Der Distrikts-Chef von Bagamoyo und Stellvertreter des Reichskommissars, Herr von Gravenreuth, mußte wegen der in letzter Zeit bei ihm wiederholt auftretenden, schweren Fieberanfälle, die er sich auf seinen Expeditionen und durch den aufreibenden Dienst zugezogen, Mitte April mit längerem Urlaub Ostafrika verlassen, das er leider nie wieder betreten sollte. Frhr. v. Eberstein, der mit großem Eifer und Erfolg die Verwaltungsabteilung geleitet hatte, trat ebenfalls einen wohlverdienten siebenmonatlichen Urlaub an.
Im Februar des Jahres 1890 war der Major im großen Generalstabe, Liebert, welcher bisher in Berlin die Vertretung des Kommissariats innegehabt hatte, auf Befehl Sr. Majestät in Ostafrika eingetroffen, um sich an Ort und Stelle durch den Augenschein von der Lage der Dinge Kenntniß zu verschaffen und darüber Bericht zu erstatten. In seiner Begleitung befand sich ein Beamter des Auswärtigen Amtes, Tesch. Dieser sollte dem Reichskommissar und den Chefs über die Art und Weise der Rechnungsführung, wie man sie auf dem Auswärtigen Amt wünschte, Instruktionen erteilen. Die Thätigkeit des Herrn Tesch war, wie wir gleich bemerken wollen, obwohl er sich mit großem Eifer dieser Arbeit unterzog, von keinem Erfolge begleitet. Man stellte sich eben die Verhältnisse von Deutschland aus ganz anders vor, als sie in Wirklichkeit waren. Es wurde daher bald die Sendung einer Revisions-Kommission angeordnet.
Besonders bemerkenswert ist während dieser Zeit die Entsendung eines Detachements der Schutztruppe in der Stärke von 60 Mann unter dem Kommando des Chefs Theremin und in Begleitung des General-Konsuls Dr. Michahelles nach Witu. Nachdem im Monat März von Sr. Majestät Schiff »Carola« die deutsche Flagge an der Wubuschi-Mündung gehißt worden war, hatte der General-Konsul Befehl erhalten, sich an Bord eines Kriegsschiffes nach Lamu zu begeben, um von hier aus mit jener erwähnten Begleitmannschaft dem Sultan von Witu Geschenke zu überbringen und formell die deutsche Schutzherrschaft zu erklären. Es erregte dieses Vorgehen damals ganz besondere Freude, denn man schloß daraus, daß nun auch dort energisch etwas für die weitere Entwickelung jener Kolonie, welche bis dahin recht stiefmütterlich behandelt worden war, gethan werden würde. Leider sollte diese Hoffnung durch das deutsch-englische Abkommen auf das bitterste getäuscht werden. Der Führer des Detachements, Chef Theremin hatte die Expedition nach Witu bereits in leidendem Zustande angetreten. Nach seiner Rückkehr mußte der anerkannt tüchtige Offizier in Sansibar in das dortige Hospital aufgenommen werden und erlag bald einer zu einem unbedeutenden Magenleiden hinzutretenden Bauchfellentzündung.
Wir erwähnten früher bereits, daß für die Verwaltung des nördlichen Küstendistrikts eine Einteilung in drei Distrikte, nämlich Bagamoyo, Sadani und Pangani vorgenommen worden war. Diese Einteilung hatte ihre großen Schattenseiten. Bei der mangelhaften Verbindung der den Distriktschefs unterstellten Küstenplätze entstanden nur Schwierigkeiten für den dienstlichen Verkehr, welche die Verwaltung schwerfällig machten. Man sah infolgedessen, besonders da im Süden wegen der meist noch viel größeren Entfernung der Stationen von einander sich eine gleiche Maßregel noch weniger empfahl, von der Distrikts-Einteilung ab und griff wieder zu der ursprünglich stattgehabten Einteilung in Stationen, denen folgende Herren vorstanden:
Tanga: Chef Richelmann, der indes bald wieder durch Krenzler ersetzt wurde, da Richelmann die Station Sansibar und das Bureau des Reichskommissariats zu übernehmen hatte.
Pangani: nach der Versetzung Krenzlers nach Tanga Chef Johannes.
Mkwadja: Lieutenant Fischer.
Sadani: nach Abkommandierung Sigls zur Stokeschen Expedition Lieutenant von Arnim.
Bagamoyo: Chef Ramsay, (welcher diese Station nach der Versetzung des zu Bagamoyo trefflich bewährten Chef Richelmann nach Tanga erhielt).
Daressalam: Chef Leue.