Wir waren unserer so wenige, daß jeder am Bord mithelfen mußte, nur der Kapitän lag auf einer Matratze im Achterdeck und erteilte seine Befehle. Denn obwohl er sich sehr erholt hatte, brauchte er noch Ruhe. Wir steuerten nach dem nächsten Hafen im spanischen Teil Amerikas, denn wir konnten die weite Reise nach Hause ohne neue Matrosen nicht wagen. Ohnehin wurden wir durch widrige Winde und ein paar ziemliche Stürme alle sehr hergenommen und waren alle mit unseren Kräften am Rande, noch ehe wir den Hafen erreicht hatten.

Gerade bei Sonnenuntergang gingen wir in einem wunderbar gelegenen Hafen vor Anker und wurden sofort von kleinen Booten umringt, voll von Negern, mexikanischen Indianern und Halbbluteingeborenen, die uns Früchte und Gemüse verkauften und uns anboten, kleine Münzen aus dem Wasser zu tauchen. Der Anblick so vieler heiterer Gesichter (besonders der schwarzen), der Geschmack der tropischen Früchte und vor allem die Lichter, die in der Stadt aufzublitzen begannen, vereint, bildeten den entzückendsten Gegensatz zu unserem düsteren, blutigen Aufenthalt auf der Insel. Der Doktor und der Squire nahmen mich mit und wir gingen ans Ufer, um dort den Abend zu verbringen. Dort trafen sie den Kapitän eines englischen Kriegsschiffes, kamen ins Gespräch mit ihm, gingen mit an Bord seines Schiffes, kurzum, die Zeit verging so angenehm, daß der Tag anbrach, als wir die Hispaniola betraten.

Ben Gunn war allein auf Deck, und sowie wir an Bord kamen, fing er unter sonderbaren Verrenkungen an, uns ein Geständnis zu machen. Silver war fort. Der Ausgesetzte hatte ihm vor ein paar Stunden zu seiner Flucht in einem der Uferboote geholfen und er versicherte uns nun, daß er das nur getan habe, um uns zu schützen, denn unser Leben wäre bestimmt verloren gewesen, wenn „jener Mann mit dem einen Bein“ an Bord geblieben wäre. Doch das war nicht alles. Der Schiffskoch war nicht mit leeren Händen verschwunden. Er hatte heimlich einen Balken durchsägt und einen der mit Münzen gefüllten Brotsäcke im Werte von vielleicht drei- bis vierhundert Guineen mitgenommen, der ihm auf seinen ferneren Wanderungen von Nutzen sein sollte.

Ich glaube, wir waren alle froh, ihn so billig losgeworden zu sein.

Nun, um es kurz zu sagen, wir nahmen ein paar Matrosen an Bord, hatten eine gute Heimreise, und die Hispaniola erreichte Bristol eben, als Herr Blandly daran ging, ein Hilfsschiff auszurüsten. Nur fünf von denen, die ausgefahren waren, kehrten zurück.

„Schnaps stand stets auf der Höllenfahrtsliste“ ...

Immerhin waren wir kein so böser Fall als jenes andere Schiff, von dem sie gesungen hatten:

„Mit fünfundsiebzig die Reise begann,
Zurück kam nur ein einziger Mann.“

Jeder von uns bekam einen reichlichen Anteil von dem Schatze und nützte ihn klug oder töricht, je nach seiner Art. Kapitän Smollett zog sich von seinem Berufe zurück. Gray sparte nicht nur sein Geld, sondern, plötzlich von dem Wunsche ergriffen, sich hinaufzuarbeiten, lernte er gründlich sein Handwerk und ist jetzt Maat und Mitbesitzer eines schönen großen Schiffes, überdies verheiratet und Familienvater. Ben Gunn bekam tausend Pfund, die er in drei Wochen, vielmehr genauer bezeichnet in neunzehn Tagen, ausgab oder verlor, denn schon am zwanzigsten sah man ihn wieder betteln. Dann bekam er eine Torhüterstelle, also genau das, was er gefürchtet hatte. Er lebt noch immer und ist ein großer Liebling, dabei auch eine Art Prügelknabe der Dorfjungen und an Sonn- und Feiertagen ein gesuchter Sänger im Kirchenchor.

Von Silver hörten wir nichts mehr. Der schreckliche Mensch mit dem einen Bein ist endlich ganz aus meinem Leben verschwunden. Ich nehme an, er hat seine alte Negerin irgendwo getroffen und lebt vielleicht irgendwo behaglich mit ihr und Kapitän Flint. Das steht zu hoffen, denn ich glaube, seine Aussichten auf ein behagliches Leben in der anderen Welt sind äußerst gering.