„Beim Teufel, das ist wahr!“ rief Silver.

„Aber rein gar nichts ist da,“ sagte Merry suchend herumblickend, „keine Kupfermünze, keine Tabaksdose, das kommt mir nicht geheuer vor.“

„Ist es auch nicht,“ gab Silver zu, „nicht geheuer und nicht hübsch. Kreuzdonnerwetter, Kameraden, wenn Flint lebte, wär’ das ein heißer Punkt für uns. Sechs waren sie und sechs sind wir. Und von ihnen sind nur mehr Knochen übrig.“

„Mit diesen Augen hier habe ich ihn tot daliegen sehen“, sagte Morgan. „Billy nahm mich mit hinein zu ihm. Da lag er und seine Augen waren mit Kupfermünzen zugehalten.“

„Tot, ja, das schon, tot ist er und in der Hölle,“ sagte der Kerl mit dem verbundenen Kopf, „doch wenn jemals ein Geist umging, dem von Flint traue ich es schon zu. Dieser Flint hat einen bösen Tod gehabt!“ — „Ja,“ bemerkte ein anderer, „bald wütete er, dann wieder schrie er um Rum und dann sang er. ‚Fünfzehn Mann‘ war sein einziges Lied, Kameraden, und ich muß ehrlich sagen, seit der Zeit höre ich es nicht gerne singen. Es war sehr heiß, das Fenster stand offen und ich hörte das alte Lied noch ganz deutlich, als der Mann schon im Sterben lag.“

„Laßt,“ sagte Silver, „hört auf mit diesen Geschichten. Er ist tot und er geht nicht um, jedenfalls nicht bei Tag, das glaube ich einfach nicht. Wer sich Sorgen macht, kommt um! Jetzt auf zu den Dublonen!“ Wir machten uns auf den Weg; doch trotz der heißen Sonne und dem blendenden Tageslicht gingen die Piraten nicht mehr getrennt und liefen nicht mehr schreiend durch den Wald, sondern hielten sich aneinander und sprachen mit gehaltenem Atem. Die Furcht vor dem toten Freibeuter hatte ihren Mut gelähmt.


Zweiunddreißigstes Kapitel
Die Jagd nach dem Schatze — Die Stimme aus den Bäumen

Noch unter dem Eindruck dieses Schreckens, zum Teil auch, um Silver und den Kranken etwas Zeit zum Ausruhen zu geben, machte die ganze Gesellschaft Rast, sobald die Höhe erreicht war.

Die Hochfläche neigte sich gegen Westen, und der Punkt, wo wir haltmachten, hatte einen weiten Ausblick nach beiden Seiten. Vor uns sahen wir über die Baumwipfel hinweg das von der Brandung bespülte Waldkap; dahinter konnte man nicht nur den Ankerplatz und die Skelettinsel, sondern auch noch jenseits der Landzunge und des östlichen Tieflandes einen breiten Streifen der offenen See erblicken. Senkrecht über uns erhob sich das Fernrohr, das hier mit einzelstehenden Nadelbäumen bewachsen war, dazwischen lagen schwarze zerklüftete Schluchten. Kein Laut war zu hören, außer dem fernen Anschlagen der Brandung ringsum und dem Gezirp der zahllosen Insekten im Gesträuch. Kein Mensch, kein Schiff auf der See. Gerade die Weite des Ausblickes erhöhte das Gefühl tiefer Einsamkeit.