Bereits im Juli war der Verfasser von dieser Expedition nach Bagamoyo zurückgekehrt und führte in dieser Zeit teils die Bezirksgeschäfte in Bagamoyo, teils vertrat er den auf der Wahehe-Expedition sich befindenden Kommandeur v. Zelewski in Daressalam. Da machte sich durch inzwischen erfolgte Einfälle der nördlichen Mafiti nach Usaramo die Unternehmung einer Expedition gegen diese zur Sicherung der gefährdeten Wasaramo notwendig. Alle an der Küste noch disponiblen Truppen wurden vereinigt, die vom Kommandeur zurückgeschickte Zulu-Kompagnie, sowie aus Pangani, Bagamoyo und Daressalam herausgenommene Truppen wurden in Bagamoyo als Expeditionskorps zusammengezogen, und der Verfasser unternahm mit den Offizieren, Kompagnieführer End und Lieutenant Prince, wie dem Arzt Dr. Kanzki die erwähnte Expedition. Dieselbe durchzog zunächst Usaramo in südwestlicher Richtung nach Tununguo hin, wo fast alle Dörfer aus Furcht vor den Mafiti verlassen waren, außerdem beredte Zeugnisse für die Grausamkeiten der Mafiti, wie sie in diesem Buche gelegentlich der Erwähnung des Mafiti-Einfalls im Jahre 1889 bereits geschildert sind, gefunden wurden. Sodann wurde der Kingani bei Mafiti überschritten und nach der Missions-Station Tununguo marschiert. Von dort aus richtete sich der Marsch direkt ins Land der nördlichen Mahenge, welche große Komplexe von Kutu occupiert haben und die Wakutu in großer Abhängigkeit von sich halten. Die Bestrafung der Mafiti war für die Expedition nicht so bequem wie vor zwei Jahren, wo das Eingreifen Gravenreuths nur 5 Stunden von Bagamoyo nothwendig war. In ihrem Lande wurden die Mafiti nur im Dorfe Korongo angetroffen, doch räumten sie auch diesen Ort nach dem vollständig überraschenden Eintreffen der Expedition bald nach Eröffnung des Feuers. Im übrigen zogen es die Mafiti vor, uns überall auszuweichen. Für die Expedition lag die Gefahr nahe, daß das ungemein coupierte, für uns selbst auf den schmalen Fußstegen nur schwer zu passierende Terrain von den gewandten leichtfüßigen Mafitis zu einem Überfall gegen uns benutzt werden könnte. Wir mußten uns daher, so gut es ging, gegen Überraschungen sichern.
In Hongo fanden wir eine Anzahl der von den Mafiti gefangenen Wasaramo noch vor und setzten dieselben in Freiheit. Im übrigen beschränkte sich der Verfasser darauf, den Mahenge in ihrem Lande, wo sie ebenfalls überall zurückwichen, die einzig mögliche Strafe zu teil werden zu lassen, nämlich sie an ihrem Hab und Gut nach Kräften zu schädigen. Es wurden alle Ortschaften niedergebrannt, die überaus reichlich daselbst vorgefundenen Vorräte, soweit wir sie nicht aufbrauchen und mit uns führen konnten, den Flammen preisgegeben, und die reichen, wohlbestellten Felder der Eingeborenen, soweit es in der kurzen Zeit möglich war, durch uns und die eingeborenen Hülfsvölker, — welche besonders der Häuptling Kingo von Morogro und einzelne andere mächtige Häuptlinge in der Zahl von mehreren Hundert Mann der Expedition gestellt hatten, — verwüstet.
Diese grausame Art der Bestrafung ist bei eingeborenen Gegnern, die man auf andere Weise nicht fassen kann, leider notwendig, und sie ist den Eingeborenen auf die Dauer fühlbarer, als selbst erhebliche, ihnen im offenen Kampfe beigebrachte Verluste an Menschenleben, die sie mit der Zeit viel eher verschmerzen. Aber auch der Vermögensverlust übt einen sehr lange anhaltenden Einfluß bei einem so gewohnheitsmäßigen Räubergesindel, wie die Mafiti sind, nicht aus. Es wurde daher vom Verfasser bereits als wirksames Mittel die Anlage einer Station in der Landschaft Kisaki vorgeschlagen, die jetzt in Angriff genommen ist.
Es sei hier bemerkt, daß vielleicht in späterer Zeit gerade das jetzt verrufene Mafitiland für unsere Kolonie eine größere Rolle spielen wird. Wir haben im Kutuland einen der fruchtbarsten und bestbewässertsten Distrikte unseres Gebietes, der in jeder Hinsicht die reichsten Ernten liefert. Dann aber lehnen sich hier die Sedimentärformationen an den Gneis der Uruguruberge an. Dort ist nach dem Urteil des Herrn Dr. Lieder, der einen großen Teil der Gebiete Deutsch-Ostafrikas geologisch erforscht hat und den der Verfasser damals in Uruguru (Teil von Kutu, an das Mafitiland grenzend) traf, das Vorkommen von nutzbaren Mineralien im höchsten Grade wahrscheinlich, deren Transport zur Küste keine Schwierigkeiten machen würde. —
Von der Expedition nach Bagamoyo zurückgekehrt, erfuhr der Verfasser die Trauernachricht von der Katastrophe in Uhehe. Abgesehen von einer nach der Katastrophe abgesandten Rekognoszierungs-Expedition nach Mpapua unter Lieutenant Prince fanden keine weiteren Expeditionen der Schutztruppe ins Innere im Bezirk von Bagamoyo und den weiter südlichen Bezirken statt, im Hinterland von Tanga dagegen wurde das Einschreiten des Bezirkshauptmanns Krenzler durch eine unter den Wadigo vorgekommene Erhebung notwendig.
Gerade der Umstand, daß unter einem bisher so wenig kriegerischen, geradezu für erbärmlich geltenden Stamme, wie die Wadigo, eine Erhebung gegen die deutsche Herrschaft vorgekommen war, war kein günstiges Zeichen und machte ein schleuniges Einschreiten notwendig. Die erste zu diesem Zweck vom Bezirkshauptmann Krenzler unternommene Expedition verlief ungünstig, da sich die Expedition wieder nach der Station Tanga zurückziehen mußte. Eine zweite stärkere, ebenfalls von dem bald darauf am perniziösen Fieber verstorbenen, um die Entwickelung von Tanga hoch verdienten Hauptmann Krenzler geführte Expedition bewirkte die Wiederunterwerfung der Wadigo.
Andere Kämpfe hatte am Kilimandscharo der dortige Reichskommissar zur Verfügung des Gouverneurs, Dr. Karl Peters, der als Wirkungskreis das Kilimandscharo-Gebiet erhalten hatte, zu bestehen. Nachdem Peters zunächst die Station Moschi mit der 9. Kompagnie der Schutztruppe unter Kompagnieführer Johannes erreicht hatte, ging er von dort aus weiter nach Osten, um hier eine neue nach seiner Ansicht notwendigere Stations-Anlage zu schaffen. Hierfür wurde Marangu, der Sitz des unbedeutenden Sultans Mareale, ausgesucht und der daselbst von Peters gegründeten Station der Name Kilimandscharo-Station beigelegt. Bei einer von dort mit einem Teil der Besatzungs-Kompagnie gegen die Warombo unternommenen Expedition fiel der Sergeant Schubert von der Schutztruppe, doch gelang es Peters, den Stamm, der sich nicht unterwerfen wollte, zu strafen und unter die deutsche Herrschaft zu bringen. — In späterer Zeit fand Dr. Peters Verwendung als deutscher Kommissar bei der an unserer nördlichen Grenze vorgenommenen Grenzregulierung gegen das englische Gebiet.
Nach der Katastrophe in Uhehe und der Rückkehr der Reste der Expedition unter Tettenborn war durch die großen Verluste der Schutztruppe eine vorläufige Umänderung in der Organisation derselben geboten. Auf telegraphischem Wege gelangte eine Allerhöchste Kabinets-Ordre nach Ostafrika, nach welcher der Gouverneur zugleich das Kommando der Schutztruppe bis auf weiteres übernehmen sollte. Da der Gouverneur jedoch nicht selbst Offizier war und daher eines sachkundigen Beistandes bedurfte, wählte er hierzu den Verfasser, der als militärischer Beirat nach Daressalam überzusiedeln hatte. Die Maßregeln, welche vom Gouverneur teils mit, teils ohne Einverständnis mit dem militärischen Beirat getroffen wurden, sind mehr innerer Natur und bereiteten die spätere Änderung in der Organisation der Truppe vor. In der äußeren Organisation wurden, — abgesehen von einer durch den Verfasser vorbereiteten Umgestaltung der Expeditions-Artillerie, die dann wieder fallen gelassen wurde, — die Reste der 6., 7. und 9. Kompagnie mit denen der 5., 8. und 10. vereinigt, so daß die Schutztruppe nur noch 7 Kompagnien aufzuweisen hatte, die durch Rekrutierung zu ergänzen waren. Diese Ergänzung wurde noch besonders nötig, da auch ein Teil der alten sudanesischen Soldaten sich entweder nicht mehr als dienstfähig erwies oder die Erlaubnis zur Rückkehr nach Egypten erbat, und da auch die Zulus erklärten, nach Ablauf ihres dreijährigen Kontrakt-Verhältnisses nicht mehr im Dienst bleiben zu wollen.
Die Neuergänzungen sind von Major v. Wißmann in Egypten und Kompagnieführer von Perbandt um Massaua herum, endlich im Gebiet der Zulus von Inhambane aus vorgenommen worden, aber man erhielt nicht die erwünschte Zahl, da die Rekrutierung bei den Zulus, auf deren Gelingen man bestimmt gerechnet hatte, vollkommen scheiterte. Die Zulus, wird ferner gesagt, würden sich entschieden weigern, über ihre Verpflichtung hinaus, in der Schutztruppe zu verbleiben; es thut daher auf das dringendste not, sich nach anderem Material umzusehen.
Sehr zu wünschen wäre die endliche definitive Herbeiführung einer Organisation der Artillerie, so zwar, daß unsere hiesigen Feldgeschütze als Positionsgeschütze auf den Küstenstationen, die 4,7 cm für die Stationen des Innern, und 3,7 cm und Maxim-Guns für die Expeditions-Artillerie dienen. Vor der Hand hat man darin noch gar keine Organisation.