Da das Benehmen der Leute höchst auffallend und wenig Vertrauen erweckend erscheinen mußte, ließen wir nach der Ankunft unsere Truppen inmitten der Menge ein Carré formieren, und als dann Maschemba immer noch nicht zur Begrüßung sich eingefunden hatte, wurde ihm ein Bote entgegengesandt, der ihm unser kategorisches Verlangen nach seinem Erscheinen überbrachte. Zugleich sollte er dafür sorgen, daß die Banden ihr ungeberdiges Benehmen einstellten; andernfalls würden wir auf die Menge Salven abgeben und das Dorf bestrafen.
Maschemba leistete der Aufforderung sofort Folge und kam schwerbetrunken bei uns an, entschuldigte sich und seine Leute und meinte, dieselben hätten erst am Abend des vorhergehenden Tages von unserer Ankunft erfahren, und aus Freude über die seinem Dorfe zu Teil werdende Ehre sich leider in Pombe betrunken.
Es war unter diesen Umständen natürlich an eine Verhandlung garnicht zu denken. Maschemba befahl seinen Leuten auf mein Verlangen, auseinanderzugehen und sich ruhig zu verhalten, während wir unter Beobachtung aller nöthigen Vorsichtsmaßregeln Lager bezogen.
Um unnütze Reibereien mit den Leuten zu vermeiden, mußte Maschemba Wasser, Brennholz und Baumaterial für den Lagerbau, sowie die nötige Verpflegung an Feldfrüchten und Kleinvieh ins Lager schaffen. In besonders erfreulicher Weise abstechend war das würdige Benehmen unserer Sudanesen-Soldaten gegenüber den ungeberdigen Horden, auf die sie mit Verachtung herabblickten.
Der Abend des Tages wurde insofern noch gemütlicher, als Maschemba mit seiner Familie und den einflußreichsten seiner Leute zu mir ins Lager kam und große Kalebassen Pombe mitbrachte, die dann gemeinsam ausgetrunken wurden. Maschemba selbst war natürlich wieder sein bester Gast. Ich benutzte die Gelegenheit, Maschemba einen vorher bereits beschlossenen Besuch des stellvertretenden Reichskommissars Dr. Schmidt für einen Monat später in Aussicht zu stellen und befahl ihm dann für eine anständige Aufnahme Sorge zu tragen, wofern er weiterhin darauf Wert legte, mit uns ein gutes Einvernehmen aufrecht zu erhalten.
Am nächsten Tage ging es zu dem Makandahäuptling Schikambo, der die bittersten Klagen über die fortwährenden Beunruhigungen durch Maschemba vorbrachte. Von Schikambos Dorf Niangamala ging der Marsch nach Ikonga, wo die Expedition sich trennte. Chef End marschierte von hier aus nach Mikindani, ich selbst über den Ukeredi-Fluß nach Lindi zurück.
Bald nach meiner Ankunft in Lindi empfing ich von Maschemba ein Schreiben, worin er für das Benehmen seiner Leute um Entschuldigung bat, und seine friedlichste Gesinnung und Unterwürfigkeit beteuerte. Ohne viel hierauf zu geben, war es mir doch erwünscht, wenigstens äußerlich die Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten zu sehen, um den Karawanenverkehr nicht zu sehr zu schädigen.
Bald indes drangen Nachrichten nach Lindi über ernstere Streitigkeiten, die zwischen den Wahiyao Maschembas und den Makanda, den Leuten Schikambos, ausgebrochen waren. Nachdem zuerst die Wahiyao einige Verluste erlitten hatten, drangen sie im Gebiet der Makanda siegreich vor und zerstörten einige Dörfer derselben von Grund aus. Einzelne Makanda flüchteten bis nach Lindi, wohin Schikambo von dem Überfall Maschembas berichtete. Maschemba seinerseits bedachte uns mit einem Briefe, worin er angab, daß Schikambo durch Ermordung eines Verwandten Maschembas eine Blutschuld auf sich geladen habe. Er, Maschemba, sei dadurch zum Kriegszuge gegen die Makanda bewogen worden; nachdem er jetzt Rache genommen, wäre für ihn der Streitfall beendet, zumal er selbst Verluste erlitten hätte. Er wolle nur von der Sache Mitteilung machen, um falsche Nachrichten von feindlicher Seite zu berichtigen.
Die Entschuldigung Maschembas erschien von vornherein haltlos, und es wurde sowohl vom Verfasser, wie vom Stationschef in Mikindani beim stellvertretenden Reichskommissar beantragt, nunmehr ernstlich gegen Maschemba vorgehen zu dürfen, um entweder von ihm Garantie dafür zu erhalten, daß ein mit ihm getroffenes Abkommen auch wirklich gehalten werde oder gegen ihn mit Waffengewalt einzuschreiten. Da schon vorher der stellvertretende Reichskommissar eine Expedition zum Besuch der englischen Missionsstation des Hinterlandes und an den Rovuma zum Zweck der Untersuchung auf das Vorhandensein von Kohlen beschlossen hatte, wurde die Expedition sofort vorbereitet.
Die außerordentliche Wichtigkeit eines Kohlenlagers in unserem Gebiete braucht keine besondere Begründung. Verfasser hatte bereits früher nach Sansibar über das Vorhandensein von Kohlen berichtet. Vom Vereinigungspunkt des Rovuma und Rienda sollte ein Mann, Namens Wadi Bakari Kohlen in einem Canoe nach der Küste gebracht haben. Der Sultan Said Bargasch hatte davon erfahren und einen französischen Ingenieur in diese Gegend gesandt. Außerdem wurde dem Verfasser berichtet, daß bereits einen Tagemarsch westlich von Mschinga Leute von Raschid Schapapa vor jetzt 7 Jahren Kohlen gefunden und nach Lindi gebracht hätten, wovon ebenfalls an Said Bargasch berichtet worden sei. Der Sultan habe den Ort des Vorkommens wissen wollen, jedoch hätten Raschid Schapapa und seine Leute das Vorhandensein von Kohlen bestritten und überhaupt nichts von Kohlen wissen wollen, in der Absicht natürlich, den Sultan oder gar die Europäer von weiterem Vordringen ins Innere abzuhalten.