So brach denn nun am 10. April die Expedition auf. Von Seiten des Pascha kamen hinzu 182 Männer und 369 Frauen und Kinder, die nach Egypten zurückkehrten und insgesamt 397 Lasten mit sich führten. Eine größere Anzahl von Trägern war aus der Äquatorialprovinz gestellt. —
Nach dieser notwendigen Abschweifung wenden wir uns wieder nach Mpapua zurück.
Es wurde bereits unserer Dyssenteriekranken zu Mpapua Erwähnung gethan. Die Ankunft der Stanleyschen Expedition brachte uns Gelegenheit, die schwer erkrankten Patienten, besonders den Lieutenant v. Medem und den Unteroffizier Kröhnke sachverständiger zu behandeln, als es bis dahin hatte geschehen können.
Emin Pascha und Dr. Parke nahmen sich sofort in der hilfsbereitesten Weise der Kranken an. Der Pascha, dessen erster Gang gleich dem gerade damals in der bedenklichsten Weise kranken von Medem galt, traf persönlich alle Anordnungen und belehrte mich und besonders den in Mpapua zurückbleibenden Feldwebel Hoffmann über die richtige Behandlung der Dyssenterie. Unsere eigene Methode war ebenso, wie die der englischen Missionare, eine ganz verkehrte gewesen. Wir hatten das Hauptmittel gegen diese Krankheit, Ipecacuana, in großen statt in kleinen Dosen angewandt, so daß es nicht als Stopfmittel, sondern als Brechmittel wirkte, wie es unter Umständen beim Fieber angewandt wird.
Es ist besonders anzuerkennen, daß Stanley sofort und gern sich bereit erklärte, den Weitermarsch seiner Expedition im Interesse der gefährlich erkrankten Deutschen der Station so lange aufzuschieben, bis eine merkliche Besserung in dem Befinden derselben eingetreten und begründete Aussicht auf vollkommene Genesung der Patienten vorhanden sei.
Beim Aufbruch der Expedition war Lieutenant von Medem bedeutend gestärkt und auf dem Wege der Besserung, Kröhnke konnte bereits ausgehen und der Verfasser, der am leichtesten erkrankt war, war vollkommen marschfähig.
Allerdings bekam ich unterwegs noch einen Rückfall, von dem mich aber ein vom Pascha und den französischen Missionaren empfohlenes Radikalmittel, zweimalige Anwendung eines Klystirs von Karbollösung (15 Tropfen Karbolsäure auf 1/2 l Wasser) schnell und vollkommen wieder herstellte.
Leider bekam auch von Medem etwa 14 Tage später, nachdem er bis dahin in erfreulicher Besserung gewesen war, einen Rückfall. Die angewandten Mittel halfen nichts mehr, und er erlag der Krankheit, im Innern Afrikas das erste Opfer unter den Europäern der Wißmannschen Schutztruppe. Diese hatte in ihm einen verdienten energischen Offizier und das Offizierkorps derselben einen der besten Kameraden zu betrauern.
Während der Rasttage der Expedition zu Mpapua standen alle europäischen Mitglieder derselben, gleichviel ob Engländer, Italiener, Franzosen oder Deutsche, in ungezwungenstem geselligen Verkehr mit der Station. Wir boten ihnen Gelegenheit, sich die Station, die Soldaten beim Exerzieren, bei ihren Nationaltänzen, bei der Arbeit u. s. w. anzusehen und ernteten einstimmiges Lob.
Am 13. November früh fand der Aufbruch von Mpapua zur Küste statt. Da es mir oblag, die Expedition durch das deutsche Gebiet nach der Küste zu führen, in der Vertretung des Reichskommissars die Interessen der Eingeborenen, unserer Schützlinge, im Auge zu haben und gleichzeitig der Expedition Stanleys auf jede mögliche Weise Vorschub zu leisten, so brach ich mit zehn Sudanesen und drei Trägern für mein Gepäck, Zelt, Kochgeschirr u. s. w., an der Tête der ganzen Kolonne, selbstverständlich unter deutscher Flagge, auf und behielt folgende Marschordnung bis zur Küste bei. Hinter meinen Leuten folgte in der Regel Casati, der mich, nachdem er in Mpapua in freundschaftlichen Verkehr mit mir getreten war, gebeten hatte, vorn bei meiner Expedition marschieren und der deutschen Flagge als der Flagge einer befreundeten Nation folgen zu dürfen. Hinter diesem fanden sich dann in der Regel einige Weiber aus der Karawane der Eminschen Offiziere und Beamten ein, darunter einige wirklich hübsche, ziemlich hellfarbige Gesichter. Dann folgte die kleine Karawane der französischen Missionare, hierauf Stanley mit Emin und seiner Expedition in der früher bereits erwähnten, von ihm gewöhnlich befolgten Marschordnung. Später schlossen sich dann mir von Usagara an in jedem Dorfe noch eine Menge Eingeborene an, da der Weg damals noch nicht als ganz sicher nach der Küste galt und sie die Macht der nach Bagamoyo rückenden Expedition zu ihrem eigenen Schutze benutzen wollten. Diese kleinen, von den verschiedenen Dörfern Usagaras und Ukamis mitziehenden Karawanen, die sämtlich kleine deutsche Karawanenflaggen mit sich führten, verstärkten die Expedition im ganzen um über 1200 Mann.