Ha, da setzt man ihm zu Oktober, wo grad wieder die ‚Spielmannsfahrt‘ erschienen war...

Resi, einen Schoppen, Prost! – Wo bin ich geblieben?

Richtig – bei: Ha! – Zu Oktober also setzt man in die Wohnung über Klingemann einen neuen Mieter. Sagen wir: Herrn Obermieter. Und mit Klingemanns Schaffen ists sofort vorbei.

Klingemann pflegt nämlich seit Jahren von zwei bis drei nachmittags sein sattes Schläfchen zu schlummern – es ist Grundbedingung seines Organismus – sonst versagt der Leib eben dem Talent den Dienst.

Obermieter, der Hund, spielt Klavier von zwei bis drei.

„Sehr geehrter Herr!“ schreibt Klingemann – und stellt die Sachlage dar, wie sie ist: daß da ein Stück deutscher Kultur zerstört wird, wenn das Gespiel von zwei bis drei nicht aufhört. – Obermieter klaviert.

„Du Hund!“ knirscht Klingemann – und schreibt einen zweiten Brief: „Hochverehrtester Herr! Ich bitte Sie... nein, ich flehe Sie an bei allem, was Ihnen heilig ist – unterlassen Sie... usw. Verlangen Sie jede Gegengefälligkeit von mir, betrachten Sie mich als ihren Sklaven...“

Obermieter spielt.

Da begreift Klingemann: mit dem Kerl oben ist in Güte nicht auszukommen. Man muß die dicke Saite spannen.

Sie kennen doch das Mittel? Nein? Jedermann sollt es aber kennen: im Zimmer, über dem gespielt wird, tut man den Eßtisch und die Lampe weg. Hierauf schraubt man in den Fußboden einen Haken und spannt zwischen dem Haken unten und dem Lampenhaken senkrecht die dicke Saite. Beginnt Obermieter seinen Walzer: so streicht man unten unermüdlich mit dem Baßbogen die dicke Saite. Wunder der Resonanz! Sie glauben nicht, welche Mißtöne dann aus Obermieters Piano strömen. Es ist zum Steinerweichen – einfach unerträglich für jeden musikalischen Menschen.