Ihre Arme lagen auf dem Rücken; das schwere goldene Haar hatte sich gelöst und floß in langen Wellen über ihre Schultern, von denen das weißseidene Kleid teilweise in Fetzen herabhing. Ihre Lippen glühten wie Purpur, und ein höhnisches Lächeln leuchtete aus ihren Augen.
Als die Soldaten und die Revolutionäre einander so nahe gekommen waren, daß sie sich verständigen konnten, blieb Peter Cornelius plötzlich wie angewurzelt stehen.
Er hatte die Gefangene erkannt. Noch war nämlich der Sieg der Revolutionäre lange nicht entschieden und
man war bemüht, die Verbrecher, deren man habhaft werden konnte, unter starker Militäreskorte wieder in das Gefängnis zurückzuführen.
„Happy Divina!“ murmelte der Student, zu den Waffen greifend.
Auch sie hatte ihn gesehen und erkannt, und während die beiden feindlichen Trupps einander zornglühend gegenüberstanden, während das Entbrennen des Kampfes und Mordens nur noch von Sekunden abhing, rief Happy Divina:
„Ei, sieh an! Peter Cornelius, der Held! Habt Ihr Euch endlich aufgerafft? Habt Ihr diese Barbaren niedergeworfen? Da seht her, was sie mit mir gemacht haben!“
Und sie, die Tausende und Abertausende von Menschen durch ihre Stimme in einen Rausch der Begeisterung versetzt hatte, hob ihre Arme etwas vom Rücken ab, und man sah die weißen, leuchtenden Hände zwischen dicken Stricken.
Dieser Appell entflammte Peter Cornelius zu wahnsinniger Wut gegen die, welche dieses schöne Weib brutal ins Gefängnis führen wollten. Liebte er doch Happy Divina seit langer, langer Zeit! Aber wie hätte Peter Cornelius es jemals wagen dürfen, sich der Sängerin, die von den höchsten Würdenträgern das Reiches verehrt wurde, zu nähern? Er, der arme Student, der seinen ersten Studien bei Dr. Diabel oblag!
Die stolze Sängerin, die gefeiert wurde gleich einer Königin, würde nicht wenig gelacht haben über den armen Studiosus, hätte er ihr seine Liebe erklärt. Aber jetzt, in diesem Augenblick, da die Welt unterzugehen drohte, jetzt war alles anders geworden! Die Ersten waren die Letzten und die Letzten waren die Ersten geworden!