Hatte Buschiri doch schon den wenn auch vergeblichen Versuch gemacht, eine vor kurzem in Bagamoyo unter der Führung des bekannten Karawanenführers Tscherekesa angelangte Karawane, welche eine große Rindviehherde, Kleinvieh und Elfenbein mit sich führte, auf ihrem Marsche ihrer Habe zu berauben.
Für Wißmanns Absicht traf es sich günstig, daß Lieutenant Ramsay, der zur abermaligen Anwerbung von Zulus abgeschickt war, gerade mit 300 Neuangeworbenen in Bagamoyo angekommen war, die nun eifrig einexerziert wurden und zur Teilnahme an der Expedition herangezogen werden konnten.
Dem Reichskommissar war es klar, daß, wenn sich die Nachricht von den Anwerbungen Buschiris bei den Wahehes und Mafitis bewahrheitete, nach seinem Abrücken mit einer größeren Truppenmacht ein Erscheinen der Rebellen an der Küste mit den alten Anhängern und den neuen Kräften mindestens wahrscheinlich sei. Nichtsdestoweniger schien es Wißmann von der größten Wichtigkeit, die Expedition selbst ins Innere zu führen, um sich persönlich über die Absichten und die Stimmung der Eingeborenen und ihr Verhalten zu den Deutschen und Buschiri zu unterrichten. Die bisher nur in sehr unsicherer Form zu ihm gedrungenen Gerüchte ließen es nötig erscheinen, daß der Kommissar auf Grund eigener Wahrnehmungen seine Maßnahmen träfe. Er trug jedoch Bedacht, daß sein Stellvertreter an der Küste, Freiherr von Gravenreuth, nicht nur eine zur Sicherung der Stationen erforderliche Truppenzahl zur Verfügung behielt, sondern auch gegebenen Falls ein Expeditionskorps bis zur Stärke von 200 Mann formieren konnte, ohne daß deshalb die Stationen entblößt werden mußten. Hierzu kam noch, daß an der Küste selbst ja im äußersten Falle die Kriegsschiffe helfend eingreifen konnten.
Das Korps, welches der Reichskommissar mit sich nahm, bestand aus 3 Kompagnien, (1 Sudanesen- und 2 Zulukompagnien), einer Askaritruppe und der Artillerieabteilung (1 Maxim-Gun und ein 4,7 cm Geschütz); im ganzen waren es 25 Europäer und 550 Mann.
Die Führung des ganzen Expeditionskorps hatte Chef von Zelewski, der Sudanesen Lieutenant End, der Zulus Lieutenant Ramsay und von Medem, der Artillerie Lieutenant Böhlau, der Askaris Deckoffizier Illich. Ferner nahmen Teil Dr. Bumiller als Adjutant des Reichskommissars, und als Gast Wißmanns Herr Otto Ehlers, bekannt durch seine Reise nach dem Kilimandscharo und als Führer der vom Dschaggahäuptling Mandara an Se. Majestät den deutschen Kaiser geschickten Gesandtschaft.
Verfasser selbst hatte in der ersten Zeit die Waniamuesi-Karawane mit einem Teile der Soldaten zu führen. Es erschien wohl möglich, daß diese Karawane unterwegs von Buschiri angegriffen würde. Die Söhne Uniamuesis waren wegen der uns geleisteten Dienste den Rebellen verhaßt und sie führten große Reichtümer mit sich.
Die Fürsorge für die Träger und die Lasten, wie das ganze Verpflegungswesen war Lieutenant Blümcke übertragen. Die Trägerkolonne bestand, da wir uns nur auf die Mitnahme des Proviants und der notwendigsten Tauschartikel und Geschenke beschränkten, trotz der großen Anzahl von Europäern und Truppen, aus nur 100 Mann, meist Leute von der Küste nebst einer Anzahl Wassukuma aus der oben bereits erwähnten Karawane, deren Zutrauen wir uns so schnell zu verschaffen gewußt hatten, daß sich ein Teil von ihnen willig zu Trägern für uns hergab.
Da vor dem Aufbruch der Expedition gemeldet wurde, daß etwas seitlich von der Karawanenstraße bei Pangiri sich ein Rebellenlager befinde, wohin sich die vereinigten Jumbes von Bagamoyo gezogen haben sollten, beschloß Wißmann zunächst dorthin zu marschieren und die Aufständischen zu vertreiben. Wie erwähnt, gab er dem Verfasser den Auftrag am Tage nach seinem Abmarsch mit der ganzen Waniamuesi-Karawane und den Trägern auf der großen Karawanenstraße vorzugehen, bis er wieder zum Gros stieße, was spätestens in Gerengere der Fall sein würde.
In Gemäßheit dieses Befehls setzten wir am ersten Marschtage in Böten über den Kingani, woselbst Lieutenant Sulzer einen befestigten Posten kommandierte. Daß die Karawane nur außerordentlich langsam vorwärts kam, ist bei der großen Masse von Weibern und Kindern und besonders bei den ungewöhnlich großen Lasten, die jeder einzelne zu schleppen hatte, leicht begreiflich. Hatten doch die Waniamuesi durch ihre Teilnahme am Kampfe gegen die Rebellen und an den Befestigungsarbeiten in den Küstenplätzen Gelegenheit gehabt, mehr als gewöhnlich zu verdienen, und so natürlich auch mehr eingekauft als sonst. Von einer Ordnung war überhaupt keine Rede, und es wäre verlorene Mühe gewesen, hieran irgendwie etwas ändern zu wollen, wenn wir nur unsern Zweck, die Karawane vor feindlichen Überfällen zu schützen, erreichten.
Aus Furcht vor einem Angriff Buschiris hielten sich die Waniamuesi in den ersten Marschtagen, als wir uns noch nicht mit der Expedition des Reichskommissars vereinigt hatten, stets möglichst dicht hinter dem deutschen Teil der Expedition, welcher die Begleitmannschaft und unsere Träger umfaßte. In Mtoni am Kingani verabschiedete sich Verfasser vom Lieutenant Sulzer. Nachdem wir die links vom Flusse sich hinziehende durch ihren Reichtum an Giraffen und Antilopen zur Jagd verlockende Ebene passiert hatten, langten wir in Mbuyuni, dem dortigen Hauptplatze der Wadoës an. Da diese sich am Aufstande beteiligt hatten, ihnen sogar nachgesagt wurde, daß sie drei von der Marine während des Kampfes desertierte Matrosen gefangen genommen und aufgezehrt hätten, — was dahin zu berichtigen ist, daß sie allerdings, ihrer alten kannibalischen Sitte folgend, den Leichnam eines jener drei von andern Aufständischen ermordeten und in den Fluß geworfenen Fahnenflüchtigen herausgefischt und verspeist hatten, — so war es von vorn herein nicht gewiß, wie sich die zu passierenden Wadoë-Dörfer zu unserer Expedition stellen würden.