Sie saßen im Gartenhaus. Unvergleichlich schmeckte Joseph das braune Getränk nach dem Bad. Man müsse wirklich jetzt die paar warmen Tage noch profitieren, sagte Frau Tobler. Sie fing an zu plaudern von ihrer Verheiratung, von ihrer früheren Wohnung.
So ein eigenes Haus, wo man ein- und ausgehen könne, wie es einem beliebe, das sei doch etwas Reizendes und Ruhiges. Das fände man vielleicht nicht so bald wieder – –
Joseph unterbrach sie. Er sagte höflich:
»Frau Tobler, Sie werden sich wieder ereifern. Warum denken Sie immer an das? Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, daß ich Ihr gehorsamer Diener bin. Doch wozu diese Reibereien? Hier stehe ich vom Tisch auf und gewärtige die Erlaubnis, mich wieder setzen zu dürfen.«
Er war aufgestanden. Sie sagte, er solle sich setzen. Er tat es.
Sie schwiegen eine Weile, dann kam ihr plötzlich die Laune, sich in die Reitschule zu setzen, und sie bat den Gehülfen, sie zu stoßen und die Seile anzuziehen. Indem sie mit ihrem Brett hoch in die Luft flog und wieder hinuntersauste, rief sie, das gefalle ihr, und »man müsse jetzt noch ein wenig vom Garten profitieren«. Bald käme der Winter und dann heiße es nur zu herrisch: Zu Hause sitzen!
Er mußte sie jedoch bald aufhalten, da es ihr schwindlig zu werden drohte. Indem er das tat, atmete er gezwungenermaßen den Duft ihres Körpers, den er einen Augenblick mit dem Arm umfassen mußte, ein. Ihre Haare berührten sein Gesicht. Diese vollen, langen Arme! Er nötigte sich, wegzusehen. Der Gedanke, ihren Hals zu küssen, durchzuckte ihn augenblicklich, aber er tat es nicht. Eine Minute später dachte er mit Schaudern an diese einfache Möglichkeit, und er war sehr froh, dieselbe vernachlässigt zu haben.
Sie saßen wieder einander gegenüber. Sie plauderte ausgelassen:
Wie da in dem Haus, welches ihr Mann und sie früher bewohnt hätten, ein junger Mensch ihr den Hof gemacht habe, ein so närrisch verliebter Kerl – nein, sie müsse schon laut lachen, daran nur zu denken, geschweige denn, davon zu sprechen. Eines Nachts sei dieser junge, übrigens besseren Kreisen angehörige Mann in ihr Schlafzimmer eingedrungen und habe sich, sie sei schon im Bett gelegen, davor niedergestürzt und ihr seine heiße Sehnsucht gestanden. Sie habe ihm vergeblich entrüstet zugerufen und ihm befohlen, sich sogleich zu entfernen. Der Mensch sei aufgestanden, aber nicht, um sich fortzumachen, sondern um sie zu umarmen. Noch jetzt, wenn sie sich in jenen fürchterlichen Moment versetze, spüre sie den Druck der Hände, die sich um sie spannten. Sie habe natürlich um Hilfe gerufen, und da sei zufälligerweise – und jetzt komme der lustige Teil der Geschichte – ihr Mann gerade die Treppe hinaufgekommen. Er hört nur die Schreie, stürzt sich ins Zimmer, und da habe er den jungen Mann wirklich wüst hergenommen. Den Stock, und der sei dick gewesen, habe er ihm auf Kopf und Schultern entzweigeschlagen, so daß sie, die Ursache der Prügel, Tobler habe anflehen müssen, den Gegner, der ja auch gar kein solcher war, doch zu schonen. Ihr Mann habe denselben dann die Treppe hinuntergeworfen.
»Ich muß mich also in acht nehmen,« sagte Joseph.