Einmal saßen in einem Wiener Nachtlokal in drei benachbarten Logen Girardi, der ungarische Minister Baron Banffy und Wedekind.

Ein Fremder umfaßte die drei Logen mit einer Gebärde und rief:

„Die drei größten Komiker von Europa.“

Girardi nickte – der Minister lachte – Wedekind aber... zeigte seine Zähne.

*

An der Wand im halbdunkeln Zimmer hängt Frank Wedekinds Totenmaske. Verstehend wie sie, hat der Dichter immer gelächelt – so zart, so gütig nur im Tod.

Unter der Maske auf dem Sofa sitzt Anna Pamela, Wedekinds erstgeborne Tochter. Sie zählt noch nicht dreizehn, glaube ich – und blickt ernster als je ein Mädchen ihres Alters.

„Singen Sie uns, Anna Pamela!“

Da huscht ein winzig kleines Lächeln über dies erschütternd echte Jungwedekindgesicht. Sie langt sich Wedekinds Laute. Wie ein wimmelnd Heer von Däumlingen rennen und stürzen unverfolgbar flink die Fingerchen über das Griffbrett; und ein kleiner, gläserner Sopran läutet des Vaters Balladen.

Franks lose Lieder aus dem unschuldigen Mündchen eines Mägdleins!