Sie stund auf und ging zur Türe. An der Schwelle drehte sie sich um und sagte:
»Ich hätte es bald vergessen – gute Nacht, Joseph. Wie zerstreut ich bin. Löschen Sie die Lampe, bevor Sie hinauf in Ihr Zimmer gehen. Tobler wird wohl noch lange nicht kommen. Sie haben mir heute abend das Herz ein wenig erschwert, aber ich bin Ihnen nicht böse.«
»Ich wollte, ich hätte geschwiegen,« sagte Joseph.
»Machen Sie sich keine Gedanken.«
Mit diesen Worten ging sie die Treppe hinauf.
Der Gehülfe blieb mitten im Zimmer stehen. Nach kurzer Zeit erschien Tobler. Der andere sagte:
»Guten Abend, Herr Tobler, hm, was ich da mir zu sagen erlauben wollte: ich habe vor einer halben Stunde die Unvorsichtigkeit begangen, Ihrer Frau wieder einmal Grobheiten zu sagen. Ich will Ihnen das zum voraus bekennen. Ihre Frau Gemahlin wird sich veranlaßt fühlen, sich über mich zu beklagen. Ich beteure, es sind nur Dummheiten, Dinge letzten und allerletzten Gewichtes. Ich bitte Sie höflichst, keine so großen Augen machen zu wollen, ich glaube, weder Ihre Augen sind ein Mund noch ich etwas Verzehrbares, es gibt nichts zu essen an meiner Person. Was den Ton dieser Sprache betrifft, so erklärt sich dieser daraus, daß er von einem wütenden Gemüt diktiert wird. Wäre es nicht besser, Sie jagten Ihren kuriosen Herrn Angestellten jetzt endlich einmal zum Haus hinaus? Ihre Frau mißhandelt das ganze Jahr lang ungestört die Silvi. Wo haben Sie Ihre Augen? Sind Sie ein Vater oder nur ein Unternehmer? Gute Nacht, gute Nacht, ich glaube, ich habe es nicht mehr nötig, zu warten und zu hören, was Sie auf eine so sonderbare Aufführung erwidern. Ich darf annehmen, ich bin entlassen.«
»Sind Sie betrunken? He!«
Tobler rief umsonst. Der Gehülfe war bereits die Treppen hinaufgestiegen. Vor der Türe des Turmzimmers blieb er plötzlich stehen: »Bin ich ganz toll?« Und er lief so schnell er vermochte wieder die Stufen hinunter. Herr Tobler saß noch im Wohnzimmer. Joseph blieb, wie vorhin die Frau, auf der Schwelle stehen und sagte, es täte ihm leid, sich in unziemlicher und unsinniger Art und Weise benommen zu haben, er bereue, aber er bemerke, daß er – noch nicht entlassen sei. Wenn Herr Tobler noch Geschäftliches zu besprechen habe: Joseph stehe zur Verfügung.
Tobler schrie so laut er konnte: