An farbigen Offizieren hatten wir in der Schutztruppe Hauptleute, Premierlieutenants und Sekondelieutenants. Von diesen wurden die für den Zweck brauchbarsten Lieutenants vorläufig im Frontdienst beibehalten; aus den übrigen machte man Polizeichefs, eine Stellung, in welcher sie sich im Allgemeinen recht gut bewährt haben.
An weißen Chargen gab es in der Schutztruppe Offiziere vom Hauptmann bis zum Sekondelieutenant, welche jedoch, da sie aus der Armee ausgetreten und in Wißmanns Privatdienst übergetreten waren, hier nicht nach ihrer in der Armee erworbenen Charge rangierten, sondern nach einer eigenen Anciennität in der Schutztruppe.
Es setzte sich das Offizierkorps zusammen aus dem Kommandanten Major v. Wißmann, den Chefs und den Lieutenants. Die Uniform der Offiziere bestand in der ersten Zeit aus weißen Baumwollanzügen, Jaquet und Hose, mit Metallknöpfen und Achselstücken und einem Tropenhelm. Als Rangabzeichen dienten außer den betreffenden Achselstücken um die Ärmel genähte Goldborten, von denen die oberste eine runde Schleife zeigte; beim Kommandanten waren es deren vier, bei den Chefs drei, bei den übrigen Offizieren zwei. Für Paradezwecke oder sonstige feierliche Gelegenheiten war ursprünglich eine Uniform von dunkelblauer Serge hergestellt worden, von demselben Schnitt wie die weiße und mit denselben Abzeichen. Diese blaue Uniform bewährte sich aber gar nicht und ist nur in sehr seltenen Fällen angelegt worden. Als Seitengewehr diente der frühere Infanterie-Campagne-Säbel mit Kavallerie-Portepee, als Schärpe die Marineschärpe mit der Kaiserkrone.
Die Uniform der Unteroffiziere war im Schnitt dieselbe wie die der Offiziere. Sie bestand aus grauem, festem Baumwollstoff; das Abzeichen bildete eine gelbe Wollenborte mit Schleife an den Ärmeln. An Waffen trugen sie Repetiergewehr, Infanterie-Seitengewehr und Revolver. Als Fußbekleidung kamen sehr bald die für die Küste außerordentlich praktischen und auch haltbaren Schuhe aus Segeltuch auf, welche leicht sauber gehalten werden können, im Inneren natürlich Lederschuhe bezw. Stiefel.
Sobald die Verhältnisse es erlaubten, wurde zu einer systematischen Ausbildung der Truppe geschritten, und zwar in der Weise, daß dabei lediglich auf die praktischen Zwecke Gewicht gelegt wurde. Der gesamte Exerzierdienst zielte darauf ab, die Truppe zu einem geschlossenen Ganzen zu machen und in die Hand des Führers zu bringen. Infolgedessen fiel natürlich das eigentliche Garnisonsexerzieren mit seiner Krone, dem Parademarsch, so gut wie gänzlich weg, und an seine Stelle trat die desto eifrigere Übung des eigentlichen Gefechtsexerzierens.
Die Ausbildung der einzelnen Züge geschah unter den weißen Unteroffizieren, die Zusammenfassung der Züge in Kompagnieverbände unter den Offizieren, die der einzelnen Kompagnien endlich unter dem Hauptführer. Der Lage der Sache nach fiel die letztere Stellung je nach Bedarf entweder dem Stationschef oder dem Führer des Expeditionskorps zu. Die allergrößten Verdienste erwarb sich bei der Aufgabe, die Truppen einzuexerzieren und zu einem schlagfertigen Ganzen zu gestalten, nicht bloß bei dem ersten Kontingent, sondern auch bei dem später zu erwähnenden Nachschub Chef v. Zelewski. Mit unermüdlicher Ausdauer und ungemein großer Hingebung an die Sache verband er das größte Wohlwollen für alle seine Untergebenen. Er kannte die meisten Soldaten der Schutztruppe persönlich und war überall gleich beliebt.
Wenn nun aber der eigentliche Exerzierdienst und die Ausbildung der Leute zur Gefechtsschlagfertigkeit verhältnismäßig wenig Mühe machte, wenigstens nach Überwindung der ersten sprachlichen Schwierigkeiten, besonders nach Einführung des deutschen Kommandos, welches von den Sudanesen in überraschend kurzer Zeit begriffen und von den schwarzen Chargen sofort richtig angewendet wurde, — kamen doch die Sudanesen aus der egyptischen Armee und brauchten sich nur einem neuen Modus anzupassen —, so waren dafür die Schwierigkeiten bei den Schießübungen desto größer. Trotz der ausgedehnten Bemühungen seitens der Offiziere und Unteroffiziere sind wirklich gute Schießresultate nicht erzielt worden. Im Gefecht selbst schossen die Sudanesen, besonders in der ersten Zeit, blind darauf los, und es war ganz unmöglich, sie hier in den nötigen Schranken zu halten. So kam man bald dahin, ihnen das Einzelschießen im Gefecht vollständig zu untersagen: es durften nur noch Salven auf Kommando abgegeben werden. Der so erzielte Erfolg war durchaus genügend, und vor allen Dingen lernten sie auf diese Weise größere Besonnenheit und Kaltblütigkeit beim Gebrauch der Schußwaffe.
Noch größer als bei den Sudanesen waren die anfänglichen Schwierigkeiten bei den Zulus. Regulärer Kriegsdienst war ihnen gänzlich fremd. Die Bekleidung mit einer Uniform schien ihnen zum mindesten gänzlich überflüssig; die meisten hatten nicht einmal vom Gebrauch der einzelnen Kleidungsstücke einen Begriff und mußten erst dazu erzogen werden. Schuhwerk zeigte sich bei ihnen als gänzlich unangebracht. Ihre Uniform unterschied sich ursprünglich wesentlich von der der Sudanesen, später jedoch wurde dieselbe Uniform bei der gesamten Schutztruppe eingeführt.
Von Natur intelligent, begriffen die Zulus jedoch sehr bald den Wert der Disziplin, besonders nachdem ihnen in einigen Fällen die Notwendigkeit derselben handgreiflich vor Augen geführt worden war. Daß es nicht immer ganz glatt dabei abging, mag besonders ein Fall beleuchten, wo ein Zulu sich thätlich an seinem weißen Vorgesetzten vergriff. Nach Kriegsrecht wäre der Mann ja zweifellos mit dem Tode zu bestrafen gewesen. Der betreffende Stationschef jedoch ließ, und zwar besonders um den Geist der Leute zu prüfen, durch seine Kameraden über ihn aburteilen — und siehe da: — ihr Urteil lautete fast einstimmig auf Tod. Der Mann wurde jedoch zu Stockschlägen begnadigt. Da baten seine Kameraden durch eine Deputation um die Erlaubnis, das Urteil selbst vollstrecken, besonders aber auch die Zahl der Schläge bemessen zu dürfen. Mit Rücksicht auf den zu erhaltenden Geist in der Kompagnie wurde ihnen dieser Wunsch zugestanden. Der Delinquent erhielt nicht weniger als 150 Schläge mit dem Kiboko, der Flußpferdpeitsche und wurde dann, obwohl der Arzt keine erhebliche Beschleunigung des Pulses, noch auch sonstige bedenkliche Symptome zu erkennen vermochte, begnadigt, wie es schien — zur Unzufriedenheit seiner Genossen. 8 Tage darauf that er schon wieder Dienst und hat seitdem nie mehr zu irgend welchen Klagen Anlaß gegeben.
Der schwierigste Teil in der Ausbildung der Zulus war in weit höherem Maße noch als bei den Sudanesen das Schießen. Die Leute kannten zum bei weitem größten Teil gar keine Hinterlader; viele hatten nie ein Gewehr in der Hand gehabt und setzten infolgedessen ein recht geringes Vertrauen in die Waffe. Um so größer war ihr Vertrauen zur Führung, und zwar schon in den ersten Gefechten.