Ja, einsam waren diese drei Menschen, am einsamsten der Gehülfe, weil er fühlte, daß er als ein hinzugeflogenes Glied einem Haus angehörte, das langsam aufhörte, ein solches zu sein; weil er sich nicht, wie Herr Tobler, sagen durfte, er habe das Recht, in diesem Hause zu tun und zu verhindern oder zu umgehen, was ihm beliebe, da es nicht sein eigenes war; weil er hätte Weihnachten haben und begehen wollen, da er sich doch einmal in solch einem Hause und in solch einer bürgerlichen Familie befand; weil er des Glaubens gewesen war in den letzten Jahren, er entbehre viel, solches vermissen zu müssen, und weil er am mißgestimmtesten von allen dreien Kartenspielern war und dies als ein großes Unrecht empfinden mußte.
»Ist dieses nun heiliger Abend?« dachte er.
Die Frau sagte unter anderem auf einmal, es sei doch nicht ganz recht, an Weihnachten Karten zu spielen. Bei ihnen im Elternhaus würde es so etwas nie gegeben haben. Es habe doch eigentlich gar keine Art, wie man da heute Nacht wieder wirtshäusele.
Dadurch in Unlaune versetzt, erwiderte Tobler: »So hören wir eben auf!«
Er warf die Karten auf den Tisch und rief aus:
»Jawohl ist es nicht recht, so etwas am Weihnachtsabend zu tun. Aber was ist das für ein Kreis, wir hier? Was sind wir? Uns kann der Wind morgen zum Haus hinausfegen. Ja, da wo Geld ist, da ist noch Lust, Feste, und noch dazu heilige, zu feiern. Wo Wohlstand ist, wo Glück, Erfolg und allgemeine, häusliche Freude ist. Wer hat sich drei oder mehr Monate hindurch unnatürlich um das Gelingen der Lebensgeschäfte abplagen müssen, erfolglos, und will dann mit einem Mal fröhliche Feste feiern? Ist so etwas überhaupt denkbar? Habe ich recht oder nicht, Marti? He?«
»Nicht ganz, Herr Tobler,« sagte der Gehülfe.
Es gab ein langanhaltendes Schweigen, das, je länger es dauerte, niemand zu unterbrechen wagte. Tobler wollte etwas von der Reklame-Uhr, die Frau etwas von Dora, und Joseph etwas von Weihnachten sagen, aber alle unterdrückten ihre Gedanken. Es war, als ob allen der Mund zugenäht gewesen wäre. Plötzlich schrie Tobler:
»So tut doch bald eure Schnäbel auf und saget etwas. Das ist zu langweilig, da geht man ja gescheiter ins Wirtshaus.«
»Ich gehe ins Bett,« sagte Joseph und verabschiedete sich. Auch die andern gingen bald nach oben, und das war Weihnacht gewesen.