Mein Herr, versetzte ich jetzt, so ruhig, als meine aufgeregte Stimmung nur immer gestattete, ich bestätige alle Worte meines Oheims, ich begreife sehr wohl die Ihrigen und mein Herz wird sie nie vergessen... Ich spreche zu Ihnen hier, nicht etwa von der Liebe, die ich zu Fräulein Henriette hege, hingerissen, sondern gekräftigt und bestärkt durch die Achtung, die ich für ihre Tugenden hege, und durch den Anblick des vollen und so zu verehrenden Glückes, zu dem Ihre Grundsätze führen... Möchte Fräulein Henriette und ihre Mutter Ihrer Einwilligung beipflichten, so schwöre ich hier, daß Ihre Familie um einen Sohn bereichert sein soll, der Ihre Erwartungen nicht täuschen wird!

Henriette sagte nichts; aber sie wendete sich gegen mich und reichte mir, innig bewegt, die Hand. Als mein Oheim das sah, verließ er seinen Sessel, eilte vor Alter und Freude schwankend auf uns zu und umarmte uns beide. Die Zähren waren ihm in die Augen getreten und die Liebkosungen Henriettens lockten dieselben in mildem leichten Fluß hervor. Der Feldmesser allein behauptete seine ganze Festigkeit, er näherte sich seiner Frau und hielt deren Fassung durch vorstellende, freundliche Worte aufrecht.


Als mein Oheim wieder nach seinem Lehnstuhl zurückgekehrt war, sprach er: Meine Freunde, ich danke Ihnen Allen... Dieser Tag erfüllt meinen letzten Wunsch. Dies liebenswürdige Kind (jetzt das meinige) wird glücklich sein... das ist ausgemacht... denn Sie werden in meinem Julius ein rechtschaffenes, liebendes Herz finden... bereit, alle seine Pflichten zu erkennen und zu erfüllen... wenn schon seine Laune munter und sein Kopf von den schönen Künsten eingenommen ist.

Ich wiederhole also, daß ich Ihnen Allen danke. Jetzt will ich Ihnen meine Gedanken sagen und wie die Dinge stehen. Dies Bürschlein wird in meine Stelle treten. Mein bischen Gut gehört ihm. Es gehört ihm seit einundzwanzig Jahren, laut meinem Testament... Er hat mich also seit einundzwanzig Jahren unterhalten... hier hielt er lächelnd inne.

In diesem Betracht, fuhr mein Oheim fort, werde ich ihm nicht lange mehr beschwerlich fallen, so daß die Zukunft keineswegs stockfinster ist... Diese kleine Habe ist eine Rente von hundert und siebenundzwanzig Pistolen, deren Kapital auf den besten Weinberg im Kanton Waadt angelegt ist... unter dem Schutz des Bacchus also sehen Sie... Es hat da gut gelegen, so daß seit fast vierundfunfzig Jahren die Rente auch nicht ein einziges Quartal ausgeblieben ist.

Ich sagte also, daß dies Hundert und siebenundzwanzig Pistolen sind... Außerdem funfzig, die mir der Bursch da kostet, sie sind ihm von heute an zugesichert... dieselben sollen in Terminen ausgezahlt werden, doch nicht an ihn... sondern an dies Fräulein, welche mir gestern als eine geschickte, treue Wirthschafterin erschienen ist.

Ein Gemurmel unterbrach meinen Oheim. Ei... so hört mich doch an... ich bitte Euch... es fehlt mir ja ohnehin an Kraft... die funfzig Pistolen sollen zur Einrichtung der kleinen Wirthschaft sein... denn es heißt ja, ohne Topf keine Suppe... nun, mein Neffe ist nicht reich an Töpfen... so muß ich wol für ein Hausgeräth sorgen... also wollen wir und werden unsre Kessel, unsre Speiseschränke, unsre Geräthe haben, und diese junge Dame empfangen, wie es ihrer würdig ist... Nun hört wie:

Ich habe in meinem langen Lebenslaufe viel alte Scharteken zusammengescharrt... ich sehe ein, daß ein Künstler, wie Julius, nicht viel damit anfangen kann... und ich, ich muß nun anfangen, an den Rückzug zu denken... Ich kenne einen Juden, der mir mit Vergnügen dabei hilft, und zwar ohne mich zu betrügen, denn ich kenne den Werth meiner Siebensachen... Ich habe bereits einen Theil der Summe aufgenommen; damit können wir die Kinder einrichten... Keine Umstände, keine Entgegnung: jedes Widerstreben würde mir schmerzlich sein. Zudem die Sache gewährt mir Erholung, der Jude leistet mir Gesellschaft dabei... wir lesen Hebräisch... wir vergleichen die Ausgaben... und ich sage einem nach dem andern meiner alten Bände Lebewohl... bis ich Euch endlich insgesamt Lebewohl sagen werde, meine Freunde.