Unterdes hatten die aufständischen Jumbes es ihrerseits nicht an Bemühungen fehlen lassen, den mächtigen Häuptling auf ihre Seite zu bringen, obwohl sie ja allerdings, wie oben erwähnt, durch sein ablehnendes Verhalten genötigt worden waren, nach Süden auszubiegen. Von ihrem neuen Lager aus schickten sie einen Brief an Kingo. Sie hofften ihn zu bewegen, mit ihnen gemeinsam die Waniamuesi-Karawane, welche sehr langsam marschierte und noch hinter uns zurück war, oder, wenn sie wieder mit uns vereinigt wäre, die gesamte Expedition auf dem Marsche von Makata nach Comberingha an einem der nächsten Tage zu überfallen. Sie glaubten besonders durch den Hinweis auf die wertvollen Lasten der Karawane die Gewinnsucht Kingos zu reizen und ihn dadurch dem vorgeschlagenen Unternehmen geneigt zu machen.
Wißmann hatte es jedoch, wie immer bei den Eingeborenen, verstanden, das Vertrauen des Häuptlings derartig zu gewinnen, daß dieser nach Empfang des Briefes nichts Eiligeres zu thun hatte, als ihn dem Reichskommissar zu übergeben und ihn so von dem Anschlage in Kenntnis zu setzen.
Es war dies am 3. September Abends. Infolgedessen erteilte Wißmann mir den Auftrag mit der Zulukompagnie von Medem und einer halben Kompagnie Sudanesen, geführt von ortskundigen Eingeborenen, welche Kingo uns zur Verfügung stellte, gegen die Aufständischen vorzugehen. Ich fand diese nach ununterbrochenem Marsche in den Mittagsstunden des 4. September in der Nähe von Somwi, wo sie ihr Lager aufgeschlagen hatten. Sie wurden sofort aus ihrer ersten Position geworfen, hielten uns aber, als wir in dem sehr coupierten Terrain weiter vorgingen, noch einmal in einer Bergmulde stand. Hier entspann sich ein heftiges Feuergefecht.
Meine Abteilung bis auf einen Zug Sudanesen, den ich die hinter uns gelegenen Hügel hatte besetzen lassen, hatte ich völlig entwickelt, und so lagen wir uns in langen Linien an einem sich unregelmäßig durch das Gelände hinziehenden Graben, der ein natürliches Hindernis bildete, auf nur 20 Schritt gegenüber.
Der hohe Gras- und Dornenwuchs gestattete wenig Einsicht in das Terrain, in welchem sich der Gegner festgesetzt hatte, doch schien er nach einer Reihe von Salven, die er zuerst ebenfalls mit einem heftigen Schnellfeuer erwiderte, erschüttert, und als wir nun mit Marsch-Marsch über das Hindernis vorgingen, zwangen wir ihn zu einer regellosen Flucht ins Gebirge, das uns leider nur eine kurze Verfolgung gestattete.
In dem Gefechte waren auf gegnerischer Seite etwa 30 Mann gefallen und viele verwundet worden. Wir hatten einen Zulu tot und drei schwerverwundete Farbige; Verfasser selbst hatte einen leichten Streifschuß am Oberschenkel und Herr Ehlers, der sich freiwillig angeschlossen hatte, konnte von großem Glück sagen, daß ihm eine gutgemeinte Kugel zwischen den Strümpfen und der Stiefelsohle stecken geblieben war.
Wir hatten auch drei Gefangene gemacht. Dieselben unternahmen, als wir nach der Rückkehr von der Verfolgung gerade mit dem Verbinden der Verwundeten und dem Bestatten des Gefallenen beschäftigt waren, einen Fluchtversuch und wurden dabei von den sie bewachenden Zulus, ehe es Verfasser hindere konnte, mit den Messern niedergestochen. Das Dorf Somwi, aus welchem ebenfalls auf uns geschossen war, wurde geplündert und niedergebrannt.
Als wir nach diesem Gefecht bei Somwi etwas gerastet hatten, wurde dem vorher erteilten Befehl Wißmanns gemäß sofort der Rückmarsch nach Morogro angetreten. Diesem hatte Verfasser durch einen Boten seinen Erfolg gemeldet und zugleich mitgeteilt, daß wir Verwundete mit uns führten. Infolgedessen schickte uns der Reichskommissar den die Expedition begleitenden Lazarettgehülfen Grucza unter Bedeckung bis in die Gegend von Simbamueno entgegen, wo die Schwerverwundeten einen regelrechten Verband erhielten. Kurz vor dem Anbruch des 5. September traf ich wieder im Lager ein, in dessen unmittelbarer Nähe eine Abteilung unter Lieutenant Ramsay inzwischen die Waniamuesi, für welche Wißmann Besorgnisse hegte, ein Lager hatte beziehen lassen. Nachdem Wißmann uns am 5. September einen Rasttag gegönnt hatte, damit wir uns von den Anstrengungen des Unternehmens gegen Somwi erholen konnten, wurde am 6. der Weitermarsch angetreten.
Bis Mpapua hin war der Marsch ein durchaus friedlicher. Er führte zunächst über den Makata-Fluß und durch die Makata-Ebene nach Longa. Hier befand sich ebenfalls eine französische Missionsstation, die seit wenigen Tagen wieder von den Missionaren bewohnt wurde. Der einzige Platz, in dem die Verhältnisse noch manches zu wünschen übrig ließen, war Kondoa. Das arabische Element hatte hier die Oberhand und hier war die Heimat eines Teils der Buschirischen Rebellen. Da indes die meisten, welche wirklich am Aufstande Teil genommen hatten, entflohen waren, andererseits die Missionare den Reichskommissar baten, die zurückgebliebenen Araber zu schonen, und da endlich Wißmann selbst Bedenken trug, eine so reiche und für die Karawanenstraße so überaus wichtige Ortschaft zu zerstören, wurde auch Kondoa, wie das gesamte durch Usagara sich hinziehende Mukondogua-Thal friedlich durchzogen. Freilich sind die Bewohner Kondoas, obwohl sie so gut davonkamen, nie ganz zuverlässig gewesen, nur die Furcht vor unserem Einschreiten hat sie im Zaume gehalten, so lange wir den Erfolg auf unserer Seite hatten. Erst in der neueren Zeit, nach der Katastrophe in Uhehe, hat der widerauftauchende Übermut der Araber und Belutschen zu Kondoa den durchziehenden Europäern und den Missionaren Grund zu heftigen Klagen gegeben.
Ein Tagemarsch hinter Kondoa brachte uns nach Muinisagara, wo die Tochter des alten, bereits früher erwähnten Muinisagara, denselben Namen führend, residierte. Bei dem Vorbeimarsch sahen wir die Reste der früheren Gesellschaftsstation Kiora, welche schon ein Jahr vor dem Aufstand, ebenso wie das nördlich gelegene Sima, von den Wasagara zerstört war. Verfasser benutzte mit einem Teile der Kameraden den Aufenthalt in Muinisagara, auch Sima und das Grab des früheren Vorstehers der Station, des Gärtners Schmidt, zu besuchen, welcher ihn im Jahre 1885 gastlich daselbst aufgenommen hatte.