Das zweite Anerbieten machte Stanley im Namen des Königs der Belgier. Emin sollte, falls er es vorzöge, in seiner Provinz zu bleiben, seine Dienste dem Kongostaat widmen und sein Land als Vorposten dieses Staates gegen den Sudan halten. Als Verwaltungskosten wollte der Kongostaat hierfür jährlich circa 240000 Mark aufwenden. Dem Pascha, welchem die Stellung eines Generalgouverneurs mit dem Range eines belgischen Generals angeboten wurde, wurde ein Jahresgehalt von 1500 Pfd. St. ausgesetzt.
Das dritte Anerbieten, von dem Stanley allerdings behauptete, daß er zu demselben nicht direkt ermächtigt sei, sondern daß er es nur mache in der Absicht, dem Pascha zu helfen und in der zuversichtlichen Erwartung, daß seine Abmachungen vom Comité und der englisch-ostafrikanischen Gesellschaft genehmigt würden, zielte auf folgendes ab: Wenn die Soldaten sich weigern sollten, nach Egypten zurückzukehren, so sollte Emin die zuverlässigsten unter ihnen nach der Nordost-Ecke des Viktoria-Nyanza führen und dort eine feste Station für die englisch-ostafrikanische Gesellschaft begründen. Stanley würde mit seiner Expedition selbst die Station vollenden helfen, die Munition und mitgenommenen Vorräte dorthin bringen lassen und erst dann mit seiner Hilfsexpedition den Pascha verlassen, wenn dessen Stellung eine gesicherte sei. Der Pascha sollte ein gutes Jahresgehalt von der Gesellschaft beziehen und als Gouverneur das Netz der Stationen vom Viktoriasee nach Mombassa hin vorschieben, während andererseits der Vertreter zu Mombassa durch Vordringen von der Küste aus dem Pascha in die Hände arbeiten würde.
Die Lage Emins diesen Vorschlägen gegenüber war keine leichte. Seine Hoffnungen auf genügende Unterstützung durch die Stanleysche Expedition waren zerstört, ein Verbleiben in der Provinz mit den vorhandenen Kräften legte nach dem Ferman des Khedive dem Pascha allein alle Verantwortung für jetzt und die Zukunft auf die Schultern, die Disziplin der Truppen, ohnehin erschüttert, war durch das Erscheinen der Stanleyleute in ihrem kläglichen Zustande noch mehr in Frage gestellt.
Wenn ein Teil der Truppen geneigt schien, dem Schreiben des Khedive Glauben zu schenken und mit Stanley abzuziehen, so standen diesen mindestens ebensoviel Stimmen gegenüber, welche von Verrath, Verkauf an England u. dergl. mehr sprachen. Immer aber blieb die Verantwortung allein dem Pascha überlassen. Es kann nicht Wunder nehmen, wenn unter solchen Verhältnissen eine definitive, einheitliche Entscheidung unmöglich schien, wenn eine anscheinend unverhältnismäßige Zeit im Parlamentieren verstrich. Dem Pascha kann man daher auch nicht ganz Unrecht geben, wenn er den Ausbruch der bekannten Militärrebellion lediglich auf diesen Zwiespalt der Meinungen innerhalb seiner Truppen zurückführt, da er eben eine Macht auf dieselben nicht mehr hatte. Der weitere Verlauf ist bekannt.
Ende Januar 1889 kamen Boten von Stanley an mit der Nachricht seiner Ankunft am Südwestufer des Albert Nyanza. In den Briefen an den Pascha und Jephson machte Stanley insbesondere Jephson heftige Vorwürfe, daß dieser weder allein noch mit Emin nach Cavalli gekommen sei, um dort von der endgültigen Entscheidung Emins Mitteilung zu machen, wie auch, daß jener nicht, wie verabredet, Soldaten und Lebensmittel für den Küstenmarsch in Cavalli vereinigt habe. In Anbetracht der Verhältnisse wie der inzwischen erfolgten Gefangennahme waren diese Vorwürfe natürlich durchaus unbegründet, da dem Pascha jede Aktionsfreiheit genommen war und ihm wohl nicht die Möglichkeit offen stand, willkürlich seinen Aufenthaltsort von Tunguru nach Cavalli zu verlegen.
Alles, was die Stanleysche Expedition dem Pascha jetzt zuführen konnte, waren 30 Kisten Remington-Patronen und ein großer Teil egyptischer, durch den Transport schlecht gewordener Uniformen. Die Lage der Äquatorialprovinz war natürlich hierdurch um nichts geändert.
Nachdem Stanley Kenntnis von den Vorfällen in der Provinz während der Zeit seiner Abwesenheit erhalten hatte, wäre es, so ist häufig behauptet worden, seine Pflicht gewesen, Emin Pascha in seiner Provinz aufzusuchen und hätte er sich nicht darauf beschränken dürfen, Jephson den Befehl zu schicken, ins Lager der Hilfsexpedition zu kommen, und dem Pascha anheimzugeben, falls er nach Egypten zurückkehren wolle, mit den ihm gleich Gesinnten in spätestens 20 Tagen nach Cavalli zu marschieren. Ob Stanley richtig gehandelt hat oder nicht, ist schwer zu entscheiden. Es ist sehr wohl möglich, daß wenn er nach den andern Stationen der Provinz geeilt wäre, sich durch das Erscheinen seiner Expedition bei der Unzuverlässigkeit und der offenen Feindseligkeit vieler Offiziere die Lage noch verworrener gestaltet hätte, als sie ohnehin schon war.
Ein Teil der Aufständischen in der Provinz, namentlich der Egypter, welche die Absicht hatten, in ihre Heimat zurückzukehren, wandte sich jetzt an den Pascha mit der Bitte, zwischen ihnen und Stanley zu vermitteln. Infolgedessen wurden die zur Rückkehr bereiten Mannschaften im Stanleyschen Lager vereinigt.
Der Tag des Abmarsches wurde endlich nach vielem Hin- und Herdebattieren endgültig auf den 10. April 1889 festgesetzt und so befand sich Emin in dem moralischen Zwange, entweder Stanley unbedingt zu folgen mit einem Teil seiner Leute oder aber hier zu bleiben und dadurch dem andern Teil gegenüber wortbrüchig zu erscheinen.
Der Pascha empfand diese Zwangslage sehr bitter, und es erschien ihm persönlich trotz der Rebellion gegen ihn als eine Untreue gegen die Zurückbleibenden, wenn er Stanleys Vorschlag annahm. Er entschied sich erst, als das fast einstimmige Urteil der Europäer und seiner um ihn versammelten Offiziere ihn über seine Gewissensbisse beruhigte. Der Einzige, welcher jetzt gegen den Entschluß des Aufbruchs sich aussprach, war Casati. Die Gründe aber, die er selbst in seinem Buch angiebt, können nicht als stichhaltige anerkannt werden.