„Gut,“ antwortete ich, „ich werde Euch Porter bringen, Herr Hands, aber eine Weile wird es schon dauern, bis ich welchen ausgrabe.“
Und damit rannte ich, so lärmend ich konnte, die Kajütentreppe hinunter, zog meine Schuhe aus, lief leise den Gang entlang zurück, stieg auf die Vorkastelleiter und schaute aus dem Kajütenfenster hinaus. Ich wußte, daß er nicht annehmen konnte mich dort zu sehen, doch machte ich es so vorsichtig wie möglich. Und richtig erwiesen sich meine ärgsten Vermutungen als nur zu richtig.
Er hatte sich aus seiner Lage erhoben, auf Hände und Knie gestützt und trotzdem ihn sein Bein sichtlich sehr schmerzte — ich hörte ihn unterdrückt stöhnen —, schleppte er sich doch ziemlich flink über das Deck. In einer halben Minute hatte er die Speigatluke erreicht und aus einer Tauwerkrolle ein langes Messer herausgezogen, das bis zum Griff mit Blut besudelt war. Er schaute es einen Moment an, indem er seinen Unterkiefer vorstreckte, probierte die Spitze auf der Handfläche, dann verbarg er es hastig unter seiner Jacke und wälzte sich wieder zu seinem alten Platz an der Reeling zurück.
Das war alles, was ich wissen wollte. Israel konnte sich bewegen, er war jetzt bewaffnet, und da er mich vorhin so eifrig loswerden wollte, war es klar, daß ich das Opfer sein sollte. Was er dann tun wollte, ob er versuchen wollte quer durch die Insel zum Lager bei den Sümpfen zu kriechen oder ob er den langen Tom abfeuern wollte, im Vertrauen darauf, daß seine Kameraden ihm gleich zu Hilfe kommen würden, das war natürlich mehr als ich wissen konnte.
Doch in einem Punkte konnte ich mich auf ihn verlassen, da unsere Interessen dabei zusammengingen: das war die Lenkung des Schooners. Wir beide wünschten ihn sicher an Land zu bringen, auf einen geschützten Platz, wo man ihn, wenn es dazu an der Zeit war, mit so wenig Arbeit und Gefahr wie möglich wieder fortbringen könnte. Solange das nicht vollbracht war, würde er mir sicherlich nicht den Garaus machen.
Während ich diese ganze Sache überdachte, war ich nicht müßig geblieben, sondern war leise in die Kabine zurückgeschlüpft, hatte wieder meine Schuhe angezogen, eine beliebige Flasche Wein mitgenommen und so ausgerüstet erschien ich wieder auf Deck.
Hands lag wie ich ihn verlassen hatte, wie ein Häuflein Elend mit halbgeschlossenen Augen, als sei er zu schwach das Licht zu ertragen. Immerhin blickte er auf als ich kam, brach der Flasche den Hals so geschickt wie einer, der das schon oft gemacht hat und nahm einen guten Schluck und sagte seinen Lieblingstoast „Gut Glück“. Dann lag er eine Weile still und zog schließlich eine Rolle Tabak heraus und bat mich ihm ein Priemchen zu schneiden.
„Schneidet mir ein bißchen davon, denn ich hab kein Messer und habe auch nicht die Kraft dazu, selbst wenn ich eines hätte. Ach Jim, Jim, ich glaube, mit mir ist’s aus! Schneidet mir ein Priemchen, es wird wohl das letzte sein, Junge, denn ich bin auf dem Weg in meine ewige Heimat, ganz gewiß!“
„Gut,“ sagte ich, „ich werde Euch Tabak schneiden, aber wenn ich an Eurer Stelle wäre und mich so elend fühlte, dann würde ich zu beten anfangen wie ein Christ.“
„Warum?“ sagte er, „jetzt sagt mir, warum.“