In Usegua indes schien stärkere Machtentfaltung durchaus geboten und die eigenartige Stellung, welche Bana Heri den Eingeborenen gegenüber einnahm, ließ ihn als einen gefährlicheren Gegner erscheinen, denn Buschiri selbst. Es lag in der ursprünglichen Absicht des Reichskommissars nach der mehrfachen Beschießung von Sadani die Stadt ganz vom Erdboden zu vertilgen und die Handelsbeziehungen nach Mkwadja, nördlich von Sadani und etwa 30 km entfernt, hinüberzuführen. Mkwadja erhielt daher eine ziemlich feste Station und 50 Mann Besatzung.
Die Absicht Wißmanns zeigte sich jedoch bald als undurchführbar. Araber sowohl wie besonders Karawanenführer und Träger hängen mit überaus großer Zähigkeit an dem einmal von ihnen begangenen Wege. Es zeigte sich außerdem noch während der Kämpfe, daß die Eingeborenen und Bana Heri selbst unmittelbar nach den Bombardements die Stadt immer wieder aufbauten. Bei letzterem kam, abgesehen davon, daß er Sadani nun einmal als angestammten Herrschersitz betrachtete, noch ein religiöses Moment hinzu: es befand sich dort das Grab seiner Mutter.
So stellte sich sehr bald die Notwendigkeit heraus, Sadani ebenfalls zur Militärstation zu machen. Während der Kämpfe gegen Bana Heri erhielt es eine Besatzung von 130 Mann und beherbergte zeitweise noch das Expeditionskorps; später wurde die Besatzung auf 50 Sudanesen vermindert.
In Usambara sind die Hauptstationen Pangani mit einem Posten in Rasmuhesa und einem zweiten Posten in Lewa, 25 km nordwestlich von Pangani, zum Schutz der dortigen Plantagen der Ostafrikanischen Plantagengesellschaft; endlich Tanga, letzteres ohne detachierte Posten. Zur Sicherung der Karawanenstraße, welche vom Kilimandscharo herunter nach Tanga oder Pangani führt, wurde am Kilimandscharo in Moschi, im Gebiet des uns befreundeten Häuptlings Mandara, ein Fort angelegt.
Die bisher genannten 14 Stationen und kleinen Posten bestanden bereits im Anfang des Jahres 1890 nach kaum dreivierteljähriger Thätigkeit des Reichskommissariats. Sie wurden insgesamt mit Besatzungen versehen aus dem damals noch nicht 1000 Mann starken ersten Soldatenkontingent; und zwar zählten die größeren Stationen zwischen 100 (Mpapua) und 40 (Tanga) Mann, die kleineren zwischen 20 (Moschi am Kilimandscharo, Bueni) und 10 (Mandera, Lewa). Außerdem waren noch Expeditionstruppen in der Gesamtstärke von 300 Mann vorhanden.
Sämtliche Stationen sind, — denn auch der sehr bewährte spätere Bauleiter Wilkens hat seine Schule erst in Afrika gemacht, — ohne Zuhilfenahme der gänzlich mangelnden Sachverständigen durch die Offiziere, Unteroffiziere und die schwarzen Truppen angelegt und vollendet worden. Die Eingeborenen wurden lediglich zu Handlangerdiensten, wie zum Stein- und Erdtransport herangezogen. Wenn auch in vielen Fällen der Kern der Stationen in einem oder mehreren Araberhäusern vorhanden war, so mußten diese Gebäude doch jedesmal mehr oder weniger umgebaut, für den Gebrauch der Europäer passend eingerichtet und ausgebessert werden. Umwallungen, Bastionen und Befestigungen mußten selbstverständlich erst geschaffen werden. Das Material an Steinen wurde aus den verfallenen oder zusammengeschossenen Araberhäusern der betreffenden Ortschaften genommen, teils aus den Korallenbänken gebrochen. Als Bauholz dienten sogenannte Boriti, harte Knüppel aus Mangrovestämmen. Provisorische Befestigungen oder Bauten wurden durchweg aus Wellblech in vollkommen zweckentsprechender Weise hergestellt.
Es mag gleich hier angeführt werden, daß nach der Herstellung geeigneter Wohnräume sich ein erheblich günstigerer Gesundheitszustand ergab, denn je zuvor. Die große Sterblichkeit unter den Beamten der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft vor der Zeit des Reichskommissariats ist zweifellos zum Teil auf die ungemein mangelhaften Wohnungsverhältnisse zurückzuführen. Nach der Erbauung der Forts mit ihren mitunter (wie in Bagamoyo und Daressalam) 15 Fuß hohen Zimmern und ihrer vorzüglichen Ventilation verminderten sich die Fiebererkrankungen in auffallender Weise.
Die Armierung der Stationen bestand aus 8 cm Feldgeschützen, 4,7 cm Geschützen, Revolverkanonen und Mörsern. Die Expeditionskorps führten 4,7 cm Geschütze und das Maximgeschütz mit sich, welche auseinander genommen und in einzelnen Stücken, die eine und zwei Trägerlasten bildeten, getragen wurden.
Eine besondere Berücksichtigung verlangte die Einrichtung des Stationsdienstes, welche am besten geeignet ist, das Vorurteil zu widerlegen, als ob es sich hier lediglich um eine Kriegsführung nach Landsknechtsart gehandelt habe, als ob, wie man in gegnerischen Kreisen in Deutschland so häufig behauptete, die Schutztruppe nur mit Morden, Sengen, Brennen und Aufhängen sich beschäftigt habe.
Die 7 großen Stationen standen jede unter einem Chef, dem die übrigen Offiziere untergeordnet waren. Die Zahl der letzteren schwankte je nach der Stärke und Wichtigkeit der Stationen, so zwar, daß dieselbe in Bagamoyo naturgemäß am stärksten sein mußte. Die Funktionen des Stationschefs waren in erster Linie die Instandhaltung der Station, ferner der Oberbefehl über die Stadt und die Umgebung derselben, Beaufsichtigung des Karawanenverkehrs, endlich die oberste Rechtsprechung in seinem Bezirk.