Bald war der ganze Garten gesäubert. »Auch schon wieder eine Arbeit erledigt,« sagte lachend der Bahnwärter. »Ja junger Herr, es gibt mancherlei Sorten Beschäftigungen, und in allem, was man mit aufrichtigem Bemühen tut, kann ein Stück Ehre liegen. Wenn Sie mir jetzt ein paar von Herrn Toblers Stumpen zum Rauchen geben wollen, so ist mir das nicht unwillkommen. Bei dieser Witterung kann man einen glühenden Stengel schon vertragen.«

Frau Tobler ließ dem Mann einen halben Liter »Sauser« geben.


Der Aktienbierbrauerei Bärenswil wurde betreffs Besetzung einer Anzahl Felder oder Flügel der Reklame-Uhr Offerte gemacht. Die Firma schlug ab, später vielleicht! Das war ein neuer, peinlicher Mißerfolg, der Tobler veranlaßte, den Briefbeschwerlöwen zu Boden zu schmettern, wo er in Stücke flog, die der Gehülfe aufhob. Gleichzeitig wurde auf das technische Bureau ein neues Zahlungsforderungsgeschütz gerichtet. Die Kanonenkugel verletzte zwar niemanden, aber sie reizte, ärgerte und vermehrte die Unruhe.

Das war niemand anderes als der frühere Agent und Reisende Toblers, ein gewisser Herr Sutter, der jetzt per eingeschriebenen Briefen daherzutraben kam, um die rückständigen Gehälter und Provisionen, die sich auf die Konzessionserwerbungen für die Reklame-Uhr bezogen, einzufordern. Tobler würde diesem Menschen am liebsten zurückgeantwortet haben: »Du kannst mir in der Gegend von Genua in die Schuhe hineinblasen, du Narr, was du bist,« aber er mußte vernünftigerweise auch diese neue, unangenehme Schuldforderung anerkennen und schrieb dem Mann: »ich kann nicht bezahlen!«

Geduld! Herr Tobler sah sich genötigt, von allen seinen Mitarbeitern, Lieferanten und Mitmenschen Geduld zu verlangen, gleichsam so: Habt Geduld, ich, Tobler, meine es ehrlich und aufrichtig. Ich bin so unvorsichtig gewesen und habe mein gesamtes Barvermögen in meine Unternehmungen geworfen. Treibt mich nicht bis zum Äußersten. Ich ordne meine Verpflichtungen, ich kann noch erben, ich besitze noch Ansprüche auf ein mütterliches Erbteil. Auch habe ich ein neues Inserat, Kapitalien gesucht, in die Zeitungen, die die Welt bedeuten, rücken lassen. Der Kopf schwindelt mir zwar ein wenig, aber usw. –

Wegen des zu erwartenden Erbteiles unterhandelte jetzt Tobler mit seinem Advokaten, an welchen man jeden Tag Briefe und Postkarten schrieb.

Das erste Schützenautomaten-Exemplar war inzwischen fertig geworden, es funktionierte in der Tat glänzend und erweckte fröhliche Hoffnungen. Diesem Automaten, meinte sein Erfinder, bleibe es womöglich noch vorbehalten, die Reklame-Uhr und das darin geworfene Vermögen zu retten. Der Hilfsmechaniker lud Joseph eines Tages ein, das fertige Werk zu besichtigen, und dieser folgte der Aufforderung gerne, umsomehr als der Herbsttag schön und mild war. Er machte sich zu Fuß auf und spazierte gemächlich gegen das eine gute Stunde weit entlegene Nachbardorf zu, rechts zur Begleitung der in die Höhe schießende Wald, links der ruhige See, so ließ es sich ganz gut »in Geschäften« die Landstraße entlang gehen. In der Ortschaft angekommen, erkundigte er sich nach der mechanischen Werkstätte, fand sie nach vielem Suchen in den durcheinander gekneteten und gebauten Dorfgassen und stand nun vor dem elegant mit Dekorationsfarben angemalten Schützenautomaten. Der Hersteller desselben, indem er Joseph dartat, wie glatt und geräuschlos das Ding lief, brummte, nun erwarte man aber auch von Herrn Tobler eine angemessene Entlöhnung, oder man dürfe, meine man, eine solche gewärtigen, nachdem man doch, was aber Tobler nur nicht anerkennen wolle, die Hauptsache am Werk getan habe. Mit Springen, Befehle erteilen und Umherreisen sei eine Sache eben noch lange nicht in Wirklichkeit im Gang. Dazu bedürfe es der Hände, die auch tatsächlich arbeiten. Ja, Joseph solle nur seinen Chef davon unterrichten, wie man hierorts die Sachlage auffasse, es könne nicht schaden, wenn Tobler es wisse.

Joseph schwieg zu allen diesen unzufriedenen Auslassungen und trat bald den Heimweg wieder an.

Zu Hause rief man ihm schon von Weitem entgegen, es warte ein Herr unten im Bureau auf Herrn Joseph Marti.