Ohne Zweifel, gnädige Frau, ertheilen Sie mir Ihre Befehle, ich werde sie meinem Kunstgenossen überbringen.
Sie unterbrach mich.
O! so haben Sie Ihrer Neigung folgen können!... Schön, ich nehme Ihr Anerbieten an; ich werde die Zeit bestimmen. Allein zuvor möchten wir, mein Gemahl und ich, gern etwas von Ihren Leistungen sehen. Wohnen Sie hier im Hause?
Ja, gnädige Frau.... Obgleich es mich etwas in Verlegenheit setzt, daß ich Ihnen nichts, als einige schlechte Versuche zu zeigen vermag, so schlage ich doch aus Eigenliebe die Ehre, die Sie mir erweisen wollen, nicht aus.
Wir sprachen noch einige Worte. Ich trat zurück und der Wagen entfernte sich.
Diese unerwartete Begegnung gab alten süßen Regungen das Leben wieder und riß mich aus einem Zustande der Erschlaffung, worin ich mich seit einigen Monaten befand.
Doch darf ich's sagen? Wenn schon ich stets meine Jüdin geliebt und ihr Gedächtniß bewahrt hatte, so verlor doch nichts desto weniger mein Schmerz von diesem Tage an seine Bitterkeit, meine Seele wurde gleichsam von der Vergangenheit losgebunden und begann eine freie Erhebung nach der Zukunft, süß beladen mit einer Erinnerung, die ihr nicht mehr so schmerzlich war, ohne daß sie aufhörte, theuer und lieb zu sein.
Gleichwol war diese Begegnung nicht frei von jeglicher Wolke gewesen. Obgleich ich Lucy vergessen hatte, obgleich ich niemals, selbst nicht in den überschwänglichsten Träumen, im entferntesten den Gedanken hegen konnte, ihr etwas zu sein, so war mir doch vom ersten Augenblicke an der Anblick jenes neben ihr sitzenden Herrn beklemmend gewesen, und als ich aus Lucy's Munde vernahm, daß sie vermählt war, zuckte Verwirrung und Eifersucht durch mein Herz.