„Das ist eine Idee, Romulus,“ sagte sie und trat ans Fenster. Dort hob sie sehnsüchtig die weißen Arme dem Riesenstern entgegen, der purpurleuchtend am Himmel stand.

„Ich fühle Sehnsucht, unstillbare Sehnsucht,“ murmelte sie, „und weiß doch nicht wonach, warum! Mir ist als müßte ich wandern, nach irgend einem Orte, der meine Bestimmung einschließt!“

John Crofton fand eine Spazierfahrt gegen den roten Kometen nicht nach seinem Geschmack.

„Man gibt heute abend den Tannhäuser,“ meinte er. „Happy Head-Divina singt die Elisabeth. Ihrer persönlichen Liebenswürdigkeit habe ich drei Plätze zu verdanken, denn die Oper ist ausverkauft, wie immer. Ich hatte sicher darauf gerechnet, daß ihr mitkommen würdet!“

Frau Fabia war eine große Musikfreundin. Sie änderte daher sofort ihren Plan und gab ihre Zustimmung, die Oper zu besuchen. Eine halbe Stunde später fuhren die beiden Herren mit der Dame in die große Oper . . .

Die Vorstellung begann pünktlich. Frau Fabia vergaß alles um sich her, während sie der Musik Richard Wagners lauschte, der im dritten Jahrtausend wieder Mode geworden war, nachdem man diese Liebhaberei Jahrhunderte begraben gehabt.

Romulus Futurus aber konnte den Blick nicht von seiner Gattin wenden. Etwas Gequältes lag in seinen Mienen, denn zu seinem eigenen Entsetzen mußte er bemerken, daß die rasende Liebe, die er für sie empfunden, immer mehr nachließ, in dem Bewußtsein, daß er wiederum nicht das gefunden hatte, was er suchte. Inzwischen verließ John Crofton die Loge und begab sich hinter die Kulissen.

Happy Head-Divina hatte gerade nichts zu tun. Sie war bezaubernd schön in dem weißen Gewande der Elisabeth, das ihrem Antlitz einen göttlichen Schimmer verlieh und ihre Gestalt wie in flüssiges Silber tauchte.

„Sie haben mich rufen lassen, Happy,“ begann John Crofton und trat in ihren Ankleideraum, der aus zwei luxeriös eingerichteten Zimmern bestand. Auf einen Wink von ihr entfernte sich schweigend die Kammerzofe und der kleine schwarze Groom.

„Ich wollte gern wieder einmal ein paar Augenblicke mit dir verplaudern,“ entgegnete die Sängerin. „Du machst dich so selten bei mir, und man spricht in unseren Kreisen davon, deine Liebe für Frau Fabia habe immer noch nicht nachgelassen!“