„Ah, und sie war besonders fromm. Und auch ich war ein braver, frommer Junge, der seinen Katechismus so schnell herplappern konnte, daß man kein Wort verstand. Und das ist dabei herausgekommen! Angefangen hat es mit dem Kopf und Adlerspiel auf diesen verflixten Grabsteinen! Aber es ging weiter als das und meine Mutter hatte es gewußt und mir oft alles vorhergesagt, die fromme Frau! Aber die Vorsehung hat mich hergebracht. Das habe ich mir alles auf dieser einsamen Insel ausgedacht und hab mich doch wieder zu den Frommen geschlagen. Nicht das bißchen Rum werdet Ihr mich kosten sehen. Gerade nur einen Fingerhut voll, zum Gesundheit trinken natürlich, sowie ich einen zu sehen kriege. Ich schwöre ich will mich gut halten. Und Jim“ — dabei dämpfte er seine Stimme zum Flüstern — „ich bin reich.“
Ich war nun überzeugt, daß der arme Bursche in seiner Einsamkeit verrückt geworden war und er mag diesen Gedanken in meinen Mienen gelesen haben, denn er wiederholte hitzig:
„Reich! Reich! sage ich. Und ich werde Euch was sagen Jim, ich werde einen reichen Mann aus Euch machen. Oh Jim, Ihr werdet den lieben Gott auf den Knien danken, sicher, daß Ihr der erste wart, der mich gefunden hat.“ Doch da senkte sich plötzlich ein Schatten über sein Gesicht, er ergriff meine Hand fester und er hob drohend den Zeigefinger.
„Jim, sagt mir die Wahrheit: Das ist doch nicht Flints Schiff?“ fragte er.
Darauf hatte ich einen glücklichen Einfall. Ich fing an zu hoffen, daß ich einen Verbündeten gefunden hatte, und antwortete ihm sofort:
„Es ist nicht Flints Schiff und Flint ist tot, doch will ich Euch die Wahrheit sagen, da Ihr mich befragt — wir haben ein paar von Flints Matrosen an Bord und das ist schlimm genug für uns andere.“
„Doch nicht ein Mann — mit einem — Bein?“ keuchte er.
„Silver?“ fragte ich.
„Ja, Silver,“ sagte er, „so hieß er.“
„Er ist der Koch und der Rädelsführer obendrein.“