„Es macht keinen großen Unterschied,“ sagte Dick, „Ben Gunn ist ebensowenig am Leben wie Flint.“

Doch die alten Matrosen überschütteten ihn mit Hohn.

„Was fällt dir ein, wer schert sich um Ben Gunn“, rief Merry. „Ob tot oder lebendig, keine Katze fragt nach dem.“

Es war ganz merkwürdig, wie rasch ihnen der Mut zurückgekehrt war, und ihre Wangen Farbe bekamen. Bald schnatterten sie durcheinander, und als kein anderer Laut mehr vernehmbar wurde, schulterten sie die Geräte und machten sich auf den Weg, Merry mit Silvers Kompaß, der die gerade Richtung zur Skelettinsel zeigte, voran. Er hatte wahr gesprochen: Ob tot oder lebendig, niemand scherte sich um Ben Gunn.

Nur Dick hielt noch immer seine Bibel fest und blickte mit ängstlichen Augen um sich, doch fand er kein Mitgefühl und Silver lachte sogar über seine Vorsichtsmaßregel.

„Ich hab’ es dir ja gesagt, warum hast du deine Bibel verdorben? Wenn sie nichts mehr zum Schwören taugt, was glaubst du, gibt ein Geist dafür? Nicht das!“ Und er schlug mit seinen dicken Fingern ein Schnippchen, während er, auf seine Krücke gestützt, einen Augenblick stehen blieb.

Doch Dick war untröstlich, und ich sah bald, daß der Junge im Begriffe war krank zu werden. Die Hitze, die Erschöpfung und der Schreck erhöhten sichtlich das von Doktor Livesay prophezeite Fieber.

Es war ein schöner freier Weg, den wir da auf dem Kamm gingen, denn die Hochfläche war, wie gesagt, gegen Westen geneigt. Die hohen und niedrigen Nadelhölzer standen in weiten Zwischenräumen und auch zwischen den Muskatnuß- und Azaleengruppen waren große Lichtungen, auf die die heiße Sonne niederbrannte. Da wir ziemlich gegen Nordwesten über die Insel wanderten, zogen wir einerseits näher zum „Fernrohr“ hin und sahen andererseits weit über jene westliche Bucht hinaus, in der ich einmal in meinem kleinen Boot zitternd herumgestoßen worden war.

Der erste der hohen Bäume war erreicht, und bei der Prüfung mit dem Kompaß zeigte es sich, daß es ein falscher war. Ebenso ging es mit dem zweiten. Der dritte erhob sich über einer Gruppe Unterholz fast zweihundert Fuß in die Luft, ein Riesengewächs, der rote Stamm groß wie ein Haus, in dessen Schatten eine Kompagnie hätte bequem exerzieren können. Er konnte von Osten und Westen, von weit her, wahrgenommen werden und man hätte ihn als Wegweiser in die Karte einzeichnen können.

Doch nicht seine Größe machte Eindruck auf meine Gefährten, sondern der Umstand, daß dort siebenhunderttausend Pfund Gold irgendwo in seinem Schatten begraben lagen. Der Gedanke an das Geld verschlang den früheren Schrecken, als sie näher kamen. Ihre Augen brannten, ihre Füße liefen leichter und schneller, denn ihre ganze Seele hing an diesem Gelde und an dem Leben voll Vergnügen und Verschwendung, das da auf jeden einzelnen von ihnen zu warten schien.