„Im Gegenteil.“
Wanda hatte sich auf ihren linken Arm aufgerichtet. „Ich glaube,“ sprach sie, „daß man, um einen Mann für immer zu fesseln, ihm vor allem nicht treu sein darf. Welche brave Frau ist je so angebetet worden, wie eine Hetäre?“
„In der Tat liegt in der Treulosigkeit eines geliebten Weibes ein schmerzhafter Reiz, die höchste Wollust.“
„Auch für dich?“ fragte Wanda rasch.
„Auch für mich.“
„Wenn ich dir also dies Vergnügen mache?“ rief Wanda spöttisch.
„So werde ich entsetzlich leiden, dich aber um so mehr anbeten,“ entgegnete ich, „nur dürftest du mich nie betrügen, sondern müßtest die dämonische Größe haben, mir zu sagen: ich werde dich allein lieben, aber jeden glücklich machen, der mir gefällt.“
Wanda schüttelte den Kopf. „Mir widerstrebt der Betrug, ich bin ehrlich, aber welcher Mann erliegt nicht unter der Wucht der Wahrheit. Wenn ich dir sagen würde: dies sinnlich heitere Leben, dies Heidentum ist mein Ideal, würdest du die Kraft haben, es zu ertragen?“
„Gewiß. Ich will alles von dir ertragen, nur dich nicht verlieren. Ich fühle ja, wie wenig ich dir eigentlich bin.“