Als selbständige kaufmännische Unternehmung eröffnete ein Konsortium von drei patriotischen Magdeburger Herren im April 1890 in Tanga die kleine »Magdeburger Faktorei«. Eine wesentliche Bedeutung kann dem Unternehmen allerdings nicht zuerkannt werden. Der Rahmen ihres Geschäftsverkehrs — nämlich der Verkauf von Gebrauchsartikeln an Eingeborene und der gelegentliche Ankauf von Landesprodukten — ist dafür zu eng, aber immerhin bildet die Magdeburger Faktorei einen Beweis dafür, daß solche Unternehmungen im stande sind, sich, wenn auch zuerst vielleicht mit Opfern, allmählich zu bewähren.
Von größerer Bedeutung als dieses kleine selbständige Unternehmen ist die Errichtung von Küstenfilialen seitens der bereits seit langer Zeit in Sansibar bestehenden deutschen Handelshäuser Hansing & Cie. und der Elfenbeinfirma Meyer, da man von diesen bei der großen Erfahrung der genannten Häuser in Afrika eine weitere Ausbildung des Handelsverkehrs erwarten darf, wozu kleinere Unternehmungen in unbedeutenden Handelsplätzen etabliert, nicht im stande sind.
In Daressalam ist seit einem Jahre eine deutsche Apotheke im Betrieb, welche jetzt durch den außerordentlich thätigen früheren Beamten der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft Richter, der Land und Leute genau kennt, übernommen worden ist. Filialen der Apotheke in allen Hauptplätzen sind in Aussicht genommen.
Schließlich möge hier noch ein Unternehmen Erwähnung finden, welches zwar noch nicht in Ostafrika seine Thätigkeit aufgenommen hat, für welches jedoch die Kapitalien vorhanden und die Rechtsformen gegeben sind. Es ist dies eine Bremer Handelsgesellschaft, welche unter stiller Beteiligung der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft mit einem Kapital von 300000 Mk. Handelsunternehmungen an der Küste betreiben wird und selbständige Karawanen nach dem Innern auszurüsten gedenkt. Auch der in nächster Zeit zur Ausführung gelangende Versuch der Begründung einer Ziegelei zu Tanga durch den in Ostafrika erfahrenen früheren Proviantmeister Jahnke finde hier Erwähnung.
Es braucht kaum gesagt zu werden, daß neben den genannten großen wirtschaftlichen Unternehmungen mit der fortschreitenden Sicherheit an der Küste und mit der Zunahme des europäischen Elements daselbst eine Menge kleinerer kaufmännischer Geschäfte wie Pilze aus der Erde schossen, kaufmännische Geschäfte, welche lediglich von dem Verkehr mit den Europäern, von dem Verkauf von Konserven und europäischen Bedürfnissen, Spirituosen und dergleichen mehr leben. Sie sind großenteils in Händen von Portugiesen, Griechen und allerlei Existenzen, welche von Sansibar aus des besseren Geschäfts wegen nach der Küste übersiedeln.
Allgemein bekannt ist ja, daß, wie seiner Zeit der Sultan von Sansibar das Pulvermonopol in Händen hatte, jetzt dieses Monopol in den Händen des Gouvernements und vordem in denen des Reichskommissariats sich befand. Über diese Maßregel ist von kaufmännischer Seite des öfteren geklagt worden, doch ist sie zweifellos notwendig, um die Einfuhr von Waffen und Munition ins Innere jederzeit kontrolieren und selbst in der Hand behalten zu können. Allerdings wäre es verkehrt, hier übermäßig vorsichtig vorzugehen und zu meinen, durch Erschwerungen der Pulver-Einfuhr könne Aufständen im Innern vorgebeugt werden, z. B. dadurch, daß man vielleicht das Pulver blos an zuverlässige Karawanen und Stämme abgäbe. Eine solche Maßregel wäre schon deswegen verkehrt, weil die Munition im Innern immer der gesuchteste, wertvollste Tauschartikel ist, für den insbesondere meist Elfenbein eingehandelt wird.
Auch ist andrerseits hervorzuheben, daß sowohl bei der geringen Besetzung der Küste wie bei den ausgedehnten Beziehungen, die die Stämme des Innern überall in unsern Grenzgebieten oder jenseits des Tanganjika anknüpfen können, eine solche Maßregel nicht absolut wirksam sein würde, solange wir nicht ganz bestimmte Abkommen, von denen wir überzeugt sind, daß sie auch gehalten werden, mit den andern europäischen Völkern getroffen haben.
Der Pulverhandel muß aber in jedem Falle in unserer Hand bleiben, da wir hierdurch in engerer Berührung mit den Karawanen und den eingeborenen Stämmen selbst uns befinden und gegebenen Falls die Einfuhr, wenn auch nicht ganz verhindern, so doch erschweren können.
Es sei zum Schluß ein zusammenfassendes Urteil über die Aussichten der deutschen Plantagen-Unternehmungen gestattet. Was zunächst die Baumwolle anlangt, so haben schon die Proben der in Deutsch-Ostafrika wild wachsenden Baumwolle den hohen Wert derselben gezeigt. Das Urteil der Fachleute läßt sich dahin zusammenfassen, daß bei einer rationellen Kultur die in Ostafrika gezogene Baumwolle der auf dem Weltmarkt am höchsten bewerteten gleichzuschätzen sein wird. Rücksichtlich des Tabaks ist ein abschließendes Urteil gegenwärtig kaum zu fällen. Die erste Ernte ist, wie bereits früher erwähnt, in verdorbenem Zustande in Deutschland angekommen. Sie hat nichtsdestoweniger ein Urteil dahin erlaubt, daß das gezogene Blatt in der Struktur dem besten Sumatra-Tabak als ähnlich sich erweist und als Deckblatt ausgedehnteste Verwendung finden kann, vorausgesetzt, daß durch Fachleute und vor allem im Bau des Tropentabaks bewanderte Pflanzer der Tabak an Ort und Stelle richtig behandelt wird. Versuche mit Kaffee sind bisher im Wesentlichen nur von den katholischen Missionen, besonders in Morogro und am Viktoria vorgenommen worden. Die Versuche haben ergeben, daß der dort gezogene Kaffee dem besten Mokka gleichwertig ist.
Wir möchten jedoch nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß eine große Menge von Naturprodukten gegenwärtig noch völlig unausgebeutet der Initiative des deutschen Kapitals harren. In allererster Linie handelt es sich dabei um die Ausnutzung der bedeutenden Kokosbestände der Küste, welche gegenwärtig nur in sehr geringem Maße stattfindet.