Diät – wissenschaftlich regulierter Hungertod. Durch eine gut erfundene Diät kann der widerspenstigste Patient leicht und endgültig der Alleinherrschaft des Arztes unterworfen werden. – Diät ist nicht zu verwechseln mit
Diäten – die, besonders von der fünften Rangklasse aufwärts, eher eine belebende Wirkung ausüben.
Drücken, sich – Form des Abschiedes aus zwanglosen Gesellschaften. Dem Dienstmädchen beim Öffnen des Tores drei Mark, ohne Vertraulichkeiten.
Ehe – niederste Organisationseinheit der Menschheit unter einheitlichem, gewöhnlich weiblichem Kommando. Die Betroffenen heißen ein Ehepaar. Wenn sie sich auf einem Tanzfest kennen gelernt haben, kühlt sich ihr Eifer für derartige Veranstaltungen bald ab. Der Ehe geht eine Vorbereitungsperiode voraus, die sogenannte Brautzeit; sie läßt uns alle Freuden der Ehe genießen, erspart uns aber die störenden Unannehmlichkeiten des Hausstandes. Kenner pflegen daher die Brautzeit durchzumachen, ohne ihr eine Ehe folgen zu lassen. Oft schon nach überraschend kurzer Zeit entwickelt sich aus dem Ehepaar eine Familie. (Siehe diese!)
Eingeborenen, die – ständige Insassen der Kurorte, haben je ein Dutzend Kurgäste auf der Streu und leben von ihrer Milch und ihrem Fett. Eingeborne baden nie.
Eis – die glatte Oberfläche der öffentlichen Wintergewässer. Da sich das Festland teils wegen seiner relativ geringen Ausdehnung, teils wegen des Verkehrs, der sich darauf abspielt, nicht für jedes Stelldichein eignet, verlegt man die Zusammenkünfte gern auf das Eis. Muß sich der Jüngling schon wegen der allgemeinen Glätte der großstädtischen Basis vor dem Ausgleiten hüten, so tut Vorsicht hier doppelt not: jede Eisbahn hat einen versteckten, ins Land einspringenden Winkel, den sogenannten Ehehafen.
Embonpoint (französisch, s. v. w. Vortrag) – eine Beschwerde gegen das Zuleichtnehmen des Lebens; führt mit der Zeit zum natürlichen Tod, soweit von einem solchen bei ärztlicher Mitwirkung die Rede sein kann.
Familie, die – besteht in ihrer Vollendung aus ihm, ihr, zwei Kindern, seiner Freundin, ihrem Freund und einer Kindergärtnerin. In sparsamen Häusern kann seine Freundin mit der Kindergärtnerin identisch sein, was eine gewisse Beständigkeit der Verhältnisse verbürgt.
Feuilletonist – Parterreakrobat der Zeitungsschmiere. Durch Vorschüsse kann er zu echt dichterischem Empfinden, ja, zum Furor feuilletonicus aufgestachelt werden.
Flüssigkeiten – Körper in tropfbarem Aggregatzustand, unmittelbare Ursache des Sitzenbleibens in Gaststätten. In Mengen genossen, bewirken sie bei Melancholikern eine Aussöhnung mit dem Schicksal, bei heiter angelegten Naturen mehrfach abgestuftes Wonnegefühl. Es gibt auch Flüssigkeiten ohne Alkoholgehalt; sie dienen teils zum Waschen, teils zum Korrigieren von Schulaufgaben.