„Schön,“ ruft der Meister. „Sollst sie haben. Gratulier dir übrigens zu deinem Geschmack, Teufelsmädel! Die ‚Türkin in Gelb‘ ist mein Bestes.“
Und soviel sie sich wehrt gegen die kostbare Widmung – er gibt nicht nach – sie muß das Bild mitnehmen; denn er hat ihr eine Lüge abzubitten, braucht seine Seelenruhe wieder.
— — — Das kleine Fräulein ist stolz auf ihr schönes Eigentum, die ‚Türkin in Gelb.‘ Betrachtet das Bildchen früh und spät – endlich setzt sie sich an die Staffelei und kopiert es. Kopiert es so täuschend, daß wahrhaftig kein Mensch mehr Original und Abklatsch unterscheiden kann.
So weit ist es – da vernimmt Lisel von Freunden des Hauses, wie des Meisters vernichtender Schiedsspruch damals zustande gekommen ist. Und hell empört beschließt sie, sich zu rächen.
Falschheit gegen Tücke: sie packt fein säuberlich ihre Kopie ein und wandert damit aufs Atelier zum Meister.
Schlägt scheinheilig die langen Wimpern auf und flötet:
„Meister, Sie haben mir unlängst die Wahl gelassen... ich bat um die ‚Türkin in Gelb.‘ Ich habe mirs indessen anders überlegt: ich möchte doch lieber die ‚Madonna‘.“
Der Meister begrüßt mit Freuden die ‚Türkin‘ wieder, sein Lieblingsbild... heut gefällt sie ihm besser als je... und entläßt Lisel mit der ‚Madonna‘.
Lisel zieht heim, mit dem Entschluß, vier Wochen schweigend zu warten. Nach vier Wochen, das ist gewiß, wird sie dem guten Meister gehörig die Meinung sagen über ihren ‚unheilbaren Mangel an Technik.‘