben in früheren Zeiten die Rabbiner allerhand unheimliche Geschichten über die Alt-Nai-Schule verbreitet, um die Christen abzuschrecken und sind dort heute noch Schätze und Geheimnisse aller Art verborgen.«

»Kennen Sie Jemand, Treitel«, fuhr Pesach Wolf leise fort, »der ein Kabbalist ist, wie Rabbi Löb einer war, der einen Gaulim bilden kann und ihn zu beleben versteht durch Einhauchen heiliger Namen?«

»Das sind doch Märchen!« rief Treitel lachend. »Rabbi Löb mag einen Automaten gehabt haben, der Anlass zu der Sage gab. Aber wozu wollen Sie denn solch einen Gaulim haben?«

»Für meine arme Jenta«, sagte der Greis seufzend, »da sie schon keinen Mann haben soll, möchte ich ihr einen schönen Gaulim zum Spielzeug geben.«