Die ständige Bevölkerung der Stadt dürfte etwa 15000 Seelen betragen, zu denen jedoch meist etwa 2-3000 gerade in Bagamoyo anwesende Träger, Waniamuesi oder Wassukuma, — häufig bedeutend mehr, — hinzukamen. So bildete Bagamoyo naturgemäß den Hauptkernpunkt des ganzen Aufstandes. Sein Name war bis in das tiefste Innere hinein bekannt. Der Begriff von Reichtum und Macht war mit ihm für jeden Neger unauflöslich verbunden. Es mußte daher natürlich die Hauptaufgabe des Reichskommissariats sein, diese Stadt dauernd in den deutschen Besitz zu bringen und vor jeder weiteren Berührung mit dem Aufstand ein für allemal zu schützen. Die Anlage der Station Bagamoyo wurde von vornherein in großartigem Maßstabe begonnen und durchgeführt. Zum eigentlichen Fort wurde ein umfangreiches, starkes Gebäude umgebaut, welches dem Inder Sewa Hadji gehörte, mit der Front nach dem Meere zu gelegen und nur durch einen etwa 300 Schritt breiten Raum davon getrennt. Ein aufgesetztes Stockwerk und ein angebauter Flügel gewährten Raum für die Unterbringung von Offizieren, Unteroffizieren und Bureaus. Um das Gebäude herum, teilweise daran sich anlehnend, zog sich eine starke Umfassungsmauer mit Eckbastionen; im Innern lehnten sich an diese Umfassungsmauer massive Wohnräume für die Besatzung. Die vordere Eckbastion des Forts bestrich mit ihren Geschützen die ganze Hauptstraße von Bagamoyo, wie denn überhaupt die Stadt unter das Feuer des Forts genommen werden konnte. Neben dem Hauptfort erhob sich am entgegengesetzten Ende der Stadt die sogenannte Zulukaserne, ein ebenfalls festes Steinhaus, in welchem das Expeditionskorps kasernierte.
Noch weiter nach Nordwesten war gegen die französische Mission hin der sogenannte Dundaposten, in einem kleinen kugelsicheren Steinhaus untergebracht.
Jedes einzelne der genannten Gebäude war mit einem starken Stacheldrahtzaun umgeben, das Schußfeld durch Rasieren der Bäume und Sträucher frei gemacht. Um eine noch größere Sicherheit für die gesamte Stadt herbeizuführen, hatte man in der ersten Zeit, als die Scharen Buschiris noch überall in der Nähe waren, die ganze Stadt mit einem Stacheldrahtzaun als erstes Hindernis gegen die Annäherung umgeben. Bagamoyo war ebenso wie alle anderen noch zu erwähnenden größeren Stationen für unsere afrikanischen Gegner durchaus uneinnehmbar.
Die Wichtigkeit des Platzes erforderte jedoch, daß auch der weitere Umkreis, besonders die dorthinführenden Straßen dauernd in unsern Machtbereich gebracht wurden. Eine Menge Karawanen waren bei Ausbruch des Aufstandes mit ihren Elfenbeinschätzen, mit Gewehren und Munition aus dem Innern nach Bagamoyo unterwegs. Es mußte dafür gesorgt werden, daß diese Karawanen den Aufständischen nicht in die Hände fielen und ihre Macht durch gangbare Werte und Waffen unterstützten.
Der Reichskommissar beschloß daher von Anfang an auch die weitere Umgebung durch Posten zu sichern. Als wesentlichsten dieser Posten führen wir hier Mtoni an. Mtoni liegt an der Stelle, nur etwa 6 Stunden von Bagamoyo entfernt, wo die Karawanen den Kingani-Fluß zu überschreiten haben, und wäre dies für die Aufständischen der geeignetste Punkt für Angriffe gewesen. Hier wurde daher in einem aus Wellblech erbauten, durch Erdbewurf und Stacheldraht geschützten Hause ein Posten von 12 Sudanesen unter einem weißen Offizier und einem Unteroffizier untergebracht, welcher für den Schutz des Überganges vollkommen ausreichte. Um das früher übliche, zeitraubende Übersetzen der Karawane durch einen Einbaum (Eingeborenen-Canoe) aus der Welt zu schaffen, stellte der Reichskommissar ein großes Stahlboot zur Verfügung.
Von ausschlaggebender Bedeutung jedoch für die Sicherung der Karawanenstraße und die Erhaltung des Handels von Bagamoyo war die Station Mpapua. Wir haben bereits bei der Expedition nach Mpapua einige Streiflichter auf die Wichtigkeit des Punktes in strategischer Rücksicht geworfen. Mpapua bildet aber, und dies ist von ungleich größerer Bedeutung, den Hauptknotenpunkt aller Karawanenstraßen, welche aus dem Seengebiet zur Küste führen. Alle die vom ganzen Gebiet des Tanganjika über Tabora laufenden und dann nach verschiedenen Richtungen sich teilenden Karawanenwege vereinigen sich wieder in Mpapua. Auch die vom Südufer des Viktoria Nyanza und von der Westküste desselben aus Uganda, Unioro, Karagwe kommenden Karawanen wählen den Weg über Mpapua. Die Sicherung dieses Punktes war daher von der allergrößten Bedeutung. Daß Buschiri seine Wichtigkeit erkannt hatte, beweist sein Überfall der Station der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft.
Abgesehen von der Sicherung des Karawanenweges diente die Station aber auch zum Schutze der fruchtbaren und reichen Thäler von Inner-Usagara und bildete auf der andern Seite für Ugogo, das berüchtigte Räuberland im Westen, und für die Massais im Norden, sowie für Uhehe im Süden eine Kräftigung unseres Ansehens.
Bei den damals vorhandenen Machtmitteln war die Begründung der Station Mpapua mit ihrer starken Besatzung ein erfreulicher, nach den damaligen Verhältnissen genügender Schritt zur Sicherung eines Küstenstreifens von mehr als 300 km Breite. Es war dies eine Aufgabe, deren Lösung durch Wißmann als ein Meisterstück richtiger strategischer Einsicht angesehen werden muß, denn die Besetzung von Mpapua und die Errichtung des Forts daselbst ist thatsächlich der erste Schritt zu einer wirklichen Beherrschung unseres Gebietes.
Zum Interessenbereich von Bagamoyo gehört ferner noch die kleine Station Bueni mit einer Besatzung von durchschnittlich 20 Sudanesen. Sie bildete gleichzeitig einen Beobachtungsposten für den südlich gelegenen Platz Kondutschi, von dem aus ein schwungvoller Schmuggelhandel sowie Sklavenausfuhr stattfand. Endlich ist dahin zu rechnen der kleine Beobachtungsposten bei Mandera, welcher hauptsächlich dem Schutz der dortigen Missionsstation bei den Wadoës diente.
Den südlichen Teil von Usaramo deckte als Hauptstation Daressalam mit einer Besatzung von 60-70 Sudanesen und einem kleinen Posten am Hafeneingang. Bei der größeren Sicherheit, welche in diesem vom Aufstand erst später und in geringerem Maße berührten Teile Usaramos geherrscht hatte, schien es unnötig, weitere befestigte Stationen hier anzulegen.