In diesem Augenblicke öffnete sich die Thür.

Hier suchte ich Sie nicht! sprach der Feldmesser, zu mir gewendet. Uebrigens, bleiben Sie; ich wollte Sie eben rufen lassen.

Guten Tag, mein liebes Kind, sagte mein Oheim Tom und nahm Henriettens Hand zum Küssen. Dann wendete er sich gegen die Mutter: Und Sie, theure Frau, fassen Sie Muth... Wenn Sie den Burschen da, wie ich, seit einundzwanzig Jahren kennten, so hätten Sie Zutrauen... wie ich Zutrauen und Freude darin finde, da ich ihn um dieses liebenswürdige Wesen werben sehe, das ein wahres Kleinod ist... doch lassen wir den sprechen, dem sie angehört.

Mein Oheim setzte sich. Ich blieb neben Henriette stehen und wir hörten auf den Feldmesser.

Um zehn Uhr, sprach dieser, empfing ich den Besuch des Herrn Tom. Herr Julius, der Aufrichtigkeit Ihrer Gesinnungen und der Redlichkeit Ihrer Absichten lasse ich Gerechtigkeit wiederfahren; allein Sie haben ein schwaches, schwankendes Gemüth, wo Sie offen sein sollten; das ist ein Fehler, der den redlichen Absichten die Offenheit nimmt, welche man bei ihnen sucht. Ich weiß, daß Sie nichts besitzen als die Summe Geldes, welche ich gestern gesehen habe. Ihre Hilfsquellen laufen also auf Hoffnungen hinaus, und in dieser Hinsicht entbehren Ihre Verhältnisse der Sicherheit, die meine Pflicht zu fordern heischt. Ich wollte mit Euch Frauen darüber reden; allein, da alle Betheiligte hier beisammen sind, so will ich meine Meinung frei heraussagen.

Meine Herren, ich habe niemals auf einen reichen Schwiegersohn gerechnet, ja ich habe ihn nicht einmal gewünscht. In dieser Hinsicht wären die Umstände des Herrn Julius, wie mir dieselben mitgetheilt sind, kein Hinderniß, ihm meine Einwilligung zu dieser Verbindung zu geben, im Falle die Frauen auch ihre Zustimmung ertheilen... Aber, fuhr er mit gehobener Stimme fort, eins geht mir über alles, dies ist das Glück meiner Tochter! und dies setze ich in treue Liebe, in gegenseitiges Vertrauen, in Arbeit, gutes Benehmen, in ein rechtschaffenes tadelloses Leben.... und in nichts anders. Ich weiß, meine Herren, wie viel mein Kind werth ist! und derjenige, welcher ihr nicht alle die genannten Güter mitbringt, wäre unwürdig sie als Gattin zu besitzen, so wie er für mich ein Gegenstand des Hasses und der Verachtung sein würde...

Der Feldmesser schwieg einige Sekunden, doch nicht von Zärtlichkeit übermannt, sondern im tiefsten Herzen erschüttert; dann fuhr er ruhiger wieder fort: Jetzt werden Sie begreifen, liebe Herren, warum ich nicht auf Reichthum sehe... Die Güter, die Bürgschaften, welche ich verlange, welche ich fordere, sind weit schwerer anzutreffen als das Gold. Herr Julius hat einen Stand, ist jung, wird arbeiten, wir werden ihn unterstützen; da ist also kein Hinderniß.... Wenn er wohl aufschaut was er thut, und wozu er sich verpflichtet; wenn er, nur den unschätzbaren Werth einer tugendhaften Gattin erkennt, so gebe ich ihm gern die Hand Henriettens. Also, auf seine Rechtlichkeit vertrauend, daß er seine Versicherungen halte, wage ich ihn unsrer elterlichen Liebe zu versichern, so wie seines eignen Glücks.