„Von der Fürstin Angelika.“

„Die Fürstin Angelika bin ich selbst!“

Romulus Futurus und John Crofton sahen sich an. John Crofton, der Frau Fabia immer noch mit gleicher Glut liebte, dachte nicht anders, als sie habe über all diesen Schrecken den Verstand verloren. Das wäre nichts Besonderes gewesen an diesem Tage, wo Tausende von Irrsinnigen durch die Straßen hetzten. Romulus Futurus aber öffnete plötzlich weit die Augen und sah seine Gattin mit einem seltsamen Blick an.

„Wenn das möglich wäre —“ murmelte er; und um John Crofton eine Erklärung zu geben, sagte er, von einem entsetzlichen Fieber gepackt, das hektisch auf seinen Wangen glühte: „Gehe voraus, Fabia!“

Auch ohne die Erlaubnis ihres Gatten hatte Frau Fabia bereits den Fuß auf die Treppe gesetzt und eilte nun mit leichten Schritten über die teppichbelegten Stufen empor. Im ersten Stockwerk angekommen, stieß sie die Tür eines Zimmers auf. Von neuem aber ließ sie jenen Schrei hören, den Romulus Futurus und John Crofton bereits zweimal schon von ihr gehört. Sie lehnte sich zitternd in die Ecke des Zimmers, streckte beide Arme halb abwehrend, halb beschwörend von sich und regte sich nicht; nur in den großen Augen lag ein Grauen, das wie Irrsinn funkelte . . .

Inzwischen waren Romulus Futurus und John Crofton ihr gefolgt. Der erste Mensch, den sie erblickten, war Doktor Diabel, der sich am Fenster umgewandt hatte und ihnen nun mit verschränkten Armen entgegensah, während Blitze aus seinen Augen schossen.

„Was wollen Sie hier?“ schrie er. „Wie können Sie es wagen, in dieses Haus einzudringen? Ich verlange Achtung vor der Fürstin Angelika, vor ihrer schweren Krankheit! Sie ringt mit dem Tode!“

Romulus Futurus hatte die Brauen zusammengezogen, daß sie eine einzige dunkle Linie über den Augen bildeten.

„Es ist unnötig, daß Sie uns Verhaltungsmaßregeln geben,“ entgegnete er. „Noch bin ich Kultusminister und oberster Polizeibeamter von Berlin! Noch steht mir der Eintritt in jedes Haus frei! Die Fürstin Angelika scheint mir jedenfalls am schlechtesten aufgehoben zu sein unter Ihrer Pflege.“

Doktor Diabel stürzte Romulus Futurus entgegen und hob den Arm, als wolle er sich an ihm vergreifen. Der aber packte die erhobene Hand und preßte sie mit solcher Kraft nieder, daß Doktor Diabel ein leises Stöhnen entfloh.