Und Leibl noch überraschter:
„Ja, Mensch – weißt du denn nicht? Ich muß doch fliehen – ich habe Makart erschlagen.“
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Und nun, nach so vielen Geschichten, deren Zeuge oder Erzähler Professor von Stieler war, auch eine Begebenheit, deren Held er selbst ist:
Ein junger Akademiker – Trattner – hatte Stielers schier übermenschliche Menschenliebe schamlos ausgenutzt; hatte sich im ersten Jahr eine runde kleine Summe von Stieler gepumpt und dann jedes Jahr das Schulgeld und etwas mehr dazu. Bis die Schuld zu ansehnlicher Höhe gewachsen war.
Und als wieder ein Termin verstrich und noch einer – wohl der zwanzigste – von Trattner keine Botschaft und kein Pfennig – da rief Professor von Stieler, und seine Augen flackerten wild:
„An dem Kerl, an dem werd ich ein Exempel statuieren. Er wird was von mir erleben. Ohne Gnade...“ (hier schwollen des Professors Zornadern.) „... ohne Gnade schreib ich ihm einen Mahnbrief.“
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Man muß wissen, daß Professor von Stieler aus einem Beruf kommt, der herzversteinernd wirkt: Stieler war einst, eh er sich der Kunst seines Vaters zuwandte, Jurist und so etwas wie Staatsanwaltsubstitut.