Die Massai, die Erbfeinde der Wahehe, mit denen zuletzt der Stationschef von Mpapua, Lieutenant von Elpons, ein gutes Verhältnis erhalten hatte, baten diesen nach der Katastrophe um die Erlaubnis, nun ihrerseits über die Wahehe herfallen zu dürfen; von Elpons mußte ihnen jedoch seiner dringenden Instruktion vom Gouverneur gemäß diese Bitte abschlagen. —
Es sei gestattet, bei dieser Gelegenheit einiges über die Schwierigkeiten, die sich auf Expeditionen häufig darbieten, zu sagen. Wesentlich von Belang ist der Zweck der Expedition und das Verhältnis derselben gegenüber den Eingeborenen: ob diese die Expedition von vornherein als feindlich ansehen oder nicht. Bei den Expeditionen der Schutztruppe, soweit diese Straf-Expeditionen sind, oder zur Ausdehnung der Macht an Stellen dienen sollen, wo sich die eingeborene Bevölkerung selbständig zu halten sucht, tritt natürlich das Ziel der Expedition den Eingeborenen selbst als ein ihnen direkt feindliches vor Augen, und werden sie einer solchen Expedition nach Möglichkeit Schwierigkeiten im Vordringen entgegensetzen.
Anders ist es bei Expeditionen einfacher Reisender, die blos den Zweck haben, durch das Land zu marschieren, in demselben aber keinerlei Hoheitsrechte auszuüben. Für solche Expeditionen kann man sagen, daß je klarer den Eingeborenen das friedliche Ziel derselben vor Augen tritt, desto leichter das Vorwärtskommen der Expedition sein wird. Es kommt also oft vor, daß das Mitnehmen von einer geringen Menge von Soldaten oder überhaupt gar keiner Soldaten die Expedition ungemein erleichtert. So ist es auch erklärlich, daß Missions-Expeditionen und wissenschaftliche Expeditionen mit viel geringeren Mitteln als die Expeditionen unserer Schutztruppe ausgeführt werden können, da deren friedliche Bestrebungen im allgemeinen bekannt sind, wenngleich auch hier natürlich Ausnahmen von der Regel vorkommen. Denn auch solche Expeditionen leiden zuweilen unter der Raubsucht einzelner Häuptlinge oder deren Rachgier für irgend welche früheren Ereignisse.
Befassen wir uns hier indes nur mit den Expeditionen, wie sie von Seiten der Schutztruppe häufig nötig werden. Die Expeditionen richten sich zum Teil gegen Völkerstämme, die mit Gewehren, bei Beginn der Niederwerfung des Aufstandes sogar mit allen möglichen Hinterladergewehren und deren Munition reichlich versehen sind, zum Teil gegen Stämme, welche nur die einheimischen Waffen führen. Diese Waffen sind entweder Speere, nämlich ein großer Stoßspeer und mehrere kleine Wurfspeere, oder Bogen und Pfeile nebst Keulen, zuweilen beide Arten der Bewaffnung bei demselben Gegner, aber nie in der Hand eines Einzelnen vereinigt.
Es wird häufig angenommen, daß allein die Bewaffnung unserer Gegner mit Gewehren für uns nachteilig sei. Dies ist nicht immer der Fall, denn gerade die ausschließlich mit Speeren kämpfenden Völkerstämme sind in ganz Ostafrika unter den Eingeborenen die bei weitem gefürchtetsten. Sie verlassen sich nicht, wie die übrigen Eingeborenen, auf die Überlegenheit der Feuerwaffen, sondern ganz allein auf die Wucht ihres Angriffs und die Überlegenheit ihrer im Nahkampfe hervortretenden Persönlichkeit, wie sie auch stets durch größeren Mut vor andern Völkerstämmen ausgezeichnet sind. Auch sind gerade diese Stämme diejenigen, welche durch die Benutzung von Hinterhalten, durch Überfälle jeder Art bei Tag und bei Nacht, ihrem Gegner gefährlich zu werden suchen, und welche die größten Marsch- und sonstigen körperlichen Leistungen verrichten.
Es soll damit nicht gesagt sein, daß es unter den Gewehrkriegern nicht auch vorzüglich organisierte Scharen gäbe. Solche sind z. B. im Süden die Wahiyao Maschembas und andere, die während des Aufstandes durch die fortwährenden Kämpfe mit uns klug geworden sind und namentlich, wie früher Bana Heri mit seinen Leuten, die Ausnutzung des Terrains uns gegenüber gelernt haben. Sie haben mit der Zeit erfahren, daß sie auch in gut befestigten Stellungen uns auf die Dauer nicht zu widerstehen vermögen, sondern daß ihre Stärke uns gegenüber gerade der dichte afrikanische Busch ist. In diesem Busch liegt für uns die Hauptgefahr, wofern er nicht überall so undurchdringlich ist, daß auch unsern leichter beweglichen Gegnern die Benutzung desselben zu unserm Nachteil unmöglich gemacht wird. Auf den Märschen unserer Expeditionen können ja bekanntlich nur die schmalen Fußstege benutzt werden, von denen die hauptsächlichsten die Karawanenstraßen sind.
