„Du bist herzloser, als ich dachte,“ erwiderte ich verletzt.

„Severin,“ begann Wanda ernst. „Ich habe noch nichts getan, nicht das Geringste, und du nennst mich schon herzlos. Wie wird das werden, wenn ich deine Phantasien erfülle, wenn ich ein lustiges, freies Leben führe, einen Kreis von Anbetern um mich habe, und ganz dein Ideal, dir Fußtritte und Peitschenhiebe gebe?“

„Du nimmst meine Phantasie zu ernst.“

„Zu ernst? Sobald ich sie ausführe, kann ich doch nicht beim Scherze stehen bleiben,“ entgegnete sie, „du weißt, wie verhaßt mir jedes Spiel, jede Komödie ist. Du hast es so gewollt. War es meine Idee oder die deine? Habe ich dich dazu verführt oder hast du meine Einbildung erhitzt? Nun ist es mir allerdings Ernst.“

„Wanda,“ erwiderte ich liebevoll, „höre mich ruhig an. Wir lieben uns so unendlich, wir sind so glücklich, willst du unsere ganze Zukunft einer Laune opfern?“

„Es ist keine Laune mehr!“ rief sie.

„Was denn?“ fragte ich erschrocken.

„Es lag wohl in mir,“ sprach sie ruhig, gleichsam nachsinnend, „vielleicht wäre es nie an das Licht getreten, aber du hast es geweckt, entwickelt, und jetzt, wo es zu einem mächtigen Trieb geworden ist, wo es mich ganz erfüllt, wo ich einen Genuß darin finde, wo ich nicht mehr anders kann und will, jetzt willst du zurück — du — bist du ein Mann?“

„Liebe, teure Wanda!“ ich begann sie zu streicheln, zu küssen.