Er unterbrach mich: Sie haben Ihre Geschäfte, ich die meinigen. Der Mann hier wartet. Auf ein ander Mal. Und er verließ mich in dem Augenblicke, da ich voll Zuversicht mit aller Beredtsamkeit eines feurigen Liebhabers sprechen wollte, den der Himmel selbst begünstigt und beisteht... Zum Henker die Feldmesser! rief ich, als er gegangen war.


Um mich zu beruhigen, heftete ich meine Blicke auf die Thaler. Es war selbst bei meiner Verstimmung ein behaglicher Anblick. Die Stapel erhoben sich in geschlossenen Reihen und ich entdeckte eine wunderbare Schönheit in dieser Bauart. Noch niemals hatte mein Auge so große Schätze beisammen gesehen, und als ich an Lucy dachte, von der mir alles dies Gute kam, konnte ich nicht umhin zu wiederholen: edle Lucy, mein guter Engel! In Ermangelung eines Geldschranks verbarg ich bis dahin, daß sich ein Plätzchen zum Anlegen meines Reichthums gefunden hätte, die ganze Summe in den Ofen und verließ mein Zimmer, um allein, in freier Natur die Freude zu genießen, welche nach Augenblicken so großer Beängstigung in mein Herz gekommen war. Uebrigens waren meine Angelegenheiten seit dem Morgen tüchtig vorgeschritten, und ich fühlte das Bedürfniß, sobald als möglich hinlängliche Ruhe zu gewinnen, um über die Schritte nachzudenken, welche mir zu thun übrig blieben.

Das Erste war, meinem Oheim, welcher noch von nichts wußte, alles zu offenbaren. Daß ich ihm bisher meine Pläne verborgen hielt, daran war die feste Ueberzeugung schuld, daß er sich von keinem andern Gedanken leiten lassen würde, als dem, mich glücklich zu machen, und daß er meine Verheirathung durch neue Opfer von seiner Seite erleichtern würde. Gerade diese Gewißheit, in Verbindung mit meiner Kenntniß seiner beschränkten Mittel und mancher Aufopferungen, die er sich in jüngster Zeit meiner kleinen Künstlerausstattung wegen auferlegt hatte, machte es mir zur heiligen Pflicht, seinen allzubereitwilligen Edelmuth nicht ferner auf die Probe zu stellen. Alle diese Gedanken aber verscheuchte der Reichthum, den ich der Freigebigkeit Lucy's verdankte, so daß ich ihn nur noch von dem Vorgefallenen zu unterrichten und ihn zu bitten hatte, er möge seiner Güte die Krone aufsetzen und nächsten Tags hingehen und um Henriettens Hand für seinen Neffen anhalten. Es unterlag keinem Zweifel, daß, wenn er mir diese Gunst erzeigte, die Würde seines Alters, das Gewicht seiner Zustimmung und die einnehmende Herzlichkeit seines Wesens den Erfolg eines Schrittes sicherten, von dem die Ruhe meines Lebens abhing. Ich beschloß noch denselben Abend mit ihm zu reden.


Spät kam ich wieder, und es war zur Stunde des Nachtessens: Zu Tisch! zu Tisch, lieber Oheim!... ich bringe wichtige Neuigkeiten!

Ich weiß, ich weiß, mein Kind. Die Alte unterrichtete mich von allem... Es ist von Thalern die Rede... ein großer Sack... der Pactolus hat sich ganz und gar über meinen armen Julius ausgeströmt...

Der Pactolus in leibhaftiger Person, lieber Oheim. Er ist in meinem Ofen eingesperrt... doch setzen wir uns zuvörderst zu Tisch, denn ich habe noch ganz andere Dinge mitzutheilen!

Ich bemerkte, daß mein Oheim, statt die letzten Worte heiter aufzufassen und, wie es seine Gewohnheit war an meiner Freude Theil zu nehmen, sich mit nachdenklicher Miene, wie wenn ihm etwas im Kopfe herumginge, dem Tische näherte und einen Blick seitwärts auf die Alte warf, deren Anwesenheit ihm sichtbarlich unbequem war, ohne daß er es über sich gewinnen konnte, sie fortzuschicken. Ich gab Margarethen ein Zeichen und sie zog sich zurück.