Am 30. April morgens fand unterdessen in Daressalam die Einschiffung der Truppen in der vorher bestimmten Art statt, während die kleineren Dampfer des Reichskommissars Gepäck, Proviant und Munition für den Süden an Bord nahmen, teils auch noch mit Gepäck beladene Dhaus zu schleppen hatten. Die Dampfer »Harmonie«, »Barawa«, »München«, »Max« und »Vulkan« verließen, sobald sie mit der Aufnahme der Truppe, bezw. der Ladung fertig waren, am genannten Tage (dem 30. April) früh den Hafen. S. M. Schiff »Schwalbe«, auf der sich auch der Reichskommissar eingeschifft hatte, folgte um 1/2-9 Uhr morgens und holte bald die vorausgegangenen Dampfer ein. Der Südwest-Monsum hatte bereits wider Erwarten mit aller Kraft eingesetzt, sodaß der Fahrt nach dem Süden größere Hindernisse sich entgegenstellten, als man geahnt hatte.

Gleich im Anfang hegte man Besorgnis wegen der »Harmonie«, welche sehr viel Wasser übernahm und von Wind und Wellen heftig hin und her geworfen wurde. Am Nachmittag des 30. April nahm Wind und Seegang noch zu, und da an der Nordspitze Mafias erfahrungsgemäß noch größere See zu erwarten stand, so mußte die Absicht, an der Außenküste Mafias des Nachts weiter zu fahren, aufgegeben werden. Korvetten-Kapitän Hirschberg, der bis Mafia die Führung übernahm und die Dampfer alle auf den richtigen Kurs gebracht hatte, nahm nun den Kurs durch den Mafia-Kanal und erreichte bei Dunkelwerden den Ankerplatz bei Faniove, wohin er auch die andern Schiffe durch Blicke des Nachtsignal-Apparates dirigierte. Am nächsten Morgen konnte die Weiterfahrt wegen dicken Nebels und Regen-Böen erst um 7 Uhr fortgesetzt werden, und zwar in Rücksicht auf die »Harmonie« unter schwachem Dampf.

Kapitän Hirschberg verabredete mit Major Wißmann, die Südpassage durch den Mafia-Kanal, welcher vor einbrechender Dunkelheit erreicht werden konnte, zu verlassen, wenn dies des Wetters wegen irgend möglich sei, und während der Nacht nach Kilwa-Kisiwani zu gehen. Aber auch diese Absicht war undurchführbar, denn die Seeuntüchtigkeit unserer »Harmonie« stellte sich immer deutlicher heraus. Schon wir, die wir auf der »Barawa«, einem Schiff von 1000 Tonnen, eingeschifft waren, wurden bei dem fortwährenden Rollen und Stampfen stark hin und her geworfen; wirklich bemitleiden mußten wir indes die auf der »Harmonie« eingeschifften Kameraden und Truppen. Die »Harmonie« fuhr hinter uns her und wir konnten ihr furchtbares Schlingern aus nächster Nähe beobachten. Die Besorgnis, daß die »Harmonie« bei dieser See kentern könnte, lag sehr nahe, und in der That wurde bald darauf auf der »Harmonie«, als wir den Wasserweg innerhalb des Mafia-Kanals verlassen wollten, ein Signal sichtbar, daß der Dampfer unmöglich folgen könne. Nachdem der Kapitän der »Harmonie« und Chef von Zelewski, der Kommandant der auf der »Harmonie« eingeschifften Truppen mit dem Reichskommissar in Verbindung getreten waren, wurde zunächst bei Samanga geankert und hier beschlossen, daß die andern Schiffe bis auf »Schwalbe« und »Harmonie« direkt und zwar möglichst ohne daß man sie von Kilwa Kiwindje bemerken könne, nach Kisiwani weiter gehen sollten.

Die »Schwalbe« lief mit Tagesanbruch des 2. Mai nach Kilwa, um Herrn Kapitän Valette von der notwendig gewordenen Änderung der ursprünglich getroffenen Dispositionen Meldung zu erstatten und »Harmonie« folgte ihr langsam nach. Dann schlug die »Schwalbe« den Weg nach Kilwa Kisiwani ein, wo sie wieder die Führung übernahm und, den übrigen Dampfern den Weg weisend, Nachmittags in den Hafen einlief. Die Führung durch Sr. Maj. Kreuzer »Schwalbe« ist während der ganzen Fahrt nach dem Süden für uns von der größten Wichtigkeit gewesen. Den Führern unsrer Dampfer, die bis dahin kaum jemals nach dem Süden gekommen waren, war das Fahrwasser unbekannt, und es ist sowohl der geschickten Führung durch Kapitän Hirschberg, als auch besonders der großen Hilfsbereitschaft, mit der er jeden weiter zurückbleibenden oder vom richtigen Fahrwasser abkommenden Dampfer wieder auf den richtigen Weg brachte, zu danken, daß wir, ohne durch die Elemente größere Verluste zu erleiden, im Süden angekommen sind.

Dem auf der »Schwalbe« eingeschifften Bataillon und insbesondere den Offizieren ist die bestmögliche, kameradschaftlichste Aufnahme zu Teil geworden, wie überhaupt in jener Zeit das vorher zuweilen gespannte Verhältnis mit der Marine sich in ein sehr gutes umgewandelt hatte. Zumal mit der alten Besatzung der »Carola« und »Schwalbe«, mit denen wir so vieles gemeinsam durchlebt hatten, wurde eine enge Freundschaft und die beste Kameradschaft gepflogen.

Die »Harmonie« hatte die Anweisung erhalten, da sie nach Kilwa Kisiwani nicht folgen konnte, nach der Rukyrro-Bai, südlich von Kilwa Kiwindje zu gehen und daselbst das an Bord befindliche Bataillon auszuschiffen.

Bei unserer Ankunft in Kilwa Kisiwani machten das Kriegsschiff und die armierten Dampfer klar zum Gefecht, aber es zeigte sich nirgends ein Feind.

Die Landung der Truppen an der Südspitze der von Kilwa Kiwindje nach Süden auslaufenden Halbinsel ging ohne Schwierigkeit von statten und war bis zum Eintritt der Dunkelheit beendet. Die Truppen der »Harmonie« wurden ebenfalls in der Nacht vom 2. zum 3. und am 3. früh in der Rukyrro-Bai gelandet, wobei die »Schwalbe« ebenso wie bei unserer Landung in Kilwa Kisiwani durch Hergabe von Booten und durch Schleppen mit der Dampfpinasse bereitwillig Unterstützung leistete.

Eine Stunde nach begonnener Landung war in der Kisiwani-Bai die ganze Mannschaft von »Schwalbe« und »Barawa« ausgeschifft und um 5 Uhr 15 Minuten befand sich bereits alles im Marsch.

Das Landen der Truppen, Rangieren und der Abmarsch machten einen sehr guten militärischen Eindruck, in Anbetracht der überstandenen Seefahrt und der Seekrankheit, an der fast alles zu leiden hatte. Es wurde zunächst eine Stunde weit marschiert bis Masoko in der Rukyrro-Bai, in deren Nähe die »Harmonie« vor Anker lag.