8. Ich werde auch meinen Leuten diese Bedingungen mitteilen und dafür sorgen, daß dieselben genau eingehalten werden.«

Hiermit war der Friede geschlossen. End und Maschemba schüttelten sich gegenseitig die Hand, und jeder marschierte ruhig nach Hause. Die nächste Zeit hat gelehrt, daß die Abschließung jenes Friedens von großem Nutzen für uns gewesen ist. Wir wurden der Notwendigkeit enthoben, im Süden eine große Macht aufzuwenden und konnten dieselbe gerade im letztvergangenen Jahre an anderer Stelle einsetzen.

Es hat sich der Handels-Verkehr im Süden gehoben und ist dort bislang die in so vielen andern Gegenden unseres Schutzgebietes bedrohte Ruhe aufrecht erhalten worden, ein Verdienst, das ohne Zweifel auf das politische Verhalten des Chefs End, der, von einem perniziösen Fieber kaum genesen, jene Expedition antrat, zurückzuführen ist.

Bis zum April 1891 waren auch die Stationen des Südens, Kilwa, Lindi und Mikindani im großen und ganzen fertiggestellt worden. Die Station Lindi hatte der frühere Chef der Verwaltungsabteilung Frhr. von Eberstein übernommen. —

Im Norden unserer Interessen-Sphäre wurde noch in den letzten Monaten der Thätigkeit des Reichskommissars das Einschreiten desselben notwendig, um die stark gefährdete Sicherheit auf der von Pangani nach dem Kilimandscharo und von dort aus nach dem Viktoriasee weiterführenden Karawanenstraße wieder herzustellen.

Der Häuptling Sinna von Kiboscho hatte in seinem Dorfe die deutsche Flagge niedergeholt, beschimpft und sich ausdrücklich geweigert, die deutsche Herrschaft anzuerkennen. Wir waren von diesem Vorgange unter anderm durch die englische Regierung von Taveta aus unterrichtet worden. Die Post des Wißmannschen Agenten in Moschi, Herrn von Eltz, war zwei Mal vom Häuptling Manamate abgefangen worden. Der Jumbe Kihungwe von Kihogwe hatte in der gröbsten Weise sich gegen den Stationschef von Masinde, Lieutenant Stenzler, vergangen, das deutsche Ansehen im Hinterland von Pangani und Tanga erschien schwer geschädigt.

So sah sich der Reichskommissar zur Unternehmung einer Expedition von Pangani aus nach dem Kilimandscharo veranlaßt. Die Expeditionstruppen wurden in Pangani vereinigt, wobei leider bei der Ausschiffung derselben und der Passage über die Barre des Panganiflusses nach dem Kentern eines Bootes der deutsche Unteroffizier Löppki mit 5 Sudanesen ertrank.

Der Marsch ging von Pangani zunächst nach Masinde. Hier wurde die Expedition, nachdem noch aus dieser Station einige disponible Truppen herausgezogen waren, definitiv zusammengestellt, und zwar zählte das unter den Befehl des Chef Johannes gestellte, aus einer Sudanesen-Compagnie und zwei Zulukompagnien bestehende Expeditionskorps 380 Mann. Außer Major von Wißmann, seinem Adjutanten Dr. Bumiller, Lieutenant Heymons und dem Führer des Expeditionskorps Chef Johannes nahmen folgende Offiziere an der Expedition teil: Lieutenants Sulzer, v. Zitzewitz, Prince, Assistenzarzt Dr. Steuber, Proviantmeister de la Frémoire und 7 deutsche Unteroffiziere.

Kurz vor dem Abmarsch der Expedition von Masinde traf noch Herr v. Eltz, der Wißmannsche Agent vom Kilimandscharo, dem erhaltenen Befehle gemäß ein, berichtete über die Verhältnisse daselbst und erhielt den Befehl, an der Expedition teilzunehmen.

Das nächste Ziel war das Dorf des aufsässigen Kihungwe, das nach Passierung des 30 Meter breiten Mkomasiflusses erreicht wurde. Sogleich bei der Ankunft der Karawane am Fluß hatte Kihungwe durch Abgesandte seine unbedingte Unterwerfung unter den Reichskommissar und den Stationschef von Masinde ankündigen lassen. Nachdem beim Dorfe Kihungwe ein Lager bezogen war, wurde der genannte Häuptling zum Schauri berufen. Wißmann sah von einer Bestrafung des Häuptlings, der von jetzt an völlige Unterwerfung versprach, ab und setzte nur in jener Ortschaft einen neuen Akida, einen Sohn des durchaus gehorsamen Simbodja ein.