Das Terrain zu den Seiten dieser Wege ist je nach der Jahreszeit und der Örtlichkeit mit mehr oder weniger hohem und dichtem, trocknem oder grünem, zuweilen doppelt mannshohem Grase bewachsen, teils von dem afrikanischen Busch durchzogen, mit Mimosen und Lianen bestanden, und bietet so ein recht bedeutendes Bewegungshindernis wenigstens für uns und für unsere mit Gepäck versehenen, mit Munition, Ausrüstungs- und Montierungsstücken belasteten Soldaten.
Eine andere Art der Bewachsung, wie solche sich fast überall im nördlichen Mahenge, in Uhehe, Ugogo und im größten Teil des Hinterlandes unseres südlichen Küstengebietes befindet, besteht aus völlig undurchdringlichem Dickicht. Zuweilen sind dann selbst die schmalen Fußpfade sehr schwer, besonders von Lastträgern, zu passieren. Man muß sich ohne Gepäck entweder bücken, oder sogar kriechen, nur um überhaupt fortzukommen. Die Fußpfade schlängeln sich von rechts nach links, vorwärts und wieder rückwärts, so daß es in solchem Terrain ungeheuer schwer ist, nur die allgemeine Marschrichtung im Auge zu behalten. Hier ist eine Sicherung natürlich gänzlich ausgeschlossen; doch bietet uns da die Eigenart des Terrains selbst einen natürlichen Schutz. Von speerkämpfenden Stämmen droht uns auf dem Marsche durch solches Gebiet keine Gefahr, unter Umständen dagegen von Büchsenkämpfern. Diesen ist natürlich immer ihr Land mit allen seinen Seitenpfaden besser bekannt als uns, sie können etwaige in diesem Terrain vorhandene Blößen geschickt benutzen, wie sie dies auch thatsächlich verstanden haben. Sie setzten des öfteren durch ein plötzliches, unerwartetes Schnellfeuer die Truppe in Verwirrung und brachten ihr Verluste bei.
Auf solchen sich lang hinziehenden Märschen hat der Führer selbst wenig Gelegenheit und Möglichkeit einzugreifen, es liegt dann alles in der Hand der Unterführer, speziell der einzelnen Zugführer. Man wird dann häufig gut thun, das Feuer, wenn es kein ernstlich anhaltendes ist, ganz zu ignorieren, um nicht unnütz gegen einen unsichtbaren Feind Munition zu verschwenden; ist man indes genötigt, ein anhaltendes Feuer zu erwidern, so kann gerade in solchem Terrain auf den unregelmäßig sich dahinziehenden Pfaden die eigene Truppe durch eine abgegebene Salve stark gefährdet werden. Man wird, wie erwähnt, die Marschrichtung in vielen Fällen nicht genau kennen, und unter Umständen einen davor oder dahinter marschierenden Teil der Truppe, der sich im Holze in einer Wegekrümmung gerade in der Schußlinie befindet, durch das Schießen in Gefahr bringen. Im übrigen findet eine Sicherung auf dem Marsch unserer Expeditionen stets durch die Voraussendung einer Spitze oder mehr oder minder großen Avantgarde je nach den Verhältnissen statt. Nach vorn ist unter allen Umständen eine Sicherung möglich.
Ein weiteres bedeutendes Sicherungsmittel erblickt der Verfasser in der Mitnahme eines Maxim-Guns, vorausgesetzt, daß zur Bedienung desselben, — welches ja für Ostafrika den entschiedenen Nachteil der Komplikation in seinem System hat, — ein Techniker zur Verfügung steht. Wenn das Maxim-Gun ziemlich an der Tête der Kolonne, gedeckt etwa durch einen Trupp von 20 vor demselben marschierenden Leuten, getragen wird, so ist es im Augenblick zusammenzusetzen, und gestattet dann eine recht schnelle und intensive Feuerwirkung. Nach vorn hin auf dem einfachen schmalen Fußstege, wo die Entfaltung einer breiten Front unmöglich ist, ersetzt es reichlich die Feuerwirkung einer Kompagnie und vermag ebenso auch nach allen Seiten ein intensives Feuer abzugeben. Bezüglich der sonst mitzuführenden Artillerie schlägt der Verfasser 3,7 cm Geschütze wegen des geringen Gewichts, der Leichtigkeit des Transportes und der genügenden Feuerwirkung vor.