„Liebst du mich denn gar nicht mehr?“ fuhr ich fort, „fühlst du nicht ein wenig Mitleid mit mir? Hat der fremde, schöne Mann dich schon ganz an sich gerissen?“
„Ich kann nicht lügen,“ entgegnete sie sanft nach einer kleinen Pause, „er hat mir einen Eindruck gemacht, den ich nicht fassen kann, unter dem ich selbst leide und zittere, einen Eindruck, wie ich ihn von Dichtern geschildert gefunden habe, wie ich ihn auf der Bühne sah, aber für ein Gebilde der Phantasie hielt. O! das ist ein Mann wie ein Löwe, stark und schön und stolz und doch weich, nicht roh wie unsere Männer im Norden. Mir tut es leid um dich, glaub’ mir, Severin; aber ich muß ihn besitzen, was sage ich? ich muß mich ihm hingeben, wenn er mich will.“
„Denk an deine Ehre, Wanda, die du bisher so makellos bewahrt hast,“ rief ich, „wenn ich dir schon nichts mehr bedeute.“
„Ich denke daran,“ erwiderte sie, „ich will stark sein, so lange ich kann, ich will —“ sie barg ihr Gesicht verschämt in den Polstern — „ich will sein Weib werden — wenn er mich will.“
„Wanda!“ schrie ich, wieder von jener Todesangst erfaßt, die mir jedesmal den Atem, die Besinnung raubte; „du willst sein Weib werden, du willst ihm gehören für immer, o! stoße mich nicht von dir! Er liebt dich nicht —“
„Wer sagt dir das!“ rief sie aufflammend.
„Er liebt dich nicht,“ fuhr ich leidenschaftlich fort, „ich aber liebe dich, ich bete dich an, ich bin dein Sklave, ich will mich treten lassen von dir, dich auf meinen Armen durch das Leben tragen.“