Ich suchte dem erhaltenen Befehle gemäß so schnell wie möglich die für die Expedition nötigen Träger anzuwerben, kaufte die im Inlande gangbaren Tauschartikel ein, verpackte sie in Lasten und war 5 Tage nach meiner Ankunft in Sansibar so weit, daß ich nach Bagamoyo, dem Anfangspunkt meiner Expedition auf dem Festland überfahren konnte. Es war für mich notwendig, die Zahl der für die Expedition nötigen Träger auf ein Minimum zu reduzieren, da Said Bargasch, der damalige Sultan von Sansibar, uns die Anwerbung der Leute, wie überhaupt die Expedition in jeder Weise zu erschweren suchte. Ich sah mich genötigt, nachdem es mir gelungen war, 70 Träger anzuwerben, auch unsere eigenen Bedürfnisse sehr zu beschränken und für diese Trägerzahl die Verpackung der nötigsten Lasten einzurichten. Von der sonst bei einer Expedition üblichen Mitnahme von Karawanen-Askari (Soldaten) mußte ich Abstand nehmen, weil mir die Anwerbung solcher, wenn sie einigermaßen zuverlässig sein sollten, unmöglich war. Meiner Expedition war der 3 Monate vor mir in Ostafrika angelangte Kaufmann Söhnge zugeteilt worden. Von den Schwarzen sind zu erwähnen: der Hetmann der Karawane, der Komorenneger Ramassan, ferner 2 sansibaritische Waniampara (Unterführer) — alle drei mit Gewehren bewaffnet. Im übrigen bestand die Expedition außer unseren schwarzen Dienern nur noch aus sansibaritischem Trägerpersonal. Beim Aufbruch war für mich die größte Eile geboten, schon aus dem Grunde um, bevor das Ziel der Reise bekannt geworden war, Aufhetzungen des Sultans in Usaramo vorzubeugen. Der Sultan konnte uns nicht nur in Sansibar an der Anwerbung der Träger und der Zusammenstellung der Expedition aufs äußerste hinderlich sein, sondern auch im Innern. Hier besaß er zwar an den meisten Plätzen nicht eine direkte Macht, aber doch einen großen moralischen Einfluß, wie sich dies bei mehreren deutschen Expeditionen, z. B. in Usambara gezeigt hat, wo von Said Bargasch die entsprechenden Empfehlungen vorausgeschickt wurden. Durch meinen schnellen Aufbruch indes, und da der Sultan über den Zweck meiner Reise sich im Unklaren befand, die Expedition auch so angelegt war, als ob sie direkt nach Usagara marschierte, welches sich ja bereits in deutschem Besitz befand, wurden wir vor Schädigungen bewahrt.

So war es mir möglich, im ganzen 7 Tage nach meiner Ankunft in Sansibar, von Bagamoyo aus abzurücken, von wo ich zunächst südlich nach Bueni marschierte, um von hier aus den kleinen von Pangani nach Kutu führenden Karawanenweg bis an den Kingani nach Dundanguru einzuschlagen. Auch hier war es wieder mein Bestreben, möglichst schnell vorwärts zu kommen, um nach dem Bekanntwerden meiner Route in Bagamoyo und Sansibar durch die Schnelligkeit des Marsches mich dem Einfluß der Küstenmachthaber zu entziehen. In der That wurde auch die Expedition zunächst von den Eingeborenen überall freundlich aufgenommen, die damals trotz der großen Nähe der Küste Europäer noch gar nicht gesehen hatten, weil diese nur in ganz vereinzelten Ausnahmefällen bislang das Land seitlich der großen Karawanenstraße betreten hatten. Es bildete sich fast überall ein ganz friedlicher Verkehr mit der Bevölkerung heraus, und dieselbe war in der Regel leicht dazu zu bewegen, die Verträge, deren Abschließung der alleinige Zweck der Expedition war, mit uns einzugehen. Wie schon ganz im Eingang erwähnt worden, sind ja diese Verträge sowohl in Deutschland wie im Ausland auf das heftigste angegriffen und verspottet worden. Das Letztere vielleicht mit einem gewissen Recht; denn es konnte sich ja niemand verhehlen, daß der faktische Wert derselben gering war, da die eingeborenen Häuptlinge sich sehr selten, obgleich es ihnen auseinander gesetzt wurde, dessen, was sie mit einigen Krähenfüßen unterschrieben, voll bewußt waren und sie zumeist auch gegen reiche Geschenke in der augenblicklichen Laune waren, alles Mögliche was man von ihnen verlangte, abzutreten, ohne an das Bindende solcher Zugeständnisse für die Zukunft zu denken. Andererseits repräsentierte auch die zweite Vertrag schließende Partei, die ostafrikanische Gesellschaft, damals nur eine geringe Macht und bedurfte dringend des Rückhalts an der Reichsregierung.

Nichtsdestoweniger haben die Verträge ihren Zweck vollkommen erfüllt, da infolge der ungeordneten innerafrikanischen Zustände und infolge der zivilisatorischen und humanitären Verpflichtungen, die wir den auf der tiefsten Kulturstufe stehenden Negern gegenüber zu übernehmen willens waren, die staatsrechtliche Grundlage für die spätere Abgrenzung unserer Interessensphäre durch sie gegeben wurde.

Fand ich nun in der ersten Zeit überall eine gute Aufnahme und volles Entgegenkommen seitens der Eingeborenen auf meiner Expedition, so blieb doch die Aufhetzung des Sultans von Sansibar nicht ohne Erfolg. Denn diejenigen in der Expedition, auf die ich am meisten angewiesen war und von denen der Erfolg derselben abhing, die Träger, warteten nur auf die Gelegenheit, mich während des Marsches im Stich zu lassen und thaten dies auch gleich während der ersten Tage nach meinem Aufbruch von der Küste.

Wie sehr der Sultan auf die Träger einzuwirken im Stande gewesen war, konnte ich daraus ersehen, daß dem treu zu mir haltenden Dolmetscher Ramassan öfters von den Sansibariten gedroht wurde, ihn beim Sultan zu denunzieren, weil er auf Kosten der Interessen des Sultans unsere Bestrebungen zu sehr fördere. Ramassan schwebte daher auch in steter Angst vor der Strafe des Sultans.

Durch das Entgegenkommen der eingeborenen Jumbes oder Pasi, wie sie in Usaramo genannt werden, ist es mir zunächst immer gelungen, die notwendige Zahl von Aushilfeträgern zu erhalten. Doch sah ich mich wegen der steten Zunahme von Desertion der Träger in Dundanguru veranlaßt, zu einem andern Auskunftsmittel zu greifen, da von hier an die Wasaramo nicht mehr willens waren, mir auf meiner nach Süden nach dem Rufidji abbiegenden Route bis an die Grenze der gefürchteten Mahenge zu folgen.

Ich erklärte meinen Trägern, daß, wer nicht weiter mit mir ziehen wollte, die Erlaubnis habe nach Sansibar zurückzukehren, da ich nur solche Leute, die mir freiwillig und gern folgen würden, mit mir zu nehmen wünsche. In Sansibar würde ich die Bestrafung der Davongelaufenen durch Vermittlung des deutschen Konsulats herbeiführen, dagegen die mir während der ganzen Expedition treu bleibenden Träger über meine Verpflichtung hinaus belohnen. So behielt ich nicht ganz 30 Mann bei mir.

Es war mir ganz Unmöglich, mit diesen die Lasten der Karawane weiterzutransportieren. Daher erteilte ich dem Kaufmann Söhnge den Auftrag, am Kingani ein provisorisches Lager zu beziehen und so gut es ging, zu befestigen, während ich selbst mit den für die Dauer eines Monats notwendigen Tauschwaren, die ich in sehr leichte Lasten verpackt hatte, mit 13 Trägern den Marsch nach Süden fortsetzte. Die übrigen Träger ließ ich Herrn Söhnge zur Bewachung und Einrichtung des Lagers.

Ich durchzog nun allein das Land direkt nach Süden bis zum Rufidji verfolgte diesen drei Tagereisen östlich und marschierte dann nach Nordwest zurück, um wieder zum übrigen Teil meiner Expedition am Kingani zu stoßen.

Ich fand bei den Häuptlingen des südlichen Usaramo nicht dasselbe Entgegenkommen wie im nördlichen Teil und wurde überall mißtrauisch aufgenommen; es gelang mir jedoch auch hier, wenn auch nicht mit derselben Leichtigkeit wie vordem, die gewünschten Verträge, 25 an der Zahl, abzuschließen.