Die erste Heldentat der Aufständischen, die in großen Scharen die Straßen durchzogen und mit den Truppen der Regierung auf allen Plätzen ins Gefecht kamen, bestand in der Erstürmung des großen Untersuchungsgefängnisses am Spittelmarkt.

Nach kurzem Widerstand der Besatzung ergoß sich die Flut der Revolutionäre in die dunklen, finsteren Gänge; da und dort lag die Leiche eines ermordeten Aufsehers. Einige Minuten später aber strömte die Schar der Eingekerkerten hinaus, die Brüder umarmend, die ihnen, den Verbrechern, die Freiheit wiedergegeben hatten.

Auch Dr. Diabel befand sich unter ihnen. Nachdem er dem Führer des Trupps die Hand gedrückt, eilte er, ohne sich einen Augenblick aufzuhalten, in das Gemach der kranken Fürstin Angelika und nahm dort seinen Platz als Arzt und Wächter wieder ein.

Berlin glich in wenigen Stunden einer belagerten Festung. Die Straßen waren röter noch von Blut, als von dem Lichte des Kometen. Die Bürger hatten ihre Häuser versperrt, aber die Aufständischen schlugen die Türen mit Aexten ein, zerrten die Frauen auf die Straßen, warfen die Kinder in die aufgepflanzten Bajonette und mordeten die Männer.

Die, welche auf den ersten Alarmruf hin teils unter die Fahnen der Regierung, teils unter das Banner des Aufstandes geeilt waren, kämpften mit einer Erbitterung, die unbeschreiblich war. Durch die Friedrichstraße zogen etwa dreitausend Revolutionäre unter der Führung Peter Cornelius, des Studenten.

Er war einer der Ueberzeugtesten, einer von denen,

die bestimmt wußten, daß die Natur sich ändert, wenn man Blut vergießt, daß die ganze Welt sich in ihrem Laufe umdreht und verkehrt um die Sonne gehen wird, wenn man die Reichen beseitigt und an Stelle derer, die bisher regiert haben, andere setzt. — —

In den Augen des Peter Cornelius glühte ein verhängnisvoller Wahnsinn. Trunken von einem Rausche, der weder durch den Alkohol, noch durch das Blut, sondern einzig und allein durch die Purpurfluten des roten Kometen hervorgerufen war, schwankten seine Genossen durch die Straßen, mordeten, schändeten, begingen Exzesse der Tollheit und riefen die Freiheit aus.

Da begegnete ihnen ein starker Trupp von Soldaten. Diese waren bedeutend in der Ueberzahl, und die Revolutionäre verlangten von ihrem Führer, daß er sie zurückführe, denn ein Kampf mußte zu Ungunsten der Revolutionäre enden, da die Bewaffnung des Militärs eine weitaus bessere war.

Auf einem elektrischen Karren, den die Soldaten in der Mitte mit sich führten, stand mit gefesselten Händen ein Weib.