Diese Worte sprach mein Oheim mit feierlichem Ernste; ich fühlte mich – ich muß es gestehen – versucht zu lachen, denn ich nahm an, daß seine Bekümmerniß um meine Ehrenhaftigkeit von irgend einem Dienstbotengeklatsche herrührte, welches die Alte ihm vertrauen zu müssen geglaubt hatte. Dieses Mal, entgegnete ich, weiß ich wirklich nicht, was Sie meinen. Das junge Mädchen – ich liebe sie wirklich, und ich wollte Sie bitten, morgen zu den Eltern derselben zu gehen, um im Namen Ihres Neffen um ihre Hand anzuhalten. Wo ist da etwas Böses, liebster Oheim?

Du!... rief mein Oheim erstaunt; wie sagtest Du? Du willst Dich verheirathen?... Und bist Schuld daran, sagte er in heftiger Bewegung aufstehend, daß ich ihrem Vater gerade das Gegentheil versichert habe!...

O weh! rief ich aus. Wie unglückselig! Bester Oheim, was haben Sie gemacht!

Aber, ich that... was die Rechtlichkeit verlangte... Höre... so höre doch. Eben, vor einer Stunde, kommt dieser Teufelskerl auf einmal zu mir gerannt, sagt, Du machtest seiner Tochter den Hof... sagt, Du habest seine Tochter compromittirt... fragt, was seine Tochter thun solle und ob Du an Ehe dächtest?... Da hab' ich ihm versetzt, im Gegentheil, Du habest Dir selber gelobt...

Ich bin verloren! unterbrach ich ihn und überließ mich allen Ausbrüchen der Verzweiflung.


Kaum hatte mein Oheim Tom vernommen, daß meine Absichten lauter und meine Ehre unangetastet war, da unterdrückte das heftige Bedauern, wider seinen Willen meine Hoffnungen gefährdet zu haben, bei ihm fast jenes kluge Bedenken, welches den Greisen eigen ist, und er dachte augenblicklich weit mehr daran, wie er meinen Kummer schnell abhelfen solle, als die Rathsamkeit oder Rücksichten der Heirath zu erwägen, von der ich ihm eben zum ersten Male gesprochen hatte.

Indeß ich mich trostlos meinem Schmerze überließ, ging er im Zimmer auf und ab und sprach vor sich hin: Ja, ja!... was ist da zu machen... Lieber Himmel! wenn ich das hätte ahnen können... dergleichen Schwüre... man macht sie in Deinem Alter... das mag hingehen... Man besinnt sich anders, auch gut... der Fehler steckt darin, daß man in meinem Alter alle solche Verwicklungen vergessen hat... Dann trat er näher an mich heran: Muth gefaßt! mein armer Julius!... Muth gefaßt!... Ich gehe morgen... ich erkläre alles, ich thue ihnen zu wissen...

Morgen! sagte ich erschrocken. Heute Abend!... Abend noch, lieber Oheim! in diesem Augenblicke! Sie finden sie Alle beisammen. Morgens da geht er aus.