„Laufe in die Kanzlei, mein Junge, und benachrichtige Dr. Diabel, der sich zufällig dort aufhält. Sage ihm, er möchte auf der Stelle kommen. Sir Crofton wurde von einem Unwohlsein befallen und liegt in meiner Garderobe.“
Dann ging sie hinaus, betrat im nächsten Augenblick die Bühne und sang ihre Partie mit so bezaubernden Wohlklang, mit solcher Kraft und Frische, daß mitten in die Szene hinein ein Beifallssturm des Publikums brauste. — —
Der Groom hatte inzwischen den Befehl der Herrin ausgerichtet. Er traf Dr. Diabel tatsächlich in der Kanzlei, wo er mit dem Direktor des Theaters gerade eine Unterredung hatte, und führte ihn, der bei der Nachricht nicht sonderlich erstaunt gewesen war, in die Garderobe seiner Herrin.
Dr. Diabel trat ein.
„Du kannst gehen,“ wandte er sich an den Groom. „Laß mich allein!“
Der Schwarze kreuzte die Arme über der Brust, verneigte sich und verließ die Garderobe.
Dr. Diabel war allein mit dem bewußtlosen John Crofton, dessen Antlitz gelb war wie die Schale einer Zitrone. Das Gesicht des Arztes erschien in diesem Augenblick noch unsympathischer, als es sonst schon wirkte. Die bleichen Züge waren förmlich durchsichtig geworden; die großen, dunklen Augen lagen tief in den Höhlen, und schwarze Schatten ringelten sich um seine Schläfen, während das Gesicht ganz zurücktrat in den spitz zulaufenden Rahmen des Bartes.
Dr. Diabel drehte zunächst das elektrische Licht aus, daß durch den Reflektor, der an der Decke angebracht war, nur mehr das Purpurlicht des roten
Kometen Zutritt in das Zimmer hatte. Dann schritt er auf den Tisch zu und goß das Glas John Croftons aus, in dem sich der Rest des Betäubungsmittels befand, das die Schauspielerin ihm gereicht hatte. Darauf riß er den Bewußtlosen brutal in die Höhe, warf ihn über einen Sessel, daß auf der einen Seite die Füße, auf der anderen der Kopf und die Schultern hinabhingen, und durchsuchte in fiebernder Eile seine Taschen.
Endlich schien er das Richtige gefunden zu haben. Im Scheine des roten Lichts entfaltete er ein Dokument, das eine Reihe von Korrekturen aufwies und teils in Hand-, teils in Maschinenschrift ausgefertigt war. Er ließ das Dokument in der Brusttasche verschwinden und goß dann auf einen kleinen Löffel einige Tropfen aus einem Fläschchen, das er in der Westentasche getragen hatte. Diese Flüssigkeit ließ er zwischen die Zähne des Bewußtlosen gleiten. Es dauerte keine drei Minuten, da schlug John Crofton die Augen auf und sah sich mit einem müden Blicke um.