Ich: Ich würde sehr bedauern, wenn sich zwischen meine Wähler und mich jetzt schon Mißverständnisse drängten. Später, wenn ich das Mandat erst in Händen habe, werden sich Mißverständnisse ohnehin nicht mehr vermeiden lassen. Ich wäre der erste Abgeordnete nicht, den seine Wähler nicht verstehen – Sie nicht die ersten Wähler, die den Kopf über Ihren Vertreter schütteln. Vorläufig aber, heute noch, müssen wir einig sein. Ich gebe Ihnen also hier feierlich mein Wort und bitte Sie, was ich sage, allen Wählern zu bestellen: daß ich jedesmal, wenn ich Liebesgaben von der Regierung annehme, meinen Bezirk im Auge behalten werde. Sooft ich, sagen wir... – ich führe nur einen beliebigen Fall an, der mir grade in den Sinn kommt – sooft ich also von der Regierung das Recht erbitte, eine Spiritusbrennerei zu gründen, werde ich sie gewiß in meinem Wahlbezirk gründen; wenn man mir Lieferungen für die Reichswehr oder die Eisenbahn überträgt, werde ich aus meinem Bezirk liefern. Denn warum sollt ich einen Bezirk ausbeuten, der mich nicht einmal gewählt hat? Die Liebe – die Liebe zur Heimatscholle soll mich leiten für und für.

Die Herren trocknen sich die Augen.

Ich: Wischen Sie die Tränen nicht ab, Zeichen Ihrer Rührung, die mich so sehr für Sie einnimmt! Sagen Sie mir nur: weinen Sie in eignem Namen oder im Namen der ganzen Wählerschaft?

Die Herren: Wir haben uns im Lauf einer jahrelangen politischen Tätigkeit angewöhnt, immer im Namen aller Wähler zu weinen.

Ich: Dank Ihnen, meine Herren! Dieser sinnige Volksbrauch war mir nicht bekannt – ich stehe nicht an, ihn als einen der schönsten zu bezeichnen, die mir je begegnet sind. – Pflegen Sie gewöhnlich vor oder nach der Wahl zu weinen?

Die Herren: Gewöhnlich nach der Wahl.

Ich: Man muß an solchen Überlieferungen festhalten. Ich bin ein warmer Verehrer alter Sitten. Sparen Sie also die Volkstränen für jene Zeit auf, wo ich schon im Parlament sitzen werde.

Die Herren: Wir bitten Sie nun, uns Ihr Programm zu entwerfen.

Ich: Programm? Sie bringen mich ein wenig in Verlegenheit – ich habe, bei Gott, kein Programm vorbereitet. Wozu mich mit dergleichen erst plagen?