Und das Mägdlein bei all seiner Lieblichkeit des sardonischen Vaters Abbild.

Und jeder Ton wieder, jede Hebung und Senkung des Stimmchens ist Frank Wedekinds Ton, Vortrag und Ausdruck; als sänge er aus den Sphären mit Engelszunge.

Sie ist es garnicht, Anna Pamela – sie weiß ja nicht, was sie singt; Frank lebt und singt in ihr – und sie lacht hie und da über ihn, dankbar für einen Scherz, den er, ihr verständlich, machte.

Schön und furchtbar zugleich, daß ein Leichnam so lebendig bleiben kann in seinem Werk und in seinem Kind.

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Otto Julius Bierbaum erzählte mir einmal, wie er Liliencron in München traf: arm, aber stolz, ja überglücklich. Er habe, berichtete Liliencron, jetzt ein Weib gefunden, das sei aller Weiber Preis; jung, zierlich, mit weißen Fingerchen und rosigen Wangen; Saphiraugen, goldnem Haar und elfenbeinernen Zähnchen; sie sei millionenreich und klug wie Phryne; eine Reichsgräfin vom ältesten Adel; Bierbaum müsse augenblicks mitkommen in den Hofgarten, um Liliencrons Glück mitanzusehen.

Bierbaum folgte dem Dichter. Er fand ein Nähmädchen da, Centa Müller. Sie war nicht einmal sonderlich hübsch.

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Kennen Sie den Liederzyklus ‚Amneris‘? Ein junger Dichter hat ihn geschrieben auf seinem Tiroler Schloß. Jawohl, er besaß ein Schloß in Tirol, denn er war ein nicht unbemittelter Dichter – und er schrieb einen Zyklus ‚Amneris‘ in Tirol, denn er war glücklich, war selig in seiner jungen Ehe.

Als die Handschrift aber fertig vor ihm lag (ein Jahr nach der Hochzeit) – da beschloß der Dichter, den Zyklus vertonen zu lassen. Und er lud einen aufstrebenden tüchtigen Musiker zu sich aufs Schloß.