Eine dicke Ruß- und Rauchwolke lagerte sich über die Stadt. In manchen Straßen war es so arg, daß die Menschen nicht mehr atmen konnten und Hunderte erstickten, ehe sie einen rettenden Ausweg fanden.
Flimmernd lag der rote Rauch in der Luft; die Atmosphäre erhitzte sich immer mehr und mehr. Ueber der Spree lagerte die Wolke am dichtesten, denn die hölzernen Schiffe hatten Feuer gefangen, und brennende Kähne trugen die Flammen den Fluß entlang.
Der ganze Westen war eine einzige helle Glut.
Die Straßen waren gefüllt mit Toten, die regungslos auf dem erhitzten Pflaster lagen.
Um das Unglück noch größer zu machen, erhob sich ein fürchterlicher Sturm. Rot und bläulich gefärbte Wolken, mit Phosphor gefüllt, trieb der Wind am Himmel umher. Sie ballten sich zusammen zu einer dicken, schwarzen Masse, durch die, kaum sichtbar, noch der rote Komet hindurchschimmerte. Die Spreewasser wurden aufgepeitscht von dem Sturm, der mit Brausen, Tosen und Zischen über Berlin hinwegfuhr. Nebel schienen sich auf die Stadt herabzusenken, ein roter, glühender Schleier, der die Lungen versengte und das Atmen immer schwerer machte.
General Treufest, welcher derzeit Stadtkommandant von Berlin war, ließ alle schweren Geschütze zusammenfahren und eröffnete eine furchtbare Kanonade gegen den Rauch, gegen die Wolken und gegen den roten Kometen. Er gab sich der vagen Hoffnung hin, durch den großen Luftdruck der Geschosse die Atmosphäre zu säubern; in der Hauptsache aber war der Befehl wohl auch kopflos gegeben, hervorgerufen durch starres Entsetzen und jene Panik, die die klügsten Köpfe völlig besinnungslos machte.
Die Kanonade, welche in der Stadt anhob, erhöhte nur das Grauen, ohne die Kraft der Elemente eindämmen zu können. Die Menschen, die nicht sofort die Ursache der Erderschütterung und des schrecklichen Getöses kannten, glaubten, ein Erdbeben sei gekommen und versuchten nun, aus den Straßen hinauszuflüchten, sprangen übereinander, traten sich gegenseitig nieder, zerfleischten sich und bildeten einen großen Knäuel, ein blutiges, schreckliches Chaos.
Mit unheimlichen Getöse und furchtbarem Krachen
fielen die Häuser zusammen. Ganze Stockwerke, von der Hitze beinahe geschmolzen, senkten sich auf die unteren herab, gehalten von schweren Eisensäulen, so daß die entsetzten Menschen in Wahrheit zwischen Ruinen wandelten.
Plötzlich setzte ein Regen ein, und schon wurden Stimmen der Hoffnung laut, als die Unglücklichen erkannten, daß die Tropfen, die zischend auf das heiße Pflaster fielen, selbst erhitzt waren, daß die Wolken lediglich Ströme von Dampf, Glut und Gischt auf die Erde niedersandten. Durch die Wolke von Rauch hindurch sah man blutrote Nebel, und zwischen ihnen rannten die Menschen schreiend und keuchend hin und her, mit verglasten Augen, von Fieber und Todesangst geschüttelt.