Saßen wir da einmal im Café Luitpold – zwei Maler, zwei Literaten: Major v. Vestenhof, Albert Weisgerber – der Edelanarchist Erich Mühsam und ich. – (Die sonderbare Mischung der Gesellschaft braucht einen garnicht wunderzunehmen: wir sprachen nie über Politik – und wollte Erich Mühsam mal davon beginnen, so verbat sichs der Herr Major höflich, Weisgerber hingegen mit weißblau geweckter Löwenenergie.)
Den Malern fiel ein Mann drüben auf, der mir ähneln sollte.
Wirklich, er glich mir Zug um Zug: die Bulldoggvisage, hohe Stirn – sogar das Einglas hatte er sitzen; nur die rote Weste fehlte, denn der Fremde hatte eine weiße.
Da sagte Major v. Vestenhof:
„Wißt ihr auch, wer der Mann ist? Der Staatssekretär der Kolonien, Exzellenz Solf.“
„Herrgott,“ rief Erich Mühsam, „– ein Staatssekretär! Und aus Samoa... Der Mann muß doch mächtig viel Geld haben. Den Mann geh ich anpumpen.“
Schritt auf ihn zu, stellte sich artig irgendwie vor und verlangte zwanzig Mark.
Solf griff nach einigem Besinnen in die Westentasche und zog ein Zehnmarkstück.
— — — Dieses Geschehnis wird hier keineswegs um einer Pointe willen erzählt – als welche ja, wie man sieht, garnicht vorhanden ist.
Es wird noch weniger erzählt, um den Staatssekretär a. D. Dr. Solf herabzusetzen – oder um Erich Mühsam zu erhöhen, den Bayerischen Minister des Äußern von anno Räterepublik.