Frau Tobler kam mit dem Nachtschnellzug nach Hause gefahren. Herr Tobler, Pauline und Joseph erwarteten sie am Bahnhof. Der Zug kam schnaubend und rasselnd an. Allerlei Menschen drängten sich in die Nähe des langen, schwarzen, prachtvoll-dastehenden Ungetümes heran. Die Frau stieg aus, Joseph und Pauline sprangen hinzu, um Körbe und Pakete in Empfang zu nehmen. Mutter Tobler hatte der Sohnesfrau Verschiedenes mitgegeben, das konnte man ungefähr zum Voraus wissen, deshalb war man zu dritt am Bahnhof erschienen. In zwei Körben befanden sich teils Äpfel, teils Nüsse. Die Pakete enthielten Sachen für die Frau selber und für die Kinder.
Dem Gesicht der Ausgestiegenen war abzulesen, daß die ganze Sache weder ganz gut noch auch ganz schlecht abgelaufen war. Es drückte Müdigkeit und Gelassenheit aus. Es schien, als ob eine Hälfte des Gesichtes ein bißchen gelächelt hätte. Im ganzen schien sie ihrem Mann, der sie neugierig darum befragte, eine genügende und zufriedenstellende Auskunft gegeben zu haben, denn Tobler schien nicht übel Lust zu haben, rasch jetzt noch für eine Weile ins »Segelschiff« zu gehen. Seine Frau sagte, sie merke ihm wohl an, wohin er zu gehen wünsche, mit welchen paar Worten denn auch die bezügliche Erlaubnis erteilt war. Er rief den Davongehenden noch nach, er sei in mindestens einer Stunde wieder im Abendstern und verschwand in seiner Stammkneipe.
Die Übrigen gingen nach Hause. Dem Gehülfen war es eine angenehme Pflicht, die Körbe, so schwer sie waren, zu tragen. Das war doch wenigstens wieder einmal etwas »Körperliches«. Er schritt hinter den beiden Frauen, hinter der Magd und der Frau, leicht daher, gänzlich gedankenlos. Ja, das kam von den Körben her. »Ich bin zum Laufburschen geboren,« dachte er.
Zu Hause angelangt, gab es einen Schwarm von Fragen, aus der kindlichen Wißbegierde heraus ertönend. Und eine Belagerung der Pakete und Obstkörbe. Was Großmutter sagen ließe, wollten die drei Kinder wissen. Nur das Vierte nicht. Silvi blieb schläfrig und gleichgültig. Auch die Geschenke ließen dieses Mädchen gleichgültig. »Mich betrifft das nicht,« sagte ihre Miene. Um so mehr mußten die Sachen die übrigen drei betreffen. Sie wurden jedoch bald alle samt ihren Forderungen, Fragen und Neugierden in die Betten geschickt.
»Wie bin ich müde,« sagte Frau Tobler.
Pauline kniete vor ihr am Boden und zog ihr die Schuhe aus. Sie saß auf dem Sofa. Joseph, der daneben stand, dachte: »Ich muß gestehen, daß es mir nicht unangenehm gewesen wäre, wenn sie zu mir gesagt hätte: zieh mir die Schuhe aus! Ich glaube, ich hätte mich mit Vergnügen gebückt.« –
Ein Handschuh entglitt ihr, sofort sprang er hinzu und hob ihn ihr auf. Sie lächelte matt und dankte und sagte:
»Wie sind Sie dienstfertig! So sind Sie nicht immer gewesen. Kommt wohl mein Mann bald nach Hause? Wie geht es Ihnen, Joseph?«
»Sehr, sehr gut,« gab er zur Antwort. Pauline hatte das Zimmer verlassen.
Er sei eben noch jung, da spreche er so und müsse wohl auch so sprechen, sagte die Frau. Ihr sei es so schwer zumut.