Zu bedenken ist, daß bei größeren Expeditionen der Mitnahme von Patronen wegen der großen Zahl der erforderlichen Träger doch ein Maß gesetzt ist, obgleich ja unsere Soldaten je nach den Verhältnissen immerhin 100-150 Patronen, teils eingenäht in ihre Patronentaschen, teils im Tornister oder Brotbeutel bei sich tragen. Es muß einem leichtsinnigen Patronenverbrauch auf Expeditionen aufs entschiedenste vorgebeugt werden und sind die Soldaten hierin aufs Strengste zu kontrolieren. Eine Sicherung, wie sie von einer Seite vorgeschlagen worden ist: daß man in unübersichtliches coupiertes Terrain der Kontrolle halber Salven hereinschießen läßt, ist schon aus diesem Grunde ausgeschlossen.

Eine weitere Sicherung wird zwar — außer in der erwähnten dritten, besonders coupierten und bewachsenen Art des Terrains — möglich, aber fast immer schwierig sein, nämlich eine Sicherung durch Seitenpatrouillen. Abseits des Weges ergeben sich für die seitlich detachierten Truppen oder die Seitenpatrouillen weit bedeutendere Hindernisse, als für das den Weg benutzende Gros. Man kommt daher, wenn die Seiten-Detachements oder -Patrouillen nicht seitlich hinter der Truppe zurückbleiben und somit ganz ihren Zweck verfehlen sollen, in die Notwendigkeit, das Marschtempo der Truppe bedeutend zu verkürzen. Hierdurch verzögert sich der Marsch einer Expedition sehr erheblich, das Seitendetachement wird stark ermüdet, der Marsch von Expeditionen, die sonst die Dauer einiger Wochen in Anspruch nehmen, erfordert eine unendlich längere Zeit für ihre Durchführung, und kosten die Expeditionen demgemäß viel mehr Geld und Anstrengung. Es ergiebt sich hieraus als praktisch, diese Seitensicherung in solchem Terrain nur dann eintreten zu lassen, wenn sie unbedingt nötig erscheint. Da unsere Expeditionen sich übrigens häufig durch Gegenden bewegen, wo man absolut vor Überfällen sicher ist, wäre es eine Zeit- und Geldvergeudung, mit solchen komplizierten Sicherheitsmaßregeln zu marschieren.

Natürlich ist, besonders in Feindesland und in unsicheren Gegenden, jeder sich seiner Verantwortung bewußte Führer verpflichtet, alle möglichen Vorsichtsmaßregeln anzuwenden. Beurteilen zu können, wo und wann diese Vorsichtsmaßregeln nötig sind, muß unbedingt vom Führer einer Expedition verlangt werden. Er wird auch stets dazu in der Lage sein, namentlich wenn er es versteht, sich geeignete Vertrauensleute zu halten, welche Fühlung mit den Bewohnern der von ihm durchzogenen Gebiete haben. Hat der Führer solche Leute zur Hand, und das muß er haben, so hat er durch sie eine ganz wesentliche Garantie für die Sicherheit des Marsches.

Eine ebenfalls große Sicherheit bieten irreguläre Truppen aus den Eingeborenen selbst, welche die Expedition begleiten. Solche werden bei den ostafrikanischen Verhältnissen, speziell bei der zwischen den einzelnen Stämmen bestehenden Feindschaft, in der Regel zu haben sein. Sie sind besonders gut am Tage zum Aufklärungs-und Patrouillendienst jeder Art zu verwenden, auch zu detachieren, und kommen hervorragend gegen die Mafiti in Betracht, welche besonders, wie schon erwähnt, durch ihre ungeheure Elastizität, große Beweglichkeit und ihre Marschleistungen uns gefährlich werden. Die Mafiti sind, soweit dem Verfasser bekannt ist, in Ostafrika die einzigen Krieger, welche das leicht bewachsene Terrain seitwärts der Wege ohne Rücksicht auf diese in breiter Kolonne, häufig im Laufschritt, durchschreiten und so in der Lage sind, plötzlich und mit großer Wucht in Frontbreite aufzutreten. Beim Bivouak kann eine große Zahl Irregulärer dadurch wesentlich zur Sicherung unseres kostbaren Soldatenmaterials beitragen, daß man um das in der Regel im Kreise oder sonst in einer dem Terrain angepaßten Form errichtete Lager der eigentlichen regulären Expeditionstruppen in weiterem Umkreise die irregulären ein Lager beziehen läßt, gewissermaßen als dichte nächste Postenkette; dieses Lager wird wiederum in noch weiterem Umkreise durch mehr oder weniger dichte Vorposten der Truppe gesichert.

Das Alarmieren bei Nacht wird selbstverständlich für solche Zwecke besonders eingeübt. Ein Feuergefecht aus dem Lager heraus zur Nachtzeit ist indes, soweit angängig, zu vermeiden und namentlich nicht auf das Schießen einzelner Gegner, die keinen oder wenig Schaden anrichten, allgemein aufzunehmen.

Für eine marschierende Truppe liegt ferner ein großer Nachteil in der Unzuverlässigkeit der angenommenen Träger, die häufig ihre Lasten wegwerfen und durch Flucht Unordnung und Bestürzung in die Expedition bringen. Bei der Notwendigkeit, häufiger Expeditionen zu unternehmen, würde die Ausbildung ordentlicher bewaffneter Trägerkolonnen, die auch zugleich als Arbeiter auf den Stationen dienen könnten, nützlich sein.

Ein von Herrn von Zelewski gemachter Versuch, die Träger zum Teil wenigstens durch Lasttiere zu ersetzen, nämlich für den Transport des für Kriegszwecke notwendigsten Materiales an Geschützteilen und Munition für die Geschütze, das Maxim-Gun und Gewehrmunition, ist als gescheitert zu betrachten. Zwar kann man rechnen, daß ein Esel zwei Trägerlasten bei entsprechender praktischer Verpackung auf sich nimmt, doch erfordern, wenn die Expedition nicht gar zu sehr aufgehalten und die Ordnung gewahrt sein soll, immerhin zwei Esel einen Treiber, und erweist sich, wie man bei der Zelewskischen Katastrophe gesehen hat, im kritischen Moment diese Art als unpraktisch, da die Tiere scheu werden, durcheinander rennen und Unordnung in die Kolonne bringen. —

Es mögen nun noch die anderen unter dem Gouvernement im Jahre 1891 unternommenen Expeditionen kurz Erwähnung finden.

Im nördlichen Nguru vorgekommene Unruhen und Belästigungen der Eingeborenen durch Wakuafi und Massai machten ein Einschreiten von unserer Seite notwendig. Der Verfasser unternahm daher im Juni vorigen Jahres, da das in Frage kommende Gebiet zum Hinterlande seines Bezirkes gehörte, eine Expedition durch Usegua, Nguru und Usagara, durch welche es gelang, ein vollkommen friedliches Verhältnis mit den Eingeborenen herzustellen und auch die räuberischen Wakuafi zur Vernunft zu bringen. Ebenso wurde die vorher bedroht erscheinende französische Missionsstation in Nguru, Mhonda, vollkommen sicher gestellt.

Nicht von geringem Nutzen war bei dieser Expedition die Hülfe Bana Heris, dessen Einfluß auf die Eingeborenen sich der Verfasser zu nutze gemacht hatte, und dessen Sohn Abdallah ebenso wie der des öfteren erwähnte Jumbe Makanda von Bagamoyo auf der Expedition mitgenommen wurden. Der früher bereits öfters angeführte Jehasi war bei den Streitigkeiten der Wanguru mit den Wakuafi bei Einnahme einer Wakuafi-Tembe gefallen.