Es ist das im vorigen Jahre verfügte Eingehen der deutschen Postagentur zu Sansibar, das nach der einen Angabe aus Gefälligkeit gegen unsere englischen Freunde, — die französische Postagentur zu Sansibar ist nicht eingegangen, — nach der anderen auf Antrag des Gouverneurs erfolgt ist, sehr zu beklagen; die Postagentur hatte gerade in Sansibar gute Einnahmen und war außerdem immerhin ein Mittel, uns der Bevölkerung zu nähern.

Endlich ist von den geschaffenen Verkehrserleichterungen zu erwähnen die Anlage einer Telegraphenlinie zuerst von Bagamoyo nach Daressalam mit geplanter Verlängerung über alle Hauptpunkte der Küste. Dieselbe ist wohl inzwischen im Norden durchgeführt. —

Nächst der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft kommt der Ostafrikanischen Plantagengesellschaft eine wesentliche Bedeutung zu. Diese Gesellschaft bildete sich bereits im Jahr 1888 zu dem Zwecke, in Deutsch-Ostafrika den Tabaksbau zu kultivieren. Ihr Thätigkeitsfeld befindet sich auf der Plantage Lewa, einige Kilometer von Tschogwe am Panganifluß.

Die Arbeiten auf der Plantage Lewa hatten bereits vor dem Aufstande einen bedeutenden Umfang angenommen. Sämtliche Gebäude für Verwaltungszwecke, ferner die Fermentierscheune war errichtet, die ungeheure Tabakspresse unter umständlichen Schwierigkeiten heraufgeschafft, ein Stamm von mehreren hundert Arbeitern herangezogen und thatsächlich zu einer dauernden Thätigkeit herangebildet worden. Die Plantage ließ die besten Erfolge erwarten, da kam der Aufstand und im November 1889 wurde die Plantage durch Buschiris Leute überfallen und verwüstet.

Bereits bei Ausbruch des Aufstandes hatten die Beamten der Plantagengesellschaft in Voraussicht des kommenden Unheils versucht, von der Ernte zu retten, was zu retten ging. Der Tabak wurde so schnell als möglich eingeerntet und ein Teil desselben auch, allerdings oberflächlich, fermentiert; ja, es gelang sogar, einen Teil der Ernte an die See zu bringen und nach Deutschland zu verschiffen. Nichtsdestoweniger waren natürlich die Verluste für die Gesellschaft sehr bedeutende, und sie hatte nach der Beruhigung des Nordens und nachdem Lewa durch einen Posten von 10 Mann gesichert war, ganz von vorn anzufangen. Die gesamte Plantage war überwuchert, die herangebildete Arbeiterbevölkerung in alle Winde zerstreut, und erst allmählich konnten die Arbeiten in vollem Umfange wieder aufgenommen werden.

Ebenso wie die Plantagengesellschaft beschäftigt sich die Deutsche Pflanzergesellschaft in der Nähe von Tanga mit Tabaksbau. Erhebliche Erfolge sind seitens dieser Gesellschaft nicht erzielt worden, einmal weil die Leitung zu systematisch von Berlin aus betrieben wurde, wodurch jede freiere Entfaltung in Ostafrika lahm gelegt oder verzögert wurde; ferner aus Kapitalsmangel und endlich weil die in Ostafrika zur Verwendung kommenden europäischen Kräfte sich ihrer Aufgabe zum Teil nicht gewachsen zeigten; im letzten Jahr machte noch der Aufstand unter den Wadigo die nötigen Arbeiten größtenteils unmöglich.

Zu diesen älteren wirtschaftlichen Unternehmungen traten bald nach der Niederschlagung des Aufstandes noch einige andere. In erster Linie ist hier zu nennen die sogenannte Emin-Plantage. Den Grundstock derselben bildet eine früher dem Frhrn. v. Gravenreuth gehörige Schamba bei Bagamoyo, welche durch Ankäufe vergrößert wurde. Die Emin-Plantage beschäftigt sich vorwiegend unter der Leitung eines bewährten Fachmanns mit dem rationellen Anbau der Vanille.

In der Nähe von Tanga betreibt Herr von Saint-Paul-Illaire, der frühere Generalvertreter der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft, eine eigene Plantage, auf welcher ebenfalls Vanille und Baumwolle kultiviert werden. In der Nähe von Tanga befindet sich ferner eine kleinere Plantage der ostafrikanischen Seehandlung (Wilhelm Perrot, Wiesbaden). Die ostafrikanische Seehandlung bildete sich 1890 zu dem Zwecke, in Ostafrika Handel mit den Eingeborenen zu treiben und eventuell sich mit selbständigem Plantagenbau zu beschäftigen. Die kleine Plantage der Gesellschaft kultiviert Baumwolle und hat vor kurzem eine nicht unbeträchtliche Sendung von Baumwolle in Bremen zum Verkauf gestellt.

Neben diesen wirtschaftlichen, dem Plantagenbau dienenden Unternehmungen müssen die rein kaufmännischen Unternehmungen Erwähnung finden.

Über die kaufmännischen Zwecke und Ziele der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft ist das Wesentliche oben gesagt worden. Eine Ergänzung zu dem Plane der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft, mit ihren Faktoreien in das Innere hinein vorzudringen, bildete ein Projekt des leider zu früh im Dienst des Vaterlandes gefallenen Freiherrn v. Gravenreuth, das Projekt, durch die Gründung einer deutschen Seengesellschaft an den Ufern der großen Seen, an welche unser Gebiet heranreicht, festen Fuß zu fassen und so dem deutschem Vorgehen von der Küste her von innen heraus entgegen zu arbeiten. Das zunächst ins Auge gefaßte Ziel war die Anlegung von zwei Handelsstationen am Viktoria und zwar an dessen Süd- und Westufer. An diesen beiden Stationen sollte der von Wißmann für den Viktoria geplante Dampfer die Produkte aus Uganda, Unioro, Karagwe, Kavirondo und den reichen Uferstaaten des Viktoria zusammenführen, von den Stationen aus jene Länder mit den nötigen Ausfuhrartikeln als Gegenwert versehen. Die Großartigkeit des Planes muß auf den ersten Blick einleuchten. Um so bedauerlicher ist es, daß der Plan aus Mangel an Beteiligung bisher nicht zur Ausführung gekommen ist, um so bedauerlicher deshalb, weil die beiden deutschen Stationen Bukoba und Muanza die Vorbedingungen für eine Sicherung eines solchen Handelsverkehrs gegeben hätten